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Beziehung: Sind die Kinder wichtiger oder der Partner

Beziehung: Sind die Kinder wichtiger oder der Partner?
Sind die Kinder wichtiger oder der Partner? © Fotolia

Viele Frauen haben Kinder, aber auch einen Partner

Zwei Herzen schlagen auch in meiner Brust! Die meisten Mütter kennen wohl dieses Gefühl: Da will man einerseits das eigene Leben so ganz und gar der eigenen Brut widmen, auf dass sie wächst und blüht und gedeiht, und andererseits ist man ja auch noch Frau. In etwa 50 Prozent der Fälle eine Ehefrau. Ehefrau und Mutter (den Aspekt, dass die meisten auch noch einen Beruf haben, stellen wir jetzt mal hintan, sonst wird's zu kompliziert). Lausige Mutter oder lausige Lebensgefährtin? Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen pendelt sich nach der Geburt der Kinder das Leben ein. Und bei nicht wenigen Paaren bleibt die Beziehung irgendwo auf der Strecke.

Von Ursula Willimsky

Dabei klingt das gerne und häufig zitierte Rezept gegen den Partnerfrust in der Familie auf den ersten Blick ja so einfach: Viele Paartherapeuten raten Eltern, sich wenigstens einmal im Monat einen Abend oder ein paar sonstige Stunden nur für sich selbst freizuhalten. Um eine Fahrradtour zu machen, ins Kino oder schick essen zu gehen, um also irgendetwas zu unternehmen, was das Etikett "Zweisamkeit" zu Recht trägt. In einigen Ratgebern heißt es sogar, man soll diese Zweisamkeit einmal die Woche pflegen.

Abgesehen davon, dass der Hinweis fehlt, womit der dafür benötigte Babysitter finanziert werden soll, ist das ja zumindest kein schlechter Gedanke. Erinnert er einen doch zumindest daran, dass dieses Wesen, das morgens das Haus verlässt und abends wiederkommt, sich erst mal seinen Blaumann oder die Krawatte auszieht, und am Samstag die Getränkekisten in den dritten Stock schleppt, nicht nur eine familiäre Randerscheinung ist, die für das finanzielle Auskommen der Familie einen nicht unerheblichen Beitrag leistet. Nein, dieses Wesen ist auch der Mann, den man mal geliebt hat und bestenfalls immer noch liebt. Auch wenn er das im Moment vielleicht nicht sooo oft zu spüren bekommt.

Kann man Mutter, Frau & Liebhaberin in einem sein?

Die britische Buchautorin Sarah Duncan hat einmal in der britischen Zeitung "Daily Mail" die Vermutung geäußert, dass ihre Ehe genau deshalb scheiterte: Dass sie nur noch die perfekte Mutter sein wollte, und darüber vergaß, ihrem Mann liebend zur Seite zu stehen; beziehungsweise für ihn liebenswert zu sein. Für ihre Kinder tat sie alles - ihr Mann wurde von ihr auf einem Abstellgleis geparkt. Nach 18 Jahren zerbrach die Ehe. Sarah, inzwischen wieder glücklich liiert, hat aus ihrem Beziehungsdesaster eine Lehre gezogen: Diesmal kommen nicht die Kinder an erster Stelle, sondern die Beziehung.

Was natürlich bei Kindern, die - wie in ihrem Fall - inzwischen 15 und 17 sind, leichter fällt, als bei Kindern, die noch auf einen Kindergarten-Platz warten. Auch wenn sie immer wieder von schlechtem Gewissen geplagt wurde, sie zog ihr "Lover-statt-Mummy"-Programm durch. Mutete den pubertierenden Kindern zum Beispiel zu, sich am Wochenende selbst zu versorgen, aus einem natürlich von Mama zuvor prall gefüllten Kühlschrank.

Das Ganze darf jetzt natürlich nicht als Aufruf zur Kindesvernachlässigung missverstanden werden. Sondern eher als kleine Anregung, sich immer mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass man nicht nur Mami, sondern eben auch Frau ist. Dazu kann auch gehören, dass man sich daran erinnert, dass es noch andere weltbewegende Dinge gibt, als die Frage, wer den Kuchenverkauf beim Schulfest organisiert. Dass man sich daran erinnert, dass man nicht nur selbst einen stressigen Tag hatte, sondern eventuell auch der Partner nicht nur frohlockend durch den Arbeitstag tänzelte. Dass es durchaus legitim ist, einen gesunden Egoismus zu entwickeln, auch wenn die Kinder sich dann vielleicht langweilen. Oder dass man sich auch mal ein bisschen schick machen kann, auch wenn's nur für daheim ist.

Achja - und an noch etwas sollte man sich erinnern, finden wir: Die perfekte Frau, die sexy Liebhaberin, Business-Woman mit Spitzen-Ranking und Tip-Top-Hausfrau und Mutter in einem ist, die gibt es auch nicht.

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