LIEBE LIEBE

Beziehungspause: Manchmal ist Distanz das beste Heilmittel

Beziehungspause: Manchmal ist Distanz das beste Heilmittel
Birgit Ehrenberg ist Liebesexpertin

Eine Pause schweißt Paare oft zusammen

Enzo und Nina sind wieder ein Paar. Ich bin so froh. Die beiden gehören zu meinen Lieblingen in der 'Lindenstraße'. Er ist total mein Typ, ein dunkelhaariger männlicher Mann mit einem weichen Herzen. Sie ist für Frauen eine echte Sympathieträgerin, klug, lieb. Man gönnt ihr den schönen Enzo.

Ein Jahr lang waren die beiden getrennt. Sie hatten schwere Probleme, der ersehnte Nachwuchs kam nicht, dann hat Enzo Nina betrogen. Die Scheidung war unausweichlich, der Termin stand. Und dann stand plötzlich bei Enzo noch etwas anderes, und bei Nina stand auch etwas, sie selbst, sie stand in Flammen, die Wiedervereinigung vollzog sich bei Enzo in der Autowerkstatt. Genauer: auf dem Rücksitz eines Autos.

Die Beziehungspause hat Nina und Enzo offensichtlich gut getan. Was hat es auf sich mit Beziehungspausen? Generell heißt es, dass sie fast immer den Anfang des Endes einläuten. Das sehe ich anders. Ob geplant oder ungeplant, der Beziehung eine Pause zu gönnen, ist eine fruchtbare Idee. Es ist ein Experiment. Man muss sich fragen, was die Alternative ist, wenn es kriselt? Schluss machen mit Pauken und Trompeten? Türen für immer zuschlagen?

Natürlich gibt es ein Zurück, selbst nach der schrecklichsten Trennung. Aber manchmal ist viel kaputt gegangen, so dass der Neuanfang misslingt. Wer das Wort "Trennung" in den Mund nimmt, lebt gefährlich.

Besser als jede Paartherapie

Enzo und Nina waren offiziell getrennt, haben sich diverse Gemeinheiten an den Kopf geworfen, doch nachdem Nina ausgezogen ist, hat sich die Liebe relativ schnell in eine Freundschaft verwandelt. Da gab es einfach Gemeinsamkeiten, Wohlwollen, Verantwortung. Enzo hat sich regelmäßig um Ninas Auto gekümmert, es repariert, wenn es nötig war. Das war eine Ehrensache für ihn. Aus dieser stillen Übereinkunft ist wieder eine richtige Beziehung geworden.

Ich finde jedenfalls, dass es nicht aussschlaggebend ist für eine Beziehungspause, ob sie offiziell eingeleitet wird. Steht es um ein Paar so, dass es kracht und donnert, liegt aber unter diesem Zorn und Geschrei noch Liebe, dann ist Distanz das einzige Heilmittel. Besser als jede Paartherapie!

Die Streithähne müssen einfach auseinander, jeder muss für sich zu sich kommen. Wenn zwei Menschen wirklich zusammen gehören, dann tritt nach ein paar Monaten der Effekt ein, dass man wieder den Wald vor Bäumen sieht. Und den anderen in seiner Großartigkeit erkennt.

"Zwischendurch" sollte man sich hübsch in Ruhe lassen. Kein Wort von Liebe oder so. Unverbindlich und freundlich sollte der Umgang sein. Bis nach und nach Gras über die Zeit der Konflikte wächst und eines Tages die Liebe wieder ihr Gesicht zeigt.

Das muss nicht auf dem Rücksitz eines Autos geschehen, ist aber ein hübscher Auftakt, wie ich finde.

Einer, an den man sich erinnert. Falls es irgendwann einmal wieder zu einem Konflikt kommt, das lässt sich ja nicht vermeiden, kommt einem diese Szene in den Sinn. Und man lässt keine weitere Krise zu, weil man tief innen weiß, was man fast verloren hatte und nun wieder hat.

Eine Beziehungspause schweißt ein Paar oft zusammen – ist also ein ein wichtiges Kapitel aus dem großen Buch "Liebe leicht gemacht".

Alles Liebe, eure Birgit

Anzeige