Blick in den Spiegel: Deprimiert er auch Sie?

Blick in den Spiegel
© Lise Gagné

Forscher warnen vor dem Blick in den Spiegel

Und, heute Morgen beim längeren Blick in den Spiegel ein paar neue Falten entdeckt und sich danach so richtig mies gefühlt? Willkommen im Club! Jetzt ist nämlich psychologisch erwiesen: Wer sich zu lang selbst betrachtet, könnte davon krank werden.

Von Merle Wuttke

Davon ausgenommen sind natürlich Schönheiten wie das Model Miranda Kerr, das sogar im Kreißsaal nach einer 15-Stunden-Geburt noch super aussieht oder Kate Moss, die auch nach einer durchzechten Nacht sexy wirkt.

Alle anderen Frauen, also wir, haben dagegen ein Problem, wenn wir uns zu lange im Spiegel anschauen. Denn nach spätestens zehn Minuten fühlen wir uns ziemlich unwohl mit dem, was wir da sehen. Selbst, wenn wir vorher eigentlich mit unserem Anblick ganz zufrieden waren.

Forscher des Instituts für Psychiatrie in London testeten, wie sich das Betrachten des eigenen Spiegelbildes auf den Stresslevel von Menschen auswirkt. In der einen Testgruppe befanden sich Personen, die an einer so genannten „körperdysmorphen Störung“ und damit unter einer völlig verzerrten Selbstwahrnehmung litten, die andere Gruppe bestand aus „gesunden“ Personen. Bei den Dysmorphophobie-Patienten stieg bereits nach 25 (!) Sekunden der Stressfaktor an, aber überraschenderweise nach einigen Minuten eben auch in der anderen Testgruppe. Spätestens nach zehn Minuten Spiegelblick hatte jeder der „Gesunden“ etwas an sich auszusetzen und suchte nach Fehlern im Gesicht. Das Fazit der Wissenschaftler: Es ist keine gute Idee, sich selbst zu lange im Spiegel anzuschauen, das könnte einen psychisch destabilisieren.

Der Blick in den Spiegel darf nicht zu lang sein

Ach, nee. DARAUF wäre man ja auch sonst bestimmt nicht von selbst gekommen. Wer erinnert sich nicht an die schmachvollen Zeiten aus der Pubertät, in denen man mit Handspiegel auf der Fensterbank saß und sich stundenlang selbst betrachtete - oder besser gesagt, die Nase, im Laufe des Nachmittags immer größer wurde, die entstellenden Pickel auf der Stirn oder die Barthaare über der Oberlippe. Spätestens beim Abendbrot war man suizidgefährdet. Mit diesen Erfahrungswerten im Hinterkopf wagt die erwachsene Durchschnittsfrau es zwar heute trotzdem, ihr Spiegelbild bis 38 Mal täglich zu überprüfen, aber bitte immer nur kurz!

Jede clevere Frau hüte sich ansonsten davor, das „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land“-Spiel noch mit über 30 exzessiv zu betreiben. Wenn man es aus irgendeinem Grund des Übermuts doch tut - etwa, weil man sich gerade so wohl in seiner Haut fühlt, eine teure Kosmetikbehandlung hinter sich hat oder frisch verliebt ist - dann kann aus einem guten Tag ganz schnell der schlimmste des Jahres werden. Denn der Spiegel hat magische Kräfte: Zunächst lockt er mit uns einem Versprechen - ein Blick und wir sind von unserer Großartigkeit überzeugt - aber dann lenkt er diesen Blick mit unentrinnbarer Genauigkeit auf Stellen, die so gar nicht mehr perfekt sind. Letztendlich muss man also den Spiegel wie alle Dinge im Leben betrachten, die Spaß machen: Zu viel davon ist gar nicht gesund! So, und jetzt muss ich dringend schauen, ob meine Haare noch sitzen...

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