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CollarboneChallenge: Mädchen stacheln sich zum Abnehmen an

Der grausame Bodyshaming-Trend

Im Netz (und auch im echten Leben) wimmelt es von diskussionswürdigen, teilweise abstoßenden Challenges. Die neueste aus der Rubrik "Magerwahn öffentlich zur Schau gestellt" nennt sich #CollarboneChallenge. Kurz: Mädchen legen sich Geldstücke in die Schlüsselbein-Kuhle. Je dünner die junge Frau ist, desto mehr Geldstücke bleiben liegen.

CollarboneChallenge: Mädchen stacheln sich zum Abnehmen an

Von Ursula Willimsky

Ich weiß nicht, was mich daran am meisten beunruhigt: Dass Mädchen sich mit immer neuen Methoden öffentlich dazu anstacheln, ihrem Körper möglichst viele Nährstoffe vorzuenthalten? Dass die Gleichung 'übertrieben dürr = sexy' immer noch gilt? Oder dass es eigentlich keinen weiblichen Körperteil mehr gibt, der nicht gnadenlos einer Bodyshaming-Kontrolle unterzogen wird?

Fangen wir mit den Körperteilen an. Denn mit ihnen lässt sich wunderbar zeigen, wie leicht es ist, selbst an der schönsten Frau etwas zu finden, womit man sie und ihren Körper niedermachen kann. Ein Beispiel soll genügen: Kürzlich machte sich die 'Daily Mail' über Frauen mit großen Füßen lustig. Die 'Parade der Big Food Celebs' war der Artikel betitelt.

Dabei erfuhr man schockierende Details: Scarlett Johansson hat bei einer Körpergröße von 1,60 Schuhgröße 42, genauso wie Sandra Bullock mit ihren 1,68 Metern. Elle McPherson kommt gar auf Schuhen in Größe 42,5 daher. Worin der Nachrichtenwert dieses Artikels liegt, wissen wir nicht.

Psychologen warnen vor dieser Art von Challenge!

Aber eines wissen wir: All diese Betrachtungen anatomischer Details hinterlassen Spuren im Selbstbewusstsein der Leserin. Sind meine Füße vielleicht auch etwas, für das ich mich schämen muss? Reicht es nicht schon, dass ich eckige Knie, zu kleine Ohren, kantige Ellbogen und eine Lücke zwischen den Schneidezähnen habe und dass das einzig dünne an mir die Haare sind? Ja. So funktioniert Bodyshaming, und man muss schon eine starke Persönlichkeit sein, um sich bei all den medialen Vorbildvorlagen noch selbst zu mögen.

Gerade Teenager und junge Frauen tun sich da oft schwer, sie sind ja noch auf der Suche nach dem "Ich", mit dem sie ins Erwachsenendasein starten wollen. Sie orientieren sich häufig an angeblichen Trends, wollen mitmachen, dazugehören und Anerkennung finden. Auch wenn der Weg dahin ihrem Körper und ihrer Psyche nicht immer gut tut.

Psychologen und Experten für die Vermeidung und Behandlung von Essstörungen warnen vor dieser Art von Challenge. Denn jede von ihnen hat eine gefährliche Seite. Sie können dazu animieren, den eigenen Körper einer gnadenlosen Jury zur Beurteilung vorzustellen. In dieser Jury sitzen dann die eigene - vielleicht fehlgeleitete - Selbstwahrnehmung, Freundinnen und die Web-Gemeinde. Sie können Menschen glauben lassen, dass ihr Körper, ihr Aussehen, verbesserungswürdig sei. Wer zu Essstörungen neigt, kann in ihnen die Aufforderung sehen, noch weiter abzunehmen.

Bei der Collarbone-Challenge zum Beispiel werden die Posts gerne untertitelt mit Sätzen wie: "So überprüfst Du, ob Du ein sexy Schlüsselbein hast!" Sexy im Sinne von knochig. Auch diese Challenge kommt - ähnlich wie die Bellybutton-Challenge - aus China und hat zig Tausende von Anhängern. Bei beiden Challenges geht es darum, Bilder von sich selbst zu posten und zu zeigen, dass der eigene Körper die Herausforderung bewältigt. Mal gilt es, sich selbst einmal um den Rücken zu fassen und dann mit demselben Arm den Bauchnabel zu berühren, mal gilt es, in die Schlüsselbein-Kuhle einen Stapel Münzen zu platzieren. Beides soll signalisieren: Ich bin fit!

Wie absurd. Immerhin kursieren im Netz auch Bilder von Teenagern, die die #CollarboneChallenge für sich neu interpretiert haben. Diese Fraktion drapiert sich Nudeln ums Dekolleté, klemmt sich eine leere Weinflasche unters Kinn (was natürlich auch nicht völlig okay ist) oder verteilt angebissene Schokoriegel ums Schlüsselbein herum. In dem Fall wird auf den Selfies auch nicht lieb gelächelt sondern die Zunge rausgestreckt.

Definitiv die beste Methode, um diese Art von Challenge anzunehmen.

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