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Bewerbung um einen Schulplatz: Wie bekomme ich für mein Kind den Platz an der Wunsch-Schule?

Das Einzugsgebiet einer Schule bestimmt, in welche Schule das Kind gehen muss.
Oft entspricht das nicht den Vorstellungen der Eltern. Aus diesem Grund greifen sie zu illegalen Methoden. © dpa, Frank Rumpenhorst

Was, wenn die nächstgelegene Schule einen schlechten Ruf hat?

Schon bei der Anmeldung in der Grundschule geht bei vielen Eltern die Angst um: Sie geben falsche Adressen an, erfinden Tagesmütter und Arbeitswege, um ihre Kinder an der „richtigen“ Schule unterzubringen. Denn nur die Wohnortnähe ist bislang maßgeblich für die Verteilung der Schulplätze.

Von Jutta Rogge-Strang

Bei beliebten Schulen übersteigt die Zahl der Anmeldungen oft bei weitem die Kapazitäten. In Deutschland werden die Schulplätze meist nach dem Sprengelprinzip vergeben, das heißt, die schulpflichtigen Kinder werden in der Nähe ihres Wohnortes eingeschult. Was aber tun, wenn die nächstgelegene Schule einen schlechten Ruf hat?

Bildungsinteressierte Eltern haben es nicht einfach, wenn sie zufällig im falschen Bezirk wohnen. Einige Eltern ziehen zum Schein in die Nähe der Wunsch-Schule um oder legen einen Vertrag mit einer Tagesmutter vor, die dort wohnt. Experten schätzen, dass es allein in Berlin pro Jahr hunderte Scheinanmeldungen gibt, eine Statistik dazu gibt es allerdings nicht. Bei Grundschulen kommen diese Tricksereien weniger häufig vor als bei weiterführenden Schulen.

Um den ausufernden Missbrauch mit Adressen einzudämmen, müssen Mieter seit dem 1. November 2015 wieder eine Einzugsbestätigung ihres Vermieters vorlegen. Wenn jemand umzieht, muss er dies nicht mehr nur einfach bei der zuständigen Behörde melden – er benötigt dafür auch eine schriftliche Bestätigung vom Vermieter. Fliegt eine Scheinanmeldung auf, droht den Eltern ein Bußgeld und die Kinder müssen sofort die Schule wechseln, auch wenn sie bereits neue Freunde gefunden haben.

Was, wenn Absage von der Wunsch-Schule kommt?

Wenn schon vor dem Schulbesuch eine Ablehnung der Schule ins Haus flattert, kann man zunächst fristgerecht dagegen vorgehen. In welcher Form genau, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Meistens ist zunächst ein Widerspruch möglich. Wenn auch der Widerspruch zurückgewiesen wird, muss gegen diese Zurückweisung innerhalb eines Monats Klage beim Verwaltungsgericht erhoben werden.

Auch wenn der Widerspruch nicht bis zu den Sommerferien entschieden ist, sollte ein gerichtliches Eilverfahren eröffnet werden. Denn Gerichtsverfahren beim Verwaltungsgericht dauern lange, etwa zwischen einem halben Jahr und drei Jahren. Erfahrungsgemäß haben vor dem Verwaltungsgericht dann vor allem Klagen Erfolg, die mit kürzeren Schulwegen begründet werden können. Aber auch die Vereinbarkeit mit dem Beruf der Eltern, eine besondere Schulweg-Gefährlichkeit oder ein spezielles Bildungsangebot, etwa bei Sportschulen oder bilingualen Schulen können gute Argumente sein.

Alleinerziehend zu sein reicht als Begründung für die Wunschschule allerdings nicht aus. Bei einem Härtefall muss der Besuch einer anderen als der gewünschten Schule unzumutbar sein. Die Hürde für Härtefälle ist also recht hoch, auch die Berufstätigkeit beider Eltern reicht nicht aus. Es liegt jedoch ein Härtefall vor, wenn das Kind eine Behinderung hat.

Ob eine Klage erfolgreich ist, hängt zum Teil auch von der Aufnahmekapazität der Schule, Anzahl der Kinder im Einschulungsbereich, Anzahl der Rückstellungsanträge und Wechselwünsche an der Wunschschule ab. Auf jeden Fall wird vor Gericht das Auswahlverfahren der Wunschschule genau geprüft. Denn die legt selbst fest, welche Kinder berücksichtigt werden, zum Beispiel nach Noten, Erstwunsch oder Härtefälle. Dort können Fehler passieren - auf Schulrecht spezialisierte Rechtsanwälte geben sich also optimistisch, was die Chancen auf einen eingeklagten Schulplatz angeht. Allerdings gibt es noch einen kleinen Haken: So eine Klage kann sehr teuer werden und hat trotzdem keine hundertprozentige Aussicht auf Erfolg.

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