Betreuungsgeld verhindert Bildung: Ist die Aufregung übertrieben?

Betreuungsgeld verhindert Bildung: Ist die Aufregung übertrieben?
Verhindert das Betreuungsgeld tatsächlich Bildung für Kinder? © dpa, Jan Woitas

Das Betreuungsgeld bringt keinen finanziellen Vorteil

Die Kritiker hatten geahnt, dass das im August 2013 eingeführte Betreuungsgeld, als Herdprämie geschmäht, in die falsche Richtung führe. Durch eine Studie des Deutschen Jugendinstituts und der Universität Dortmund sehen sie sich nun bestätigt – und fordern seine Abschaffung.

Von Christiane Mitatselis

25 Prozent der Migrantenfamilien und 54 Prozent der so genannten bildungsfernen Eltern nannten in der Studie das Betreuungsgeld als Grund dafür, dass sie ihre Kleinkinder weder in eine Kita noch zu einer öffentlich geförderten Tagesmutter schicken. Bei den Akademikern waren es nur acht Prozent.

Daraus schließen die Autoren der Studie: Betreuungsgeld setze besonders bei Familien falsche Anreize, für deren Kinder frühkindliche Bildungsangebote und Sprachförderung besonders wichtig seien. Sollte man das Betreuungsgeld also wirklich wieder abschaffen, wie es die Grünen fordern? Die Antwort lautet: Nein, die Aufregung ist übertrieben.

Zunächst ein Blick auf die Fakten: Betreuungsgeld, das gerade von 100 auf 150 Euro pro Monat erhöht wird, erhalten Eltern für Kleinkinder nur vom 15. Bis 36. Lebensmonat, es wird nicht zusätzlich zum Elterngeld bewilligt, sondern im Anschluss daran – und zwar unabhängig davon, ob Eltern arbeiten oder nicht. Auf Arbeitslosengeld II (Hartz 4) wird es in voller Höhe angerechnet, bringt also keinen finanziellen Vorteil.

Wo ist das Problem? Warum sollen Eltern ihren Nachwuchs nicht bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben? Warum sollen sie für den Stress und Aufwand nicht eine kleine staatliche Unterstützung bekommen? Ein Kind, das erst mit drei Jahren in einen Kindergarten geschickt wird, ist immer noch sehr klein und bekommt noch genug ab von den staatlichen Segnungen. Und zwar auch dann, wenn es aus der Unterschicht stammt.

Betreuungsgeld ist kein Ersatz für den Ausbau der Kita-Plätze

Natürlich haben viele Menschen noch die markigen Worte des berühmten Neuköllner Bürgermeisters Heinz Buschkowsky im Ohr, der einst verkündete: "In der deutschen Unterschicht wird es (das Betreuungsgeld) versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt." Erstere Behauptung ist eine diskriminierende Unterstellung, gesoffen wird in allen sozialen Schichten. Die zweite ist schlichtweg unverschämt.

Auch Migranten ohne höhere Schulbildung können gute Eltern sein und ihre Kinder betreuen, ohne dass sich irgendwer vorab Sorgen machen oder sich einmischen muss. Und wenn diese Menschen dazu tendieren, das Betreuungsgeld anzunehmen, anstatt den Nachwuchs noch in Windeln in die Kita zu schicken, dann ist das nicht verwerflich, sondern eine gleichberechtigte Wahlmöglichkeit.

Ein Problem bestünde nur, wenn das eine das andere ausschlösse - heißt: Betreuungsgeld kann kein Ersatz sein für den Ausbau der Kita-Plätze sein, denn es gibt viele Eltern, gerade auch Alleinerziehende, die früh wieder arbeiten müssen, da sie sonst finanziell nicht über die Runden kommen.

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