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Bildungschancen in Deutschland: Für alle Kinder gleich?

Bildung in Deutschland: Für alle gleich?
Bildungschancen in Deutschland: Für alle Kinder gleich? © dpa, Friso Gentsch

Bildungschancen für alle gleich? - Von wegen!

Gute Schulbildung für alle: Am „Welttag für soziale Gerechtigkeit“ ist das für viele der zentrale Aspekt, um allen Kindern – ob aus reichen oder armen Familien – die gleichen Chancen zu ermöglichen. Aber klappt das in der Realität?

Von Jutta Rogge-Strang

Meine Tochter hat an einem Berliner Gymnasium Mitschüler aus aller Herren Länder. Ihre beste Freundin stammt aus Thailand, ein kroatischer Mitschüler gehört zu den Netten, türkische, italienische oder russische Mitschüler werden nicht nach ehemaliger Staatsangehörigkeit beurteilt, sondern eben nach nett oder nicht nett. Ich finde diese bunte Mischung toll – Berlin ist eben eine echte Großstadt.

Bei den internationalen Mitschülern meiner Tochter handelt es sich nicht um Kinder von Diplomaten – die besuchen nämlich Privatschulen. Ein Trend, der sich in Berlin ganz klar abzeichnet. Meine Nachbarn schicken ihren etwas schwierigen Sohn schon in eine private Grundschule, für 50 Euro pro Monat. Der Vorteil: Bessere Lehrerausstattung, weniger Schüler und inbesondere weniger schwierige Schüler.

In Berlin stellt sich nach Zwangseinführung der integrierten Sekundarschule (d.h. Real- und Hauptschule werden zusammengelegt) nicht zwingend der Bildungshintergrund der Kinder als Problem heraus, sondern die diversen Psycho-Probleme der einzelnen Kinder. Hier sollen nun lernwillige Kinder mit stark problematischen Kindern zusammen lernen – das Chaos ist vorprogrammiert (und ich könnte ganze Seiten mit Geschichten füllen).

Die Bildungsschancen werden früh verteilt

Dabei beginnen die Qualitätsunterschiede schon viel früher, nämlich in der Kita. Die guten Kindergärten können sich mittlerweile ihre Kinder aussuchen und vermeiden in der Regel die Problemfälle. In Berlin gehen 90 Prozent der Kinder in einen Kindergarten. Bei jedem dritten Schulanfänger werden trotzdem entwicklungsbedingte Defizite festgestellt, und die soll dann die Schule ausgleichen.

Ich glaube, dass in Deutschland fast alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben. Damit liege ich statistisch bei den 50 Prozent, die daran glauben. Aber wird diese Bildung tatsächlich auch sichergestellt? Liegt das Problem also nicht eher an der personellen Ausstattung im Bildungsbereich, als am fehlenden Zugang dazu?

Gute und engagierte Lehrerinnen und Lehrer gibt es tatsächlich, und die fördern die Motivation der Kinder, vermitteln Spaß am Lernen und bereiten auch schwierigen Lernstoff interessant auf. Aber dazu müssten sie auch erstmal an der Schule arbeiten. Ich kenne eine besonders chaotische Schule, an der der Krankenstand der Lehrer extrem hoch ist. Kein Wunder, wer keinen Spaß mehr an der Arbeit hat, lässt sich einfach krankschreiben. Den Unterrichtsausfall versuchen dann die übrig gebliebenen Lehrer auszugleichen. Ob so eine Situation wirklich dazu führt, dass alle Kinder besser lernen? Ich zweifle daran.

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