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Bewerbung nach Elternzeit: Weshalb Sie die Babypause im Lebenslauf nicht verschweigen sollten

Was die Bewerbung nach der Elternzeit besonders macht

Das Video sollte man sich gleich ein paar mal anschauen: Da ruft eine Personalabteilung Mütter ins Büro und hält ihnen eine Gardinenpredigt, weil sie nicht selbstbewusst genug mit einer ihrer prägendsten Zusatzqualifikationen umgehen: Ihrer Mutterschaft. Seelenbalsam-Sätze wie "Du bist noch fokussierter, deine Multi-Tasking-Fähigkeiten sind besser denn je" werden da gesagt oder auch "Für mich steht fest, dass sich die Erfahrung als Mutter positiv auf deine Leistungen im Job auswirkt" und nicht zuletzt "Deine Elternzeit ist eine entscheidende Etappe in deiner Karriere". Jaaa, so was hört man doch gern. Ein Detail hat mich allerdings stutzig gemacht: Aufhänger für den – englischsprachigen – Clip ist die angebliche Tatsache, dass die meisten Mütter in ihrem Lebenslauf Elternzeiten verschweigen. Ist das so?

Von Ursula Willimsky

Der erste Gedanke: Nee, bestimmt nicht. Wieso auch? Das gilt doch höchstens für Mütter in Ländern, in denen man drei Tage nach der Geburt im Stahlwerk wieder die schweren Träger wuchten muss. Aber ein Blick auf diverse Karriere-Ratgeber und Foren über die Bewerbung nach der Elternzeit hat mich eines Besseren belehrt: Das Thema 'Elternzeit verschweigen' im Lebenslauf ist offenbar auch hierzulande ein Thema. Aus einem einfachen Grund: Wer Elternzeit genommen hat, legt den Verdacht nahe, dass er Kinder hat. Und wer Kinder hat, fällt schon mal im Job aus, weil er zu Hause einen kleinen Windpocken-Patienten versorgen muss.

Naiv wie ich bin, wäre ich vor dieser Recherche nie auf die Idee gekommen, dass bereits das Erwähnen von Babypausen im Lebenslauf bei der Arbeitssuche zum Problem werden könnte. Dabei hätte ich es eigentlich ahnen müssen: Schließlich gilt es als Fakt, dass der Wiedereinstieg nach der Elternzeit nicht einfach ist, gerade wenn man sich nach einer längeren Pause gegen eine Vollzeit-Beschäftigung entscheidet. Nicht wenige Mütter arbeiten in einer Position, für die sie eigentlich überqualifiziert sind – Hauptsache, sie können überhaupt arbeiten gehen.

Ich hätte das Problem an einer anderen Stelle verortet: Bei der Frage nach den Arbeitszeiten. Die beiden Punkte Babypause im Lebenslauf und Schwierigkeiten bei der Jobsuche als Mutter habe ich bisher nie in direktem Zusammenhang gesehen. Dass hingegen Frauen, die noch im potenziellen Kinderwunsch-Alter, aber bisher noch nicht Mutter geworden sind, eventuell misstrauisch beäugt werden ("Die wird doch bestimmt bald schwanger und dann fällt sie für drei Jahre aus"), davon hatte ich allerdings schon gehört.

Babypause fördert Zusatzqualifikationen für die Bewerbung nach der Elternzeit

Was also soll man tun als Mama auf der Suche nach einer neuen Anstellung? Wie so oft scheiden sich auch hier die Geister: Privates hat nix in der Bewerbung zu suchen, sagen die einen. Ob und wie viele Kinder eine Frau hat, geht die Personalerin nichts an. Bei längeren Babypausen/Elternzeiten dürfte es dann allerdings schwierig werden, Joblücken zu begründen... weshalb andere Experten dazu raten, eben diese Elternzeiten aktiv zu verkaufen: Da habe ich mich zwar auch um mein Kind gekümmert, mich nebenher jedoch ganz aktiv weitergebildet, und zwar… Ach. Und ich dachte, die Elternzeit ist dafür gedacht, dass man sich nahezu ausschließlich der jungen Familie widmet. Wie gesagt: Vielleicht ein bisschen naiv.

Manche raten gar dazu, die Kinderschar selbst im Vorstellungsgespräch zu verheimlichen. Oder positiv gesagt: Alles private außen vor zu lassen. Beim Vorlage der Lohnsteuerkarte, spätestens jedoch beim ersten Anruf aus der Schule ("Maximilian fühlt sich nicht wohl. Er will abgeholt werden") wird man dann aber nicht umhin kommen, einem überraschten Vorgesetzten mitzuteilen, dass man Familie hat. Aber immerhin hatte man bis dahin die Chance zu zeigen, was man beruflich so alles drauf hat.

Denn Mütter - und jetzt kommen wir wieder zum Video und seinen wunderbaren Kernaussagen – haben im Job tatsächlich einige Alleinstellungsmerkmale: Sie müssen sich organisieren können, weil sie sonst im Alltag völlig untergehen. Sie sind belastbar, empfinden eine stressige Arbeitssituation mitunter sogar als angenehmer als permanentes Gezanke um die blaue Sandschaufel. Und: Viele von ihnen sind wahre Effizienz-Wunder. Gerade, wenn sie verkürzte Arbeitszeiten in ihrem Vertrag stehen haben.

Was ja auch nicht wundert: Der Job muss erledigt werden. Ohne Kinder ist es wurscht, ob man um 15.30 Uhr oder um 15.40 Uhr den Computer runter fährt. Mit Kindern können genau diese zehn Minuten darüber entscheiden, ob man pünktlich – also noch vor Hort-Schluss – an der Kita ankommt oder einer grummelnden Erzieherin erklären muss, weshalb sie wieder mal warten musste, weil sie das Kind ja schlecht allein vor der Kita stehen lassen konnte.

Multi-Tasking-Fähigkeiten, Belastbarkeit und der Drive, Aufgaben effektiv und schnell zu erledigen – hey, das muss doch reichen, um bei der Jobsuche als Mutter erfolgreich zu sein. Oder wie es der Spot so schön sagt: Natürlich sollte die Babypause in der Bewerbung nach der Elternzeit stehen. Schließlich ist Muttersein eine Qualifikation, auf die man stolz sein sollte.

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