Christof Lang: "Das war meine Stadt, die attackiert wurde"

Christof Lang live aus New York
Christof Lang live aus New York Breaking News: Terror gegen Amerika 00:13:20
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11. September 2001: Christof Lang erinnert sich

Nachtjournal-Redaktionsleiter Christof Lang war am 11.09.2001 als Korrespondent für RTL in New York. Für uns erinnert er sich an diesen außergewöhnlichen Tag und berichtet, wie er die Terroranschläge damals erlebt hat.

Christof Lang
Nachtjournal-Redaktionsleiter Christof Lang erlebte die Terroranschläge vom 11. September 2001 vor Ort in New York.

Wie und wo haben Sie von den Ereignissen erfahren?

Christof Lang: "Ich hatte an diesem Morgen von zu Hause aus gerade wie üblich mit RTL Aktuell telefoniert wegen des Stückes, das ich an diesem Vormittag eigentlich für die Sendung hätte machen sollen. Kaum dass wir aufgelegt hatten, klingelte das Telefon schon wieder - erneut der Kollege aus Köln. Aufgeregt sagte er, ich solle den Fernseher anmachen, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen. Weil mir das unmöglich schien, hielt ich das im ersten Moment für einen schlechten Scherz und antwortete sinngemäß, 'ja, ganz bestimmt, und zwar in den letzten 60 Sekunden seit unserem Gespräch, richtig?'

Es war aber leider kein Scherz, und schon beim ersten Blick in den Fernseher wurde mir klar, dass dieser Tag in die Geschichte eingehen würde. Ich bin dann sofort Richtung Büro gerast, das nicht weit entfernt war. Als ich dort ankam, war vorübergehend sowohl das New Yorker Telefonfestnetz als auch das Handynetz zusammengebrochen. Unglaublich! Dann begann der intensivste Tag meines Berufslebens - ich stand, glaube ich, etwa 14 Stunden durchgehend an der Liveposition auf unserem Dach."

Welche Erinnerungen haben Sie an den 11. September 2001?

Christof Lang: "Es war surreal - ich wusste, die Anschläge sind Realität, aber alles sperrte sich in einem, das zu glauben. Da sprangen verzweifelte Menschen in den Tod! Als Reporter stürzten immer neue Informationen auf einen ein, die sich oft gegenseitig widersprachen und erstmal analysiert und sortiert werden mussten. Aber dafür war eigentlich keine Zeit. Die riesige Wolke über dem Süden Manhattans werde ich nie vergessen, und ebensowenig den Geruch, der sich langsam zu uns Richtung Norden vorarbeitete. Und das alles an einem Tag, der am Morgen noch der perfekte Sommertag gewesen war. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits jahrelang in New York gelebt - das war meine Stadt, die da attackiert worden war."

Haben die Ereignisse Sie nachhaltig beeinflusst? Und wenn ja, wie?

Christof Lang: "Wenn ich es vorher noch nicht gewusst haben sollte, dann wusste ich spätestens von diesem Moment an, wieviel Leid Fanatiker anrichten können. Der 11. September ist der wohl einzige Tag meines Lebens, bei dem ich mich an fast jedes Detail zu erinnern glaube - das zeigt, wie tief sich alles eingegraben hat.

Auf der positiven Seite: Ich habe in den Wochen danach eine Stadt erleben dürfen, die sich dem Schrecken nicht ergeben hat, sondern zusammenwuchs. Das war sehr beeindruckend. Und ich habe für mich selbst gesehen, wieviel Energie man aufbringen kann, wie wenig man z.B. über längere Zeit schlafen kann, wenn es nötig ist."

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