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'Bis(s) in alle Ewigkeit - Twilight neu erzählt' - Wenn Edward zur Frau wird

'Bis(s) in alle Ewigkeit - Twilight neu erzählt' - Wenn Edward zur Frau wird
Twilight mal anders herum: Die deutsche Ausgabe des neuen Romans beinhalet beide Geschichten

Wir haben den neuen 'Twilight'-Roman gelesen

Ich war nicht besonders scharf auf das Buch zum zehnjährigen 'Twilight'-Jubiläum: 'Bis(s) in alle Ewigkeit -Twilight neu erzählt'. Nicht etwa, weil die Kritik schon nach Verkaufsstart in den USA sehr schlecht ausgefallen war, sondern weil ich einfach zu alt dafür bin.

Es ist zehn Jahre her. Ich war süße 15 Jahre alt und genau die Zielgruppe für Stephenie Meyers Vampir-Romane. Das erste Buch ‘Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen‘ habe ich mehrmals sehnsüchtig verschlungen und mir damit meine Vorstellungen von Liebe und Romantik gehörig versaut. Mittlerweile habe ich mich aber von dem Schock erholt, dass man für wahre Liebe mehr tun muss, als niedlich und tollpatschig zu sein.

Nun - zum zehnjährigen Jubiläum habe ich mich noch mal in das kitschige 'Twilight'-Abenteuer gestürzt und - Achtung, Spoiler-Alarm - hier kommt meine (nicht nur negative) Kritik.

Von Julia Froolyks

Stephenie Meyer richtet sich in ihrem Vorwort an die treue 'Twilight'-Leserschaft. Sie schreibt, sie wisse, wie enttäuscht einige seien, dass es keine Story aus Edwards Sicht geworden ist. Ich finde das überhaupt nicht traurig, denn nach dem Hype um ‘50 Shades of Grey‘ aus Grey’s Sicht, hätte mich das absolut abgeturnt. Stephenie Meyer hat stattdessen etwas getan, was vorher noch nie ein Autor getan hat: Sie hat an (fast) allen Charakteren eine Geschlechtsumwandlung vorgenommen. Aus Edward wird Edythe, aus Bella wird Beaufort, aus Jasper und Alice werden Jessamine und Archie und aus Emmet und Rosalie werden Eleanore und Royal.

Das Erste, was störte, waren diese aufwändigen Namen. Andere mögen sie toll und besonders finden, ich finde sie schwierig und es ist eher ein verzweifelter Versuch, noch mal was Besonderes aus der Story zu machen.

Die Geschichte beginnt identisch zu dem zehn Jahre alten Vorgänger: Beau Swan wird von seiner Mutter zum Flughafen gebracht. Hier ist die Geschichte übrigens tatsächlich identisch: Charlie und Renee, Menschenkind-Eltern, blieben von der Geschlechtsumwandlung verschont. Stephenie Meyer begründet: "Beau kam 1987 auf die Welt, damals kam es nur selten vor, dass alleinerziehende Väter das Sorgerecht für einen Säugling bekamen." Ah ja. Muss natürlich alles authentisch bleiben!

Pluspunkt für die Aufmachung

Man findet auf den ersten Seiten kaum Veränderungen am Text. Klischeehafte Grundeigenschaften von Mädchen wurden umgeschrieben in klischeehafte Grundeigenschaften von Jungs. Ansonsten ist Beau tollpatschig wie einst Bella. Er hasst Sport, er ist blass wie Kalk und er will nicht nach Forks. Anstatt klein wie Bella, ist er eher überdurchschnittlich groß. Stephenie Meyers Begründung, sie habe die Story umgeschrieben, weil sie in der Kritik stand, aus Bella das arme unschuldige Mädchen gemacht und Klischees erfüllt zu haben, zieht bei mir nicht so ganz. Sie bedient weiterhin langweilige Vorurteile und nicht nur einmal habe ich mich im Geiste fremdgeschämt und die Stirn gerunzelt für so viel Quatsch.

Na gut! Es gibt auch sehr Positives zu berichten: Stephenie Meyer hat kleine Passagen teilweise verändert. Es sind nur Kleinigkeiten, die Story bleibt auf lange Sicht dieselbe, aber man merkt, dass sie versucht hat, ihre alten ‘Fehler‘ zu korrigieren. Da ich den ursprünglichen Roman auswendig kenne, war es sehr spannend diese Änderungen zu bemerken, das hat mich eigentlich auch am Ball gehalten. So änderte Meyer unter anderem DAS legendäre 'Twilight'-Zitat: "…und drittens, ich war bedingungslos und unwiderruflich in ihn verliebt." (Bella) Die neue Version lautet: "...am Ende zählte nur, dass ich sie liebte, mehr als ich je gedacht hatte, dass man etwas lieben konnte." (Beau) Fans dürften zutiefst bestürzt sein.

Ansonsten finde ich die Umkehrung der Geschlechter gähnend-langweilig. Mein Mädchen-pubertäts-Ich schaut skeptisch auf diese unromantische Geschichte (Kräftiges Vampir-Mädchen rettet tollpatschigen Menschen-Jungen), denn ich möchte mich in solchen Romanen nun mal in Klischees werfen und der Realität den Mittelfinger zeigen.

Ein weiterer Pluspunkt für das neue Buch ist allerdings die Aufmachung: Der Einband sieht schön aus, aus einer Apfel-haltenden Frauenhand wird die Apfel-haltende Männerhand. Dreht man das Buch um, sieht man ein auf dem Kopf stehendes anderes Cover: ‘Bis(s) zum Morgengrauen‘. Zuerst dachte ich, es sei unnötig, beide Geschichten in ein Buch zu pressen. Das Buch wiegt beinahe 1.000 Gramm und ist sehr klobig, aber nach einem gelesenen Kapitel hat es mich schon auf die andere Seite gezogen. Ich wollte ursprüngliche Passagen noch mal nachlesen und miteinander vergleichen. Das war sehr spannend.

Abschließend kann man sagen, dass die neue alte Story für eingefleischte 'Twilight'-Fans lesenswert ist. Man sollte allerdings nicht zu viel erwarten, Stephenie Meyer hat mithilfe von 'Copy & Paste' sehr schnell ein neues Buch auf den Markt gebracht, bei dem im Kern wirklich nur die Geschlechter vertauscht wurden, aber sonst (bis auf das Ende!) nichts Spannendes mehr passiert. Die letzten Kapitel dürften jedoch überraschen: Stephenie Meyer hatte scheinbar keine Lust, die anderen Teile der Biss-Reihe mit Copy & Paste zu überarbeiten, so entschied sie sich kurzerhand dazu, den Menschenjungen am Ende des Buches lieblos und überstürzt in einen Vampir zu verwandeln. Ende.

Ich persönlich finde das langweilig und uninteressant und mit einem stolzen Preis von knapp 25 Euro ist das sehr viel Geld für eine bekannte Geschichte. Meiner Meinung nach versucht Meyer hier mit wenig Aufwand viel Geld zu machen. Ich denke, manchmal muss man die Vergangenheit einfach ruhen lassen und den vergangenen Erfolgen nicht nacheifern.

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