Co-Pilot verursacht Germanwings-Absturz: Was bedeutet das für Angehörige?

Aus Trauer wird jetzt Wut

Nach der Germanwings-Katastrophe ist ein ganzes Land in Trauer. Jetzt, da die wesentlichen Details der Absturzursache geklärt scheinen, kommt Wut auf: Wut auf den Co-Piloten Andreas L., der 149 Menschen und sich selbst höchstwahrscheinlich absichtlich in den Tod geflogen hat.

Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern, fasst seine Gefühle so zusammen: „Es ist noch viel schlimmer, als wir gedacht haben. Das macht uns alle auch so wütend, dass ein Freitod dazu führte, dass weitere 149 Menschen sterben mussten.“ Auf diese Wut müssen sich jetzt womöglich auch die Eltern des vermeintlichen Todespiloten einstellen. Dabei können die natürlich nichts für die schreckliche Tat ihres Sohns.

Der Psychologe Dr. Matthias Nagel weist darauf hin, man müsse berücksichtigen, dass auch die Angehörigen des Co-Piloten selbst – und zwar in besonderem Maße - traumatisiert wurden durch diese Tat. Sie selbst seien auch Angehörige, die einen Menschen verloren haben und es sei jetzt wichtig, dass auch sie Zuwendung und Unterstützung bekommen.

Man sollte meinen, für die Eltern des Co-Piloten hätte es nicht schlimmer kommen können. Gerade deshalb ist ihr Umgang mit den anderen Angehörigen in Saint les Alps jetzt so wichtig.

Bernd Gans, der seine Tochter beim Absturz der Air-France-Maschine im Jahr 2009 verlor, erinnert sich an seine Gefühle damals und rät den Hinterbliebenen des Co-Piloten: “Sie sollten den Hinterbliebenen offen bekennen, dass sie sie betrauern und dass das Verhalten ihres Sohnes auch für sie nicht erklärbar ist.”

Vielleicht helfen die Ermittlungen in Andreas L. Umfeld, um zu verstehen, warum der junge Mann womöglich ein Flugzeug voller Unschuldiger mit in den Tod gerissen hat.

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