Blonde Au-pair-Mädchen gelten in Ägypten als Statussymbol

Vor allem Au-pairs aus Deutschland sind beliebt

Wer in Kairo was auf sich hält, fährt einen BMW oder Mercedes und hat ein blondes deutsches Kindermädchen. Wobei die Haarfarbe ein entscheidendes Einstellungskriterium ist. Schließlich soll ja jeder sehen, dass man sich eine Deutsche leisten kann.

"Ägypter mögen blonde Frauen", erklärt Maher El Sedawi. Der 41-Jährige ist Bekleidungshersteller in Kairo. Er selbst hat in Deutschland studiert, also sollen seine beiden Töchter Mimi und Judy das deutsche Abitur machen. Denn das gilt in Ägypten als einer der am höchsten angesehenen Schulabschlüsse. Daher hat er sich bewusst für ein deutsches Au-pair entschieden. Die Wahl fiel auf Josepha. Die blonde Studentin kümmert sich um seine Kinder, sie spricht mit ihnen deutsch, lebt ihnen 'typisch deutsche Tugenden' wie Pünktlichkeit und Ordnung vor.

Ein Au-pair-Mädchen zu haben, ist in Ägypten etwas Besonderes, das nur für wohlhabende Menschen in Frage kommt. Seine Kinder auf eine deutsche Privatschule zu schicken, ist ebenfalls teuer. Das Schulgeld beträgt 250 Euro im Monat. Zum Vergleich: Eine Näherin verdient in Kairo nur 150 Euro im Monat. Kein Wunder also, dass Eltern, die sich teure deutsche Privatschulen leisten, auch deutsche Au-pairs nehmen, schließlich lernen die Kinder die Sprache dadurch besser und sind dadurch in der Schule erfolgreicher.

Die Mädchen müssen bestimmte Regeln beachten

Die Mädchen werden in die Familien integriert und müssen sich an bestimmte Regeln halten: So sollte die Kleidung nicht zu offenherzig sein und offene Haare mit einem Schal bedeckt werden. Neben den kulturellen Unterschieden sind aber auch andere Dinge zu beachten. Seit der Revolution 2011 gelten Teilreisewarnungen vom Auswärtigen Amt für Ägypten. Beispielsweise sollen Touristen an den Freitagsgebeten den Tahrirplatz in Kairo meiden.

Die Gasteltern klären die Mädchen gut über Gebräuche und Gegebenheiten in Ägypten auf, denn die Au-pairs sollen sich wohlfühlen. Die Mädchen sind gut vernetzt und gehen auch gerne aus – in Begleitung von Cousins ihrer wohlhabenden Gasteltern. Und sie sind auch oft der Grund, warum die Au-pairs schon mal länger bleiben, als ursprünglich geplant. "Ich kenne kein Au-pair-Mädchen, das sich in Ägypten nicht verliebt hätte", erzählt Molina schmunzelnd. Die Studentin war bei einer alleinerziehenden Mutter Au-pair und besucht die Familie auch ein Jahr später immer noch gern.

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