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Bindungsangst: Die Furcht vor der Liebe

Bild: Bindungsangst kann einen verzweifeln lassen
Unter Bindungsangst leidet nicht nur der Betroffene sondern auch der Partner © Getty Images/iStockphoto, martin-dm

Manchmal will es im eigenen Liebesleben einfach nicht so klappen, wie in den romantischen Komödien, die wir so gerne gucken. Da fragt man sich schon hin und wieder mal ob man wirklich beziehungsfähig ist. Doch ist Bindungsangst ein Mythos der heutigen Gesellschaft oder doch als ernst zu nehmende Krankheit einzustufen? 

Was ist Bindungsangst?

Bindungsangst ist eine Form der Angststörung, die Parallelen zur Borderline-Störung aufweist und keine Erfindung von Menschen, die nach einer Begründung für misslungene Beziehungen suchen.

Die Ursache für diese Angststörung liege laut dem Psychoanalytiker und Kinderpsychiater John Bowlby oft in der frühen Kindheit (bis drei Jahre), in der man verschiedene Bindungsphasen durchlaufe. Auslöser für eine Bindungsangst könne somit beispielsweise fehlendes Urvertrauen zu den Eltern oder ein allgemein fehlendes Sicherheitsgefühl sein. Die Auslöser für Bindungsangst können jedoch auch sehr enttäuschende Liebesbeziehungen oder Freundschaften im Jugendalter sein, erklärt Psychotherapeutin Stefanie Stahl in einem Interview mit dem Connection Verlag.

Zwischen Bindungsangst und Einsamkeit: unsere Generation im Zwiespalt

Nicht zu verwechseln ist Bindungsangst jedoch mit den Effekten unseres gesellschaftlichen Wandels. Der heutigen Generation fällt es allgemein schwer, sich auf etwas oder jemanden einzulassen, da ihnen nahezu unendlich viele Möglichkeiten offenstehen. Diese Entscheidungsfreiheit wirkt sich auch auf viele Beziehungen aus und kann in erster Linie als Egoismus und nicht als Bindungsangst gewertet werden.

Bindungsangst zeigt sich wie folgt: Zum einen fällt es Betroffenen schwer, eine ernsthafte und tiefgründige Beziehung einzugehen, weil sie Verlustängste haben oder sich schnell eingeengt fühlen. Kontrovers an der Bindungsangst ist, dass viele ihren Partner über alle Maße lieben, aber mit zunehmender Nähe von dem Angstgefühl überkommen werden, diese geliebte Person wieder zu verlieren oder sich davor fürchten, in Ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt zu werden. Daher wird oftmals abrupt Abstand gesucht. Diese extreme Verhaltensweise können gesunde Menschen nur schwer nachvollziehen.  

Wie wird meine Beziehung durch die Bindungsangst beeinflusst?

Der Partner ist der leidtragende, denn er muss immer wieder mit der Ablehnung und den starken Gefühlsschwankungen der geliebten Person zurechtkommen. Oftmals stehen sich Betroffene selbst im Weg, denn einerseits wünschen Sie sich sehnlichst Zuneigung, aber wenn die Beziehung sehr intensiv wird, blocken sie ab. Dafür haben die drei Typen der Bindungsangst verschiedene Strategien entwickelt, auf die Psychotherapeutin Stefanie Stahl näher eingeht:

  • Flucht

Die Flucht aus der Beziehung scheint die einzige richtige Möglichkeit, aber äußert sich nicht nur durch Schlussmachen, sondern auch durch Untreue, zeitintensive Arbeit und Hobbys oder dem Wunsch nach einer Fernbeziehung. Partner von Personen mit Bindungsangst haben auch oft mit sexueller Ablehnung zu kämpfen. Der Maurer hält seinen Partner durch sein fluchtartiges Verhalten emotional auf Distanz und lässt nur geringfügig Nähe zu. Generell lässt er sich nicht gerne festlegen und nimmt sich seine Freiheiten ohne Rücksicht.

  • Angriff

Viele Betroffene der Bindungsangst gehen auch zum Angriff über und fordern Streit heraus, indem sie ihren Partner ständig kritisierten und unerwartet aggressiv reagieren. Diese Strategie lässt sich dem Verhalten des Prinzen  zuordnen, der die Beziehung zuerst durch die rosarote Brille betrachtet und den Partner vergöttert, ihn anschließend aber komplett demontiert, weil er mit dessen Schwächen im Alltag nicht klarkommt.

  • Totstellreflex

Dieser Bindungsängstliche reagiert emotionslos unbeteiligt und wirkt körperlich erstarrt. Durch Abfuhren lässt sich der Jäger nicht kränken, sondern ist dadurch umso mehr gewillt, seine ‚Beute‘ zu erlegen, also seinen Partner zu erobern. Zeigt der Gejagte jedoch ernsthaftes Interesse an einer Beziehung, versucht der Jäger mit seinem Charme ein neues Opfer zu umgarnen.

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Wie können Sie Ihre Bindungsangst überwinden?

Wenn Sie eine oder mehrere der oben genannten Verhaltensweisen an sich erkennen, gibt es verschiedene Ansätze mit der Bindungsangst umzugehen. In erster Linie sollten Sie Ihrem Partner von Ihren Gefühlen erzählen und die Karten offenlegen, das macht es für ihn einfacher Ihre Reaktionen zu verstehen. Weitere Hilfe:

Selbsthilfe

Der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten steht im Vordergrund. Als Betroffener können Sie entweder eine lokale Selbsthilfegruppe besuchen oder einem Internetforum beitreten und mit Menschen kommunizieren, die Ihre enorme Verlustangst verstehen.

Psychologische Therapie

Um den Ursprung für Ihre Bindungsangst herauszufinden sollten Sie sich in eine tiefenpsychologische Behandlung begeben. Diese Therapie wird auch durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen, stellt allerdings eine antragspflichtige Leistung dar. Das heißt, es muss für jede weitere Sitzung ein Antrag genehmigt werden.

Durch den Besuch einer Therapie und den gleichzeitigen Austausch über eine Selbsthilfegruppe, bieten sich Ihnen die größten Heilungschancen.

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