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Brustkrebs übersehen: Behandlungsfehler endet fast tödlich

Ihr Arzt sah den Tumor nicht - ganze 5 Mal
Ihr Arzt sah den Tumor nicht - ganze 5 Mal Brustkrebs-Behandlungsfehler endete fast tödlich 00:02:16
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Ärger um Brustkrebs-Behandlung

Jedes Jahr werden nach Informationen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Tausende Menschen in Deutschland Opfer von Behandlungs- und Diagnosefehlern. Sibylle Hauser-Gaulke ist eine der betroffenen Patientinnen. Obwohl die 56-Jährige regelmäßig bei ihrem Frauenarzt war, soll der ihren Brustkrebs schlicht übersehen haben.

Sie standen sich seit langer Zeit wieder gegenüber - und an diesem Tag vor Gericht: Sibylle Hauser-Gaulke und ihr ehemaliger Gynäkologe. "Ich bin natürlich immer noch wütend. Jetzt gerade im Moment habe ich keine Angst, jetzt gerade bin ich erleichtert, dass ich es soweit geschafft hab und ich bin erleichtert, dass ich noch lebe", sagt O-Ton Sibylle Hauser-Gaulke. "Es war ja nicht unbedingt gesagt, dass ich den Tag erlebe, an dem er tatsächlich vor Gericht steht."

Die 56-Jährige war 14 Jahre lang Patientin bei ihrem Gynäkologen Dr. S. und sie ging regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. 2009 hatte sie bei sich selbst einen Knoten in der Brust ertastet. Sie ließ sich daraufhin von ihrem Arzt untersuchen - sechs Mal. Fünf Mal machte er einen Ultraschall, ohne bedenklichen Befund. Erst als sie selbst zur Mammografie ging, erhielt sie Klarheit: Vier Zentimeter groß war der Tumor in ihrer Brust, außerdem hatte sie bereits Metastasen in der Leber.

Sibylle Hauser-Gaulke durchlitt achtzehn Chemotherapien und suchte sich Hilfe bei einem Anwalt. Als sie ihre Patientenakten in der Praxis abholen wollte, warf Dr. S. sie aus der Praxis. "Dann kam er irgendwann und schrie mich an und hat dann seiner Sprechstundenhilfe den Hörer gegeben und gesagt 'Rufen Sie mal die Polizei'", erinnert sich Sibylle Hauser-Gaulke.

Sie beschloss ihren ehemaligen Arzt auf 150.000 Euro Schmerzensgeld zu verklagen. Ihre Chancen, den Prozess zu gewinnen stehen momentan gut. Das endgültige Urteil fällt aber erst am 29. Juni. Die 56-Jährige hat trotzdem viele Gründe zu feiern. Unter anderem, dass sie so lange tapfer und erfolgreich gekämpft hat. Gegen einen unachtsamen Arzt und gegen ihre Krankheit.

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