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Co-Abhängigkeit: So sehr leiden die Partner eines Suchtkranken

Daniela Boening war jahrelang co-abhängig

Wenn ein Mensch seiner Alkoholsucht verfällt, so leidet nicht nur er selber, sondern auch sein Partner. Wenn der Partner dann in eine Situation kommt, wo er die Sucht noch weiter fördert oder sie von der Umwelt verstecken will, so spricht man von einer Co-Abhängigkeit. Wie schlimm diese ist und wie sich die Abhängigkeit auf die Beziehung auswirkt, erzählt die Hebamme Daniela Boening – ihr Mann war jahrelang Alkoholiker.

Co-Abhängigkeit: So sehr leiden die Partner eines Suchtkranken
Wenn der Partner die Sucht fördert oder sie von der Umwelt verstecken will, so spricht man von einer Co-Abhängigkeit. © dpa, Jens Büttner

Als Daniela ihren Mann Jörg kennenlernte, war dieser bereits seit 22 Jahren alkoholsüchtig. Davon merkte sie in den ersten Jahren allerdings nichts. Erst spät fielen ihr Situationen auf, in denen ihr Freund mehr trank als gewöhnlich. Sie sah sein Trinkverhalten allerdings als normal an. Doch als die Trinkpausen immer kürzer wurden, fing Daniela an, sich Sorgen zu machen. Sobald sie ihn darauf ansprach, tat er ihre Bedenken aber als Einbildung ab.

In Deutschland sind rund neun Millionen Menschen coabhängig. Man möchte den Partner natürlich schützen und fängt selbst an zu lügen, um die Sucht vor anderen zu verstecken. In so einem Fall ist es als Allererstes wichtig, sich selbst einzugestehen, dass es ein Problem gibt. Hilfe finden Betroffene bei einer Suchtberatungsstelle oder bei einem Hausarzt. Jedoch sollten Partner vermeiden, anklagend zu wirken oder den Suchtbetroffenen unter Druck zu setzen, denn dies löse erst recht Verlangen nach der Droge beim Suchtkranken aus, so Dima Salloum, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Daniela versuchte ihren Mann zu verlassen, was allerdings schwerer war als zunächst angenommen. Erst als Jörg sich selbst in eine Suchtklinik zum Entzug anmeldete, besserte sich die Lage. Nach den ersten Wochen, in denen Jörg trocken war, hat er sich selbst neu kennen gelernt. Und als Daniela wieder neue Hoffnung für die Familie schöpfte, entschied er, dass er sie verlassen müsse, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Jahre nach der Therapie können die beiden Ex-Partner wieder normal miteinander reden und kümmern sich gemeinsam um ihre kleine Tochter.

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