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Bilder für trauernde Mütter: So sähen ihre Kinder heute aus

Bilder für trauernde Mütter: So sähen ihre Kinder heute aus
Ricky Beck verstarb im Alter von neun Jahren - so sähe er als 18-Jähriger aus

Alterungsbilder spenden Müttern den notwendigen Trost

Auf den ersten Blick ist es ein ganz normales Bild eines jungen Mannes: Er trägt ein blaues Polohemd und lächelt zaghaft in die Kamera. Tatsächlich aber ist auf dem Bild Ricky Beck zu sehen – ein Junge, der nie ein junger Mann werden konnte. Denn er starb bei einem Autounfall im Alter von neun Jahren. Das Bild von ihm als 18-Jähriger ist computer-generiert – und spendet seiner Mutter Amanda doch viel Trost, wie die 'Daily Mail' berichtet.

So sähe Ricky aus wenn er heute noch Leben würde, wenn sein tödlicher Unfall vor 17 Jahren nicht geschehen wäre. Seine Mutter Amanda Beck (46) hat noch immer mit dem Verlust ihres Sohnes zu kämpfen, doch sie sagt, das Alterungsbild von Ricky helfe ihr. Sie hat es auf ihrem Wohnzimmertisch aufgestellt. Entstanden ist das Bild mit einem Programm, das von der Polizei genutzt wird, um Fahndungsfotos von Kindern zu erstellen, die bereits Jahre vermisst werden – um zu zeigen, wie sie jetzt aussehen könnten.

Es mag vielen Menschen morbide erscheinen, ein solches Bild. So etwas jeden Tag zu sehen, macht es womöglich noch schwieriger über den Tod eines Kindes hinweg zu kommen. Amanda aber weist diese Vermutung ab. "Es gibt keine richtige oder falsche Art zu trauern. Dieses Bild erlaubt mir einen letzten Blick auf Ricky, von dem ich nie glaubte, ich könnte ihn haben."

Ricky war Amandas einziges Kind. Es war ein Sommertag vor 17 Jahren als der kleine Junge nach draußen ging, um zu spielen, und von einem Auto erfasst wurde. Die Sanitäter konnten nichts mehr für ihn tun und der Neunjährige starb in den Armen seiner Mutter. Etliche Male fragte Amanda sich, wie ihr Sohn ein paar Jahre älter aussehen würde – als Teenager und als junger Mann.

Grenzen Mütter wie Amanda sich von der Realität ab?

Bilder, wie das von Ricky, entstehen in den Laboren der Gerichtsmedizin. Mit Hilfe von Messungen des Kopfes und der Proportionen des Gesichts, kann ein kriminaltechnischer Künstler ausrechnen, wie die einzelnen Gesichtsmerkmale des Kindes heute aussehen würden. Dabei wird auch in Betracht gezogen, wie der Mensch und sein Gesicht sich über Jahre hinweg ändern.

Doch wie beeinflusst ein solches Bild eine Mutter wirklich? Hilft es tatsächlich endgültig über den Verlust hinwegzukommen oder hat es negative Effekte? "Das Alterungsbild eines verstorbenen Kindes erscheint mir wie eine Leugnung seines Todes", meint Psychologe Pat Frankish. "Es ist eine Verweigerung des Weiterlebens. Diese Eltern grenzen sich von ihrem Leben und der Realität ab." Frankish ist der Meinung, solche Bilder sollten Eltern nicht angeboten werden.

Doch Amanda Beck ist nicht die einzige Mutter, die das Alterungsbild ihres Kindes als Trost ansieht. Auch Lorraine Bradbury (52) ist froh über das Bild ihres Sohns Paul, der vor zwölf Jahren im Alter von sieben Jahren an Krebs verstarb. "Das Bild erlaubt Paul aufzuwachsen – wie der Rest meiner Kinder", erklärt Lorraine, die außer Paul noch vier andere Kinder hat.

Natürlich ist die Kritik an solchen Alterungsbildern nicht unbegründet. Denn es ist nicht gesund an jemandem festzuhalten, der gestorben ist. Um über einen Tod hinwegzukommen, kann sich an vergangene, schöne Momente erinnert werden – statt sich an einer künstlichen Gegenwart festzuklammern. Dennoch scheinen diese Bilder den Frauen viel Trost zu spenden und wieso sollte man trauernden Müttern diesen Trost verwehren?

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