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Cybermobbing: Was tun?

Cybermobbing: Was tun?
Das world wide web verschiedene, unschöne Möglichkeiten für Cybermobbing © ddp images/dapd/Nigel Treblin, dapd

Mobbing 2.0 - Internet-Hetze an Schulen

Erinnern Sie sich noch an das "Star Wars Kid"? Wurden Sie nicht auch via Kettenmail auf diesen lustigen Clip mit dem etwas übergewichtigen Jungen hingewiesen? Haben wir nicht alle gelacht als er bewaffnet mit einem Besenstil Kampfübungen a la Darth Vader vorführte? Wie er geradezu ekstatisch seine Waffe schwingt, hin und her springt, kampfeslustig "Huaah" in die Kamera schreit und so herrlich dilettantisch dabei wirkte? Ja, wir fanden es lustig! Und schauten uns das Video gern auch mehrmals an.

Von Ulrike Reimann

Haben wir uns dabei je gefragt wie der Clip ins Netz gelangt ist? Keiner ist wohl auf die Idee gekommen, dass der Protagonist unfreiwillig zum weltweiten Internet-Star wurde. Der Teenager aus Kanada hatte sich selbst gefilmt während er die Star-Wars-Kampfszenen nachstellte. Versehentlich vergas er die Videokassette im Camcorder seiner Schule. Ein Mitschüler fand das Werk und stellte es ins Netz. Über Nacht wurde aus dem Highschool Schüler das "Star Wars Kid". Milliardenfach wurde sein Clip, der nie für die Öffentlichkeit bestimmt war, angeschaut. So gelangte der damals 14-Jährige zu seiner traurigen Berühmtheit. Dass er sich von da an in seiner Stadt nicht mehr frei bewegen konnte ohne gehänselt zu werden, haben wir beim Belächeln seiner Kampfeskünste wohl nicht bedacht. Tatsächlich häufen sich solche Internetstreiche. Immer mehr Teenager nutzen die virtuelle Welt um unbeliebte MitschülerInnen zu beleidigen, bloßzustellen und zu schikanieren.

Dank des Nickname's (Name für Computernutzer) fühlen sich die Jugendlichen sicher, weil sie anonym bleiben. Grenzen werden schnell überschritten denn dafür bietet das world wide web verschiedene, unschöne Möglichkeiten. Rundmails mit bösartigen Gerüchten sind schnell verschickt. Und auch Websites sind im heutigen Zeitalter schnell selbst gestaltet. Ein paar Klicks, ein paar peinliche Fotos, und schon kann man die Geächtete Person –schlichtweg- fertig machen.

Mittlerweile erleichtern Online-Communities oder auch Social Networks genannt, (Netzgemeinschaft von Menschen, die sich via Internet begegnet und austauscht) die Internetverleudmung. SchülerVZ und SchülerCC zum Beispiel sind solche Online-Portale welche bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt sind. Hier wird der User dazu eingeladen, eigene Inhalte online zu stellen und sich mit seiner Vita selbst zu präsentieren. Außerdem kann man dort Freunde "sammeln". Für die meisten Teenager gilt hier das Motto: "Je mehr Freunde ich habe, umso cooler bin ich." Wie viele dann wirklich echte Freunde sind und wie viele Kinder sich näher kennen ist eher zweitrangig. Abgerundet werden die persönlichen Profile mit einer Online-Pinnwand, vergleichbar mit dem Gästebuch. Jeder angemeldete User kann diese im wahrsten Sinne "vollkritzeln". Also beste Grundvoraussetzungen für öffentliche Rufmordkampagnen gegen unbeliebte Schüler und Außenseiter.

Eltern müssen nicht hilflos zuschauen

Doch was kann man dagegen unternehmen? Die "Zeit" beschäftigte sich kürzlich mit dem Thema und berichtete über eine Gesamtschule in Neumünster an der Computern, Handys und den neuen Medien der Kampf angesagt wurde. In dem drei-seitigen Artikel wird aber eigentlich nur die schiere Hilflosigkeit der Eltern und Lehrer deutlich. Einzelfälle werden vorgestellt: Eine gemobbte Schülerin, die die Schule verlassen will. Schüler deren Leistungen nachließen weil sie bis spät in die Nacht blutrünstige Computerspiele spielten oder eine Familie die ihrem 11-Jährigen Sohn weder Fernsehen noch Internet gestatten und sich sicher sind "das stecke er schon weg wenn er auf dem Schulhof nicht mitreden könne, er hätte ein gesundes Selbstbewusstsein." Aber wie viele Eltern wissen wirklich was in ihren Kindern vorgeht? Und wie viele Kinder fressen aus Scham und Angst den Kummer in sich hinein ohne sich mitzuteilen?

Erreicht man mit dem Versuch, Kindern den Zugang zum Internet zu verwehren überhaupt etwas? Oder sollten wir uns der Herausforderung stellen und ihnen beibringen verantwortungsvoll mit den Medien umzugehen? Der Hamburger Therapeut Georg Romer sagte dazu in einem Interview der „Zeit“ dass "Kinder lernen müssen, damit umzugehen und Maß zu halten. Das ist wie beim Alkohol, den kann man kaufen, aber man muss damit umgehen lernen." so der Experte. Doch ob der Vergleich mit Alkohol in diesem Zusammenhang so passend ist, wäre zu bezweifeln, denn für Kinder gilt ein generelles Alkoholverbot. Prof. Dr. Gerhard Tulodziecki, Medienpädagoge aus Paderborn hat dagegen konkretere Vorstellungen: "In der Tat führen bloße Verbote in der Regel nicht weiter (wobei allerdings auch das Alter der Kinder eine Rolle spielt). Besser ist es, den Kindern zu helfen (besser "helfen" als "beibringen"), verantwortungsvoll mit den Medien umzugehen - wenn dies im Einzelfall auch schwierig sein mag."

Von Ulrike Reimann (09.07.2008)

So bereiten Sie Ihr Kind auf sicheres Networking vor

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Surfen Sie zusammen mit ihrem Kind - das schafft Vertrauen. © picture-alliance/ dpa, Karl-Josef Hildenbrand

1. Achten sie darauf, welcher Anbieter von Sozialen Netzwerken für Kinder geeignet ist.

2. Der Anbieter sollte in jedem Falle den Usern die Möglichkeiten geben, ihre Privatsphäre zu schützen, bzw. den Zugriff auf die Profile einschränken zu können.

3. Für Private Daten, wie Adresse und Telefonnummer sollte es eine Ausblend-Funktion geben.

4. Erklären sie ihrem Kind warum es sparsam mit der Angabe von persönlichen Daten sein sollte.

5. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus und fragen Sie nach ihren Erfahrungen.

6. Lassen Sie sich bei einer gemeinsamen Surftour das Netzwerk-Profil ihres Kindes zeigen und erklären. Das schafft Vertrauen und sie müssen nicht ständig ihrem Kind hinterher spionieren.

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