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Betreuungsgeld: Herdprämie als rückwärtsgewandte Familienpolitik?

Das Betreungsgeld steht immer stärker in der Kritik. Selbst CDU-Abgeordnete lehnen sich nun dagagen auf.
Das Betreungsgeld steht immer stärker in der Kritik. Selbst CDU-Abgeordnete lehnen sich nun dagagen auf. © picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Elina Simonen

Ist das Betreungsgeld zum Scheitern verurteilt?

An der "Herdprämie" erhitzen sich mittlerweile so viele Gemüter, dass die Koalition sich daran böse die Finger verbrennen könnte. Ist das jetzt nur ein Osterloch-Phänomen oder geht das neue Betreuungsgeld den Bach hinunter, ehe es überhaupt beschlossen wird? Was steckt eigentlich wirklich hinter der Herdprämie?

Von Dagmar Baumgarten

Willkommen im Osterloch - eine hervorragende Gelegenheit, nach brisanten Themen zu suchen, mit denen man als unbekannter Politiker in die Schlagzeilen hoppeln kann. Das Betreuungsgeld für Eltern, die sich entscheiden, ihre Kinder zuhause statt in der Kita zu betreuen, ist dazu besonders gut geeignet, weil es so schön polarisiert: Wird damit das Klischee von der Übermutter belohnt, die sich mit ihren Kindern erzkonservativ hinter dem Herd verschanzt? Oder kommt es eigenverantwortlichen Eltern entgegen, die die Erziehung ihrer Kinder völlig selbstständig und privat organisieren wollen?

Betreuungsgeld spaltet Bundestag und Bürger

Eigentlich galt es als so gut wie sicher, dass die Koalition mit ihrer Regierungs-Mehrheit beschließt, dass Familien, die ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause erziehen, dafür vom Staat eine Prämie von 150 Euro im Monat erhalten.

Es wurde ursprünglich im Koalitionsvertrag verankert, dass es dazu einen Gesetzentwurf geben muss, damit das Betreuungsgeld bereits 2013 in Kraft treten kann. Dies geschah auf Betreiben der CSU. Was wiederum den Verdacht nahe legt, dass es sich doch eher um ein konservatives Anliegen handelt. Und um eins, was den Ausbau von Kita-Plätzen nicht gerade förderlich entgegensteht. Denn wenn die Mütter ihre Kleinen alle selber erziehen würden, hätte man dieses lästige Kita- Ausbau-Problem, das die EU immer wieder von Deutschland fordert, mal wieder elegant umschifft.

Jetzt melden sich 23 Abgeordnete der CDU zu Wort, dass sie auf jeden Fall dagegen stimmen werden.

Damit scheint klar: Die Herdprämie steht längst für die Frage, welches Frauenbild die CDU eigentlich hat. Glaubt man immer noch an das Rabenbild der arbeitenden Mutter, die sich ja gar nicht gleichzeitig um Job und Nachwuchs kümmern kann? Oder folgt man dem modernen Bild einer Frau, die die Kita für ihre Kinder nutzt, dadurch sehr wohl auch noch in der Lage ist, den Herd zu verlassen und trotzdem eine gute Mutter zu sein?

Den Abgeordneten, die den Argumenten der Opposition folgen, wirft die CSU-Generalsekretärin "sinnloses Aufbäumen" vor. Vielleicht ist sich die CSU da ein bisschen zu sicher: Nicht überall geht es zu wie in Bayern, wo es die meisten Hausfrauen gibt, und wo Frauen, die arbeiten gehen, teils immer noch als Rabenmütter abgestempelt werden. Das wird weder der Mutter noch dem Kind gerecht, denn Kita-Kinder sind gut betreut, was sich positiv auf ihre Gesundheit, ihre Fitness, und vor allem ihr Sozialverhalten auswirkt

Wie sinnvoll ist also die Herdprämie für Eltern? Wer genug Geld hat, und seine Kinder sowieso in private Einrichtungen schickt, in denen die Kleinstkinder bereits mit zweieinhalb Jahren Chinesisch, Golfspielen und Börsenkunde lernen, interessiert sich nicht für 150 Euro mehr oder weniger im Monat. Wer aber auf die 150 Euro spekuliert, könnte genau zu der sozialen Schicht gehören, deren Kinder ganz dringend in Kitas mit anderen Kindern und normaler Betreuung gehören. Kritiker befürchten, dass die Herdprämie sonst weniger in die Erziehung fließt als vielmehr in diversen Stangen Zigaretten verpufft. Es bleibt spannend, wann und in welcher Form die Herdprämie den Bundestag - genauso wie die Bürger - weiter spaltet.

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