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Botox gegen Migräne: Nerventgift neues Wundermittel?

Botox gegen Migräne: Nerventgift neues Wundermittel?
© Pebranac

Das Nervengift Botox hilft bei chronischer Migräne

Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen: Migräne. Rund 47 Millionen Deutsche leiden zeitweise unter Kopfschmerzen. Von diesen wiederum sind fast 18 Millionen von Migräne betroffen. Das Nervengift Botulinumtoxin A, besser bekannt als Botox, soll nun Kopfschmerz-Geplagten helfen und die lästige Migräne verschwinden lassen.

Mittlerweile ist das Toxin, das wir bisher eher als ‚Faltenkiller‘ aus der plastischen Chirurgie kannten, für die Behandlung von chronischer Migräne zugelassen. Eine Studie an 1.400 Patienten in Europa und Nordamerika hat ergeben, dass die Injektion von kleinen Mengen Botox in Nacken-, Kopf- und Gesichtsmuskulator die Zahl der Kopfschmerztage im Schnitt um neun Tage pro Monat verringern konnte.

Der Arzt ertastet dabei die schmerzhaften Verhärtungen und spritzt den Wirkstoff direkt in den Muskel. Bei diesem Vorgang wird der Neurotransmitter Acetylcholin, der für die Übertragung eines Nervenimpulses auf das Herz verantwortlich ist, freigesetzt. Den Muskeln fehlt damit der Befehl, sich zusammenzuziehen und sie entspannen sich. Dieser Effekt tritt nach ungefähr einer Woche ein und hält in der Regel drei bis sechs Monate an. Dann muss wieder nachgespritzt werden.

Botox ist fast frei von Nebenwirkungen

Im Vergleich zu herkömmlichen Migräne-Medikamenten birgt die Behandlung mit Botox nur wenige Nebenwirkungen. Nur sehr selten kann es zum Absinken des oberen Augenlides, zu Spannungsgefühlen der Haut oder Muskelschwäche kommen. Auch bleibende Organschäden sind in der 20-jährigen Geschichte des Nervengiftes bisher nicht aufgetreten.

Migräne ist ein heftiger, meist einseitiger Kopfschmerz, oft in Zusammenhang mit Übelkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm. Leidet ein Betroffener an mehr als 15 Tagen im Monat an starken Kopfschmerzen, darunter mindestens acht Migräne-Tagen, so wird diese als chronisch eingestuft und kann mit Botox behandelt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) gibt aber zu bedenken, dass die Anwendung des Nervengifts immer eine Einzelfallentscheidung sei und nur von Kopfschmerzexperten vorgenommen werden darf.

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