Dallas: Endlich ist die Kultserie wieder da!

Dallas: Die US-Kultserie geht in die nächste Runde

Dienstags Abends um Viertel nach Zehn ist es wieder soweit: Der mieseste, charmanteste und durchtriebenste Fiesling der Fernsehgeschichte kehrt ins Wohnzimmer zurück: Larry Hagman alias J.R. Ewing und der Rest seiner herrlich verkommenen Familie schwingen wieder die Intrigenkeule. Ein Wiedersehen der besonderen Art: Auch, weil man damit Larry Hagman posthum vor dem Fernseher die letzte Ehre erweist – der Schauspieler starb im vergangenen Jahr.

Dallas: Die US-Kultserie geht in die nächste Runde
Dallas: Die US-Kultserie geht in die nächste Runde

Von Merle Wuttke

Natürlich muss der Alte wieder ran. Wie immer. Seine Boshaftigkeit und Cleverness erreichen eben nur wenige, und Sohn John Ross muss noch üben bis er Daddy das Wasser reichen kann. Es gibt und gab eben nur einen J.R Ewing. Sogar als alter Mann lässt er es sich nicht nehmen gegen Bruder Bobby zu schießen und verlässt in der Neuauflage der 80er-Kult-Serie 'Dallas' als zunächst siecher Greis das Pflegeheim, um später die alte Familienfehde wieder flott voran zu treiben. Das nennt man Durchhaltevermögen.

Willkommen zurück auf der Southfork-Ranch

Der Rest der Familie ist natürlich nicht gerade begeistert, als der Alte wieder auf der Southfork-Ranch auftaucht, Sue Ellen – ansonsten erstaunlich gut gealtert – wirkt jedenfalls, als würde sie am liebsten erneut zur Whiskey-Flasche greifen und Bobby, das ewige Weichei, weiß mal wieder nicht, wie ihm geschieht. Was für eine schrecklich nette Familie – und wie schön Euch alle wieder zu sehen!

Dallas: Texas, Öl, Macht und Geld

Liegt schließlich drei Jahrzehnte zurück, als wir uns das erste Mal begegneten – am 30. Juni 1981 lief die erste Folge in Deutschland. Und alle waren fasziniert. Von dieser komplett anderen Welt. Texas. Öl. Macht und Geld. Dazu kam der Glamourfaktor. Schöne Frauen, fiese Typen, tolle Autos, Riesenranch – welche deutsche Serie konnte (und kann) da schon mithalten?!

Es wurde über die Maßen betrogen, getrunken und geliebt. Alles war so ur-amerikanisch und dabei dermaßen durchgestylt, dass heute beinahe grotesk wirkt, wenn man die alten Folgen wieder schaut. Z. B. Lucy, dieses blonde Superpüppchen, alles echt ohne Silikon in den Brüsten. Oder Sue Ellen – niemals mehr hat man im Fernsehen jemanden eleganter und tragischer saufen sehen als sie. Und welche 20jährige in den 80ern wollte nicht aussehen wie das schöne Miststück Afton Cooper alias Audrey Landers. Diese Föhnwelle, dieser Blick aus den blau geschminkten Augen – oha! Ja, es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu behaupten: 'Dallas' hat das deutsche Geschmacksempfinden über Jahre deutlich geprägt. Schulterpolster, Riesen-Ohrringe, Lipgloss – endlich konnte man auch mal in der deutschen Provinz zeigen, dass sich gutes Aussehen nicht nur auf Cordhose und Ringelpulli beschränkt. Und während es im damals beschaulichen Westdeutschland in Politik, Medien und Wirtschaft noch recht brav und korrekt zuging, brach mit 'Dallas' eine Welt der moralischen Verkommenheit über die deutschen Zuschauer ein: Gier, Lust, Maßlosigkeit galten in der Serie schließlich als durchaus vertretbare Maßstäbe. Es bleibt eben wie es ist: Nur bei 'Dallas' kann das Böse so gut aussehen.

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