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Checkliste für eine Scheidung

Checkliste für eine Scheidung
Checkliste für die Scheidung © picture-alliance/ dpa, Fotoreport

Böse Überraschung: Partner will plötzlich die Scheidung

Die 44-jährige Britta erlebte an einem Februar-Wochenende vor fünf Jahren ihr blaues Wunder: Sie hatte sich auf zwei entspannte Tage mit ihrem Mann Jonas gefreut. Kuschelig und gemütlich zu Hause – ohne Termine, ohne Verpflichtungen. Beim Sonntags-Frühstück kam dann der Hammer.

Von Daniele Erdorf

Zwischen Ei und Marmelade eröffnete Jonas ihr: "Britta, ich lasse mich scheiden. Ich packe gleich meine Sachen zusammen und bin dann weg." Danach war das Gespräch beendet. Britta bombardierte Jonas mit Fragen, bekam aber keine Antworten mehr. Geschockt, verzweifelt und in Tränen aufgelöst, blieb sie in der - bis dahin - gemeinsamen Wohnung zurück. Zwar hatte es in der fast 10jährigen Ehe der beiden immer wieder mal Schwierigkeiten und richtigen Zoff gegeben, aber mit der Trennung von jetzt auf gleich hatte Britta nun wirklich nicht gerechnet.

Rechtzeitig über Rechte und Pflichten informieren

Doch das war noch nicht das gesamte Überraschungspaket, das Jonas für sie geschnürt hatte: Als sie ein paar Tage später am Geldautomaten stand, war die Karte plötzlich weg - eingezogen. Der Anruf bei der Bank ergab dann, dass der Gatte, dank seiner Vollmacht, das Konto inzwischen leer geräumt hatte. Seit dem befindet sich Britta in einer wahren Scheidungsschlacht, die bis heute andauert.

Heike Upmann dazu: "In solchen Fällen haben Frauen kaum eine Chance das Schlimmste zu verhindern. Aber oft kündigt sich an, dass bald Schluss ist. Dann sollte frau sich so schnell und umfassend wie möglich informieren. Es ist kein Betrug am Partner wenn Frauen sich über Ihre Rechte und Pflichten informieren." Bedacht werden sollte dabei allerdings auch, dass eine gewisse Offenheit hilfreich sein kann. Je mehr von Anfang an gemeinsam geklärt wird, desto günstiger sind die Voraussetzungen für eine einvernehmliche Trennung.

Checkliste für eine Scheidung

Um Ihre Interessen zu sichern und keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Sie auf folgende Punkte achten:

- Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Gesamtsituation, noch bevor Sie aus der Wohnung ausziehen. Sind Sie erst ausquartiert, haben Sie möglicherweise keinen Zugriff mehr auf gemeinsame Unterlagen. Kopieren Sie wichtige Papiere wie Steuerbescheide, Kreditverträge oder gemeinsame Versicherungen. Notieren und fotografieren Sie gegebenenfalls, wem was gehört. Das gilt insbesondere für die Gegenstände, die Sie in die Ehe eingebracht haben und die Sie nicht sofort oder gar nicht mitnehmen können.

- Klären Sie die finanzielle Situation: Wie sieht es auf dem Konto aus? Wer hat welche Vollmachten? Je nach dem wie harsch der Konflikt und wie groß Ihre Befürchtung ist, dass Ihr Ex-Gatte das Konto leer räumen könnte: Informieren Sie ihre Bank über die Situation und nehmen Sie Vollmachten zurück. Kündigen Sie Partnerkarten für Ihre Kreditkarte oder Ihr Konto. Checken Sie Lastschriften und Darlehensraten.

- Halten Sie das Trennungsdatum fest: Das ist später wichtig, um den Ablauf des Trennungsjahres zu ermitteln.

- Falls Sie aus wirtschaftlichen Gründen zusammen in der gemeinsamen Wohnung bleiben müssen: Es ist durchaus möglich, getrennt in der gemeinschaftlichen Wohnung zu leben. Wichtig dabei: Halten Sie auch hier das Trennungsdatum fest. Schlafen Sie in unterschiedlichen Räumen. Wäschewaschen, Einkaufen, einfach alles, was zum gemeinsamen Leben dazu gehört sollten Sie künftig klar voneinander abgegrenzt tun. Bitten Sie im Zweifel einen Freund oder eine Freundin, dies zu bezeugen. Nur so lässt sich später das Trennungsjahr vor Gericht belegen.

- Sofern Sie steuerlich gemeinsam veranlagt sind: Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Steuerberater oder dem Finanzamt auf!

- Kündigen Sie gemeinsame Versicherungen und versichern Sie sich, falls erforderlich, neu.

- Überprüfen Sie Vereinbahrungen, die Sie für den Todesfall getroffen haben. Ändern Sie gegebenenfalls Ihr Testament. Das gilt auch für Versicherungen, die Ihren Ex-Gatten im Todesfall begünstigen.

- Bedenken Sie die Kosten einer Scheidung. Diese setzen sich zusammen aus den Anwaltskosten, den Gerichtsgebühren und gerichtlichen Auslagen, beispielsweise für Zeugen und Sachverständige. Sowohl die Gebühren der Rechtsanwälte als auch die des Gerichts richten sich nach dem Streitwert. Die jeweilige Höhe richtet sich wiederum nach den gesetzlich festgelegten Tabellen. Rechtsanwälte dürfen diese Gebührensätze nicht unterschreiten, können aber im Einzelfall durch Honorarverträge höhere Gebühren vereinbaren. Achtung: Die Vereinbarung von Erfolgshonoraren ist bei uns nicht erlaubt. Der Streitwert des Scheidungsverfahrens liegt beim dreifachen Monatsnettoeinkommen beider Ehegatten. Sollten Schulden bestehen, werden diese berücksichtigt. Ist Vermögen vorhanden, können Zuschläge hinzukommen. Der Mindeststreitwert einer Scheidung beträgt 2.000 Euro.

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