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Body Shaming: Bloggerin hat es satt, die 'dicke Freundin' zu sein

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Bloggerin Michelle Elman wehrt sich gegen Body Shaming.
Michelle Elman hat dem Klischee der 'dicken Freundin' den Kampf angesagt. © Instagram/scarrednotscared

Jahrelang war die Britin Michelle Elman (23) die 'fette Freundin' in ihrer Clique. Immer saß sie daneben, traute sich nicht zu sprechen, litt unter den Blicken der anderen. Aber irgendwann hatte sie die Nase voll: Denn es gibt keinen Grund, sich für ihre Figur zu schämen.

Von Jutta Rogge-Strang

Michelle Elman will sich nicht mehr schämen, sie will am Leben teilnehmen, sie will Spaß haben. Das blieb ihr jahrzehntelang verwehrt: Denn Michelle hat Speckröllchen und eine große Narbe am Bauch. "Ich sah aus wie eine fette Rolle", so die 23-Jährige in einem Interview. "Es gibt da diesen Stereotypen des einen dicken Mädchens im Freundeskreis", erzählt sie in einem Instagram Post: "Sie ist diejenige, die eher am Rand sitzt, nie ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerät und nicht am eigentlichen Geschehen teilnimmt. Sie ist chronischer Single und sitzt meist still schweigend da, während ihre Freundinnen ihr aufregendes Liebesleben und ihre Affären besprechen."

Die größte Hürde: Ein Foto im Bikini

Die größte Angst hatte Michelle vor einem Selfie im Bikini. Aber diese Angst hat Michelle überwunden: "Einen Bikini zu tragen war für mich bisher das Schwerste, was ich jemals getan habe. Aber es war auch das Befreiendste - zu wissen, dass zwei Stofffetzen mich nicht davon abhalten können, mich in meinem Körper wohlzufühlen.“ Das kennt ja jede Frau, egal mit welcher Figur. Im Bikini lässt sich nichts mehr verstecken. Aber Michelle hat sich ihre Lebensqualität zurückerobert. Zu einem Instagram-Foto zusammen mit ihrer Freundin im Bikini schreibt sie: "Jetzt schaue ich dieses Foto an und sehe mich nicht als die Komische. Ich schaue es an und sehe die Erinnerungen und die Körper, die Spaß hatten." 

Tatsächlich beginnen viele Frauen, endlich umzudenken. Sie wehren sich gegen Werbung, in der Frauen mit Hilfe von Foto-Bearbeitung zu perfekten Püppchen retuschiert werden. Sie wehren sich gegen Medienberichte, in denen halb verhungerte junge Mädchen als Vorbilder vorgeführt werden. Sie wehren sich gegen Konfektionsgrößen für Frauen mit Kinder-Maßen. Sie wehren sich gegen ein Frauenbild, dass von der Realität so weit entfernt ist wie der Saturn von der Erde.

Verschiedene Epochen, verschiedene Schönheitsideale

Viele Jahre lang galt Size Zero als erstrebenswert. Ganze Generationen von jungen Frauen strebten diesem Schlankheitsklischee nach, versuchten, sich unter größten persönlichen Opfern irgendwie runterzuhungern, bis hin zu lebensgefährlichen Diäten. Und das nur, weil irgendein Werbefuzzi und selbst ernannte Designer-Päpste die spinnerte Idee hatten, verhungerte Mädchen als Schönheitsideal zu promoten.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Schönheitsideal schon oft gewandelt: Mal mal war es eine schlanke Taille, mal war es tatsächlich ein Doppelkinn, mal waren es große, mal kleine Brüste: je nach Zeit und Kultur galten völlige Gegensätze als schön. Rückblickend kann man jedoch zwei grundsätzliche Schönheits-Ideale unterscheiden: Im Mittelalter waren eher schlanke, jugendliche Formen attraktiv, in anderen Epochen war eher das 'Vollweib' attraktiv. Heute gelten in der westlichen Welt extrem dünne Frauen als schön, und mit dem Fortschreiten der Globalisierung breitet sich dieses Schlankheitsideal weltweit immer stärker aus.

Frauenfeindliches Schönheitsideal

Doch die Frauen haben keine Lust mehr auf ein frauenfeindliches Schönheitsideal. Was sich in den USA schon länger entwickelt, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen: Mehr und mehr Frauen zeigen selbstbewusst ihre Kurven und verstecken sich nicht mehr unter großen 'Zelten'. Die Hamburgerin Tanja Marfo gehört zu den Vorreiterinnen der deutschen Plus-Size-Szene. Sie ist Initiatorin der Plus-Size-Fashion-Days und spricht sich im Interview mit Frauenzimmer.de ganz klar für Vielfalt aus: "Ich möchte erreichen, dass unser Auge, das nur an Photoshop gewöhnt ist, wieder lernt, natürliche Körper schön zu finden. Ich möchte, dass Frauen glücklich miteinander sind und gemeinsam stark sein können, egal welche Konfektionsgröße sie haben. Die über Jahre eingebrannten Sehgewohnheiten müssen wieder realistisch werden!“ Für Tanja Marfo findet derzeit schon fast etwas wie eine Revolution statt: "Jeder Körper ist schön - egal welche Konfektionsgröße. Das schließt schlanke Frauen übrigens nicht aus."

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