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Charlotte Roche und das "Mädchen für alles": Noch ein langweiliger Tabu-Bruch?

Charlotte Roche bringt ihren dritten Roman raus
Unsere Autorin nimmt sich Charlotte Roche zur Brust © picture-alliance/ dpa, Jörg Carstensen

Drittes Buch von Charlotte Roche: Darum geht's!

Charlotte Roche veröffentlicht ihr drittes Buch. Es heißt "Mädchen für alles". Erwartungsgemäß hat es wieder mit Sex zu tun, diesmal geht es um lesbischen. Bevor das Werk am 5. Oktober erscheint, plaudert die Autorin vorab ein bisschen Inhalt aus. Hier ein Vorab-Urteil: Es klingt genauso langweilig wie ihre Erstlingswerke "Feuchtgebiete" und "Stoßgebete".

Von Christiane Mitatselis

Wer es vergessen haben sollte: "Feuchtgebiete", erschienen 2008, handelt von einer 18-Jährigen, die sich mit Hämorrhoiden und Analverletzungen herumschlägt und von ihren sexuellen Erfahrungen und Masturbationspraktiken berichtet. Die Schilderung ist detailgetreu, das Buch wurde ein Bestseller.

In "Schoßgebete", veröffentlicht 2011, geht es um eine Ehefrau, die sich nur beim Sex entspannen kann. Sie ist nebenher traumatisiert, da sie drei Brüder bei einem Autounfall verloren hat - Roche mischte dieses und andere autobiografische Details in ihr Werk, das ebenfalls ein Bestseller wurde.

Man kann ihr den Erfolg gönnen. Die 37-Jährige weiß sich in Szene zu setzen. Sie ist sympathisch, hübsch und plaudert in Talkshows so locker über ihr Leben, Sex, persönliche Traumata und Neurosen, dass sowohl Moderatoren als auch Feuilletonisten verlässlich rote Ohren bekommen.

Die Sex-Szenen sind Effekthascherei

Fasziniert fabulieren sie dann von Tabubrüchen, von literarischen Experimenten. Und übersehen, dass Roche wenig literarisches Talent hat. Ihre beiden Werke sind vielmehr langweilig, ihr Ausdrucksvermögen ist limitiert. Die Sex-Szenen sind Effekthascherei und öde beschrieben. Würde sich Roche nicht so gut vermarkten, kaum jemand würde von ihren trivialen Büchern Notiz nehmen.

Dass ihr neues Werk mit dem Titel "Mädchen für alles" lesbische Liebe behandelt, scheint dem Umstand geschuldet zu sein, dass das populäre Tabubruch-Thema Sado-Maso schon von der Hobby-Literatin E. L. James mit ihrem Hausfrauen-Schocker "Fifty Shades of Grey" okkupiert wurde. Roche schreibt nun, wie den Vorabankündigungen zu entnehmen ist, über eine reiche, gelangweilte Hausfrau, die eine Affäre mit der Babysitterin beginnt.

Lesbische Liebe ist schon lange ein Trend. Madonna setzte bereits 2003 ein Zeichen, als sie Britney Spears auf der Bühne einen Zungenkuss verpasste. Seitdem ist es im Showbusiness chic, lesbische Affären zu beichten. Vermutlich wird auch die geschäftstüchtige Frau Roche in dieser Hinsicht schlüpfrige Details aus ihrem Leben zu bieten haben, die wieder für rote Ohren sorgen.

Und wahrscheinlich wird es nicht ihr letztes Buch sein. Sex unter Geschwistern? Lesbische Liebe unter Nonnen? Die Lebensbeichte einer Domina aus Überzeugung? Erinnerungen der Frau, die ihren Dackel liebt? Dem Unfug sind keine Grenzen gesetzt.

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