Christian Wulff: Ist er der neue zu Guttenberg?

Christian Wulff
© dpa, Jochen Lübke

Ein neues Haus für Christian Wulffs Gattin

Bundespräsident Christian Wulff wird am ersten Weihnachtsfeiertag die traditionelle Ansprache ans Volk halten. Sie wurde bereits aufgezeichnet. Er soll über Zusammenhalt in der Gesellschaft parlieren, sich gegen Rassismus aussprechen, berichten Menschen, die dabei waren. So weit, so hübsch. Allerdings sagt er kein Wort zu all den Vorwürfen, die momentan gegen ihn erhoben werden.

Von Christiane Mitatselis

Das Verhalten Wulffs, seit Juni 2010 höchster Repräsentant des Landes, ist traurig. Zu seiner Verteidigung hat er, dem Beispiel des Plagiators zu Guttenberg folgend, eine Salami-Taktik gewählt – heißt: Wulffs Anwalt Gernot Lehr räumt seit Tagen nur so viel ein, wie er muss. Allerdings ist das inzwischen eine Menge, nämlich: Ein Privatdarlehen der Frau des Unternehmers Egon Geerkens in Höhe von 500.000 Euro zur Finanzierung des Wulff'schen Hausbaus im Jahr 2008 - zum Zinssatz von jährlich vier Prozent. Egon Geerkens half Wulff danach bei der Suche nach einer Immobilie und stellte einen Kontakt zu seiner Hausbank her, die den Kredit übernahm. Wulff (52) und seine 14 Jahre jüngere Bettina brauchten halt eine schicke, neue Hütte.

Dann war da die im Herbst 2007 vom AWD-Gründer Carsten Maschmeyer finanzierte Anzeigen-Kampagne für Wulffs Buch, das den Titel "Besser die Wahrheit" trägt. Wulff befand sich damals mitten im niedersächsischen Landtagswahlkampf. Von der Kampagne will er nichts gewusst haben. Außerdem ließ sich der Politiker einige Mal von befreundeten Unternehmern zu Urlauben einladen.

Christian Wulff schweigt zu den Vorwürfen

Zu all diesen Dingen hat Wulff selbst bislang nichts gesagt. Dabei ist ihm das Ansehen des Amtes des Bundespräsidenten angeblich so wichtig. Als der damalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2000 wegen einer Flugaffäre (die West LB hatte ihm in seiner Zeit als NRW-Ministerpräsident Flüge und eine Geburtstagsfeier finanziert) in der Kritik stand, forderte Wulff dessen Rücktritt: „Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben“, lauteten damals seine Worte. Nun lässt er sich von Anwalt Lehr vertreten, der auch für Rau arbeitete. Und es schaffte, Rau aus der Schusslinie zu bekommen.

Wulff klammert sich trotz allem an sein Amt. Und dabei sollte er als Bundespräsident durch moralische Integrität überzeugen. Wie einst Richard von Weizsäcker, der von 1984 bis 1994 Präsident war und die Menschen mit Offenheit und Klugheit gewann.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner legte Wulff nahe, "jetzt in der Situation" keine Weihnachtsansprache zu halten. Wenn er selbst sich in einer vergleichbaren Lage befände, "dann müsste ich meinen Hirtenstab abgeben". Apropos Kirche: Um Lichtjahre eleganter war das Verhalten von Margot Käßmann. Als Landesbischöfin von Hannover war sie ebenfalls eine moralische Instanz; und so legte sie ihr Amt sofort nieder, nachdem sie im Februar 2010 alkoholberauscht Auto gefahren war. Sie fand sich selbst nicht mehr glaubwürdig. Von klugen Frauen wie ihr sollte sich der Präsident beraten lassen. Und nicht von steinreichen Unternehmern.

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