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Cybermobbing: So stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes

Cybermobbing - SO stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes

Cybermobbing unter Schülern ist schon länger ein Problem. Untersuchungen zeigen, dass hauptsächlich Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren betroffen sind, bereits jede zweite wurde schon einmal virtuell gemobbt. Was können Eltern dagegen tun?

Cybermobbing: Mutter tröstet Tochter
Digitaler Stress: Cybermobbing während der Pubertät kann eine persönliche Katastrophe auslösen © Machine Headz

Von Jutta Rogge-Strang

Im Internet ist es ganz leicht, unbeliebte Mitschülerinnen fertig zu machen: Denn die blitzschnelle und teilweise anonyme Verbreitung von Hetzkampagnen hört auch vor dem sicheren Zuhause nicht auf. Rund um die Uhr ist es möglich, die Betroffenen bis in die eigenen vier Wände zu terrorisieren. Gut hat es dagegen diejenige, die viele Facebook-Freunde hat: Das Mädchen mit den coolsten Klamotten und dem hübschesten Aussehen bekommt natürlich auch die meisten 'Facebook'-Likes und steigt im Klassenranking auf.

Aber auch das hübscheste und netteste Mädchen der Schule ist vor Cybermobbing nicht sicher. Denn Gut und Böse, Likes und Mobbing gehen manchmal ineinander über. Mal wird ausgegrenzt, mal werden neue Freundschaften geschlossen, tagtäglich ändern sich die Konstellationen. Die Pubertät ist für Mädchen ein ewiges Auf und Ab zwischen Anerkennung und schmerzlicher Ablehnung. Geändert hat sich jedoch, dass diese Phasen der Persönlichkeitsentwicklung heute auch virtuell ausgetragen werden und sich eben auch blitzschnell in eine katastrophale Situation verändern können.

Natürlich wäre es am besten, die Kinder schon weit im Vorfeld zu stärken, damit sie Selbstvertrauen aufbauen können. „Wenn man hässlich ist, wird man direkt gemobbt“, so eine 14jährige Schülerin in einem 'ZDF'-Interview. Aber eine lange Nase oder eine pummelige Figur sind kein Anlass, sich minderwertig zu fühlen. Bringen Sie Ihren Kindern zudem den richtigen Umgang mit digitalen Medien bei: Höchste Vorsicht ist geboten beim Einstellen von Fotos und Videos, denn das Internet vergisst nichts. Auch ein Gespräch unter vier Augen ist immer noch der beste Weg ist, sich wieder zu vertragen, anstatt sich per Email oder 'WhatsApp' zu streiten.

Kurzzeitige Online-Pause kann helfen

In der Pubertät ist das aber alles nicht so einfach. Die Ausgrenzung von Einzelnen durch Spott, Häme und Schikane geht im Internet, per 'Facebook', 'WhatsApp' oder SMS schnell und unkompliziert. Mobbing findet zudem dann statt, wenn keine Erwachsenen dabei sind: Auf dem Schulweg, in den Pausen, Freistunden und Umkleideräumen. Das direkte Ansprechen der Mobber bringt nicht viel: Eigentlich finden die Schüler das Dissen ganz in Ordnung, immerhin seien die Opfer selber schuld. Auch die Mitläufer sind froh, nicht selbst in der Opferrolle zu sein und ihren Spaß haben zu können.

Sollte Ihre Tochter gemobbt werden, gilt als erstes: Nehmen Sie Ihr Kind ernst! Mobbing-Opfer schämen sich meist so sehr, dass sie nicht darüber reden wollen. Häufig suchen sie die Schuld bei sich selbst. Die Schuld liegt aber absolut nicht beim Mobbing-Opfer, und deshalb sollte es sich auch wehren. Suchen Sie Hilfe, melden Sie sich bei Notrufnummern an, informieren Sie sich im Internet. Wilde Attacken gegen die Mobber nützen wenig, sondern provozieren im schlimmsten Fall eine Zunahme des Mobbings. Sprechen Sie Schule und Lehrer an, beraten Sie sich mit der Polizei. Viele Mobber wissen nicht, dass sie wegen Rufschädigung, Beleidigung und Verleumdung angezeigt werden können. Dafür können Eltern gemeinsam mit ihrem Kind im Vorfeld schon Beweise sichern. Lassen Sie Beleidigungen im Netz vom Seitenbetreiber löschen.

Sinnvoll ist auch ein Wechsel der Handynummer und Email-Adresse. Denn wer das Mobbing bewusst ignoriert oder nicht mehr erreichbar ist, kann als Opfer uninteressant werden. Dazu ist eine freiwillige 'Facebook'-Pause sinnvoll: Keine Fotos mehr einstellen, sich nicht mehr fotografieren lassen, keine Diskussionen mehr per Email oder SMS führen. Eine aktuelle Studie der Landesmedienanstalt NRW unter Jugendlichen zwischen acht und 14 Jahren bezeichnet das Smartphone als größten Stressfaktor. Fast die Hälfe der Jugendlichen (48 Prozent) geben an, durch das Handy abgelenkt zu werden. Da wäre eine virtuelle Pause sowieso ganz gesund.

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