Britische Richterin behauptet: "Weil Frauen trinken, werden sie vergewaltigt“

Vergewaltigung von Frauen
Sturzbetrunkene Frauen sind ein leichtes Vergewaltigungsopfer, aber wohl kaum selbst Schuld. © Fotolia Deutschland, redhorst - Fotolia

Jetzt soll der Alkoholkonsum der Frauen Schuld an ihrer Vergewaltigung sein

Sind Frauen doch schuld an ihrer eigenen Vergewaltigung? Die britische Ex-Richterin Mary Jane Mowat hat einen neuen Grund gefunden, warum das tatsächlich so ist: "Die Vergewaltigungs-Statistik wird sich nicht verbessern, bis Frauen aufhören, sich so schwer zu betrinken", so die 66-Jährige. Kritikerinnen nennen diese Aussage „unverschämt, falsch und gefährlich".

Jutta Rogge-Strang

Dieses Mal ist es nicht der kurze Minirock oder das sexy Outfit, warum sich Frauen ihre Vergewaltigung selber einbrocken. Es liegt am konsumierten Alkohol. Richterin Mary Jane Mowat erklärte zudem, dass es für sie schwierig war zu urteilen, wenn sich das Opfer nicht erinnern konnte, "was ich tat, was ich sagte, ob ich zugestimmt habe oder nicht".

Tatsächlich ist eine Vergewaltigung eine aggressive Gewalttat, um Frauen zu erniedrigen und Macht auszuüben. Eine Vergewaltigung bedeutet für das Opfer eine massive Verletzung nicht nur ihres Körpers, sondern eben auch ihrer Seele. Der Frau wird der Wille einer anderen Person mit Gewalt aufgezwungen - und dies in dem äußerst sensiblen Bereich ihrer sexuellen Selbstbestimmung. Ich kann mir keine einzige Frau vorstellen, die so einen Alptraum gerne erleben möchte.

Statistisch gesehen gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Kleidung und dem Verhalten eines Vergewaltigungsopfers und der Tat: Das ist eigentlich logisch, da eine Vergewaltigung nicht (nur) sexuell motiviert ist, sondern eine gewaltsame Machtausübung bedeutet. Häufig haben die betroffenen Frauen Todesangst, durchleiden massive Ängste und Ekel. Eine Vergewaltigung ist eben kein Kavaliersdelikt, sondern eine schwere Gewalttat.

Wieso unterstellt man der Frau eine Mitschuld an der Vergewaltigung?

Nach einer Umfrage von "Opinion Matters" unter den Londonern glauben 56 Prozent der Befragten, dass eine Frau selbst schuld an ihrer Vergewaltigung ist, wenn sie zum Beispiel getrunken, geflirtet oder sich sexy angezogen hat. Wieso glauben so viele Menschen daran, dass man eine Vergewaltigung selbst beeinflussen kann?

Natürlich ist eine Frau, die sturzbetrunken ist, ein leichtes Opfer. Aber eine Mitschuld zu unterstellen, ist wohl eher der Versuch, einen Grund für die Vergewaltigung zu finden und somit die Kontrolle zu bewahren: Das heißt also im Umkehrschluss, dass einer Frau, die nicht getrunken hat und im Schlabberlook herumläuft, nichts passieren kann. Wenn es mal so einfach wäre.

Die meisten Vergewaltigungsopfer treffen die Täter eben nicht auf einer Party oder auf dem dunklen Heimweg, sondern im Familien- und Freundes-Umfeld. Eine Vergewaltigung durch einen völlig Fremden kommt eher selten vor. Jährlich werden bundesweit etwa 12.000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angezeigt, die Dunkelziffer wird auf das zehn- bis 20-fache geschätzt. Dass Frauen und Mädchen eine Mitschuld an ihrer Misshandlung haben sollen, finde auch ich unverschämt, falsch und gefährlich.

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