Beste Freundin: Wie leicht findet man sie, wie sehr braucht man sie?

Beste Freundin
Sylvie van der Vaart ausgelassen mit Betty Moghaddam

Braucht jede Frau eine beste Freundin?

Sylvie van der Vaart scheint eine neue Lebensabschnittsfreundin zu haben: Betty Moghaddam. Von der Hamburgerin weiß man nicht viel, angeblich hat sie zwei Kinder und ist 34 Jahre alt. Ansonsten ist von ihr nur bekannt, dass sie sehr gerne Fotos von sich und Sylvie postet. Diese erinnern im übrigen ein bisschen an die Fotos von Sylvie und Sabia aus früheren Zeiten: In beiden Konstellationen schmiegen zwei schöne Frauen die Köpfe aneinander und schauen durch schicke Sonnnbrillen in die Kamera. Wie dem auch sei, wir würden es Sylvie gönnen, wenn sie eine neue beste Freundin hätte. Denn eine Freundin braucht der weibliche Mensch. Oder?

Von Ursula Willimsky

Erstmal das Ernüchternde zum Thema Freundschaften: Angeblich dauern die heutzutage nur noch sieben Jahre, dann wird aus diversen Gründen die eine Freundin durch die andere ersetzt, fand die Uni Utrecht heraus. Nicht immer müssen das so dramatische Gründe sein wie bei Sylvie und Sabia, deren Beziehung ja dadurch ein bisschen abkühlte, dass Sabia jetzt die Freundin von Sylvies Ex-Mann ist. Manche Experten wittern gar, dass in unseren Zeiten Freundschaften ohnehin einen ganz schweren Stand haben: Die Leute ziehen viel öfter um als früher und werden deshalb auch häufiger aus ihrem sozialen Netz gerissen. Angeblich herrscht auch mehr Angst vor Nähe als früher. Und mehr Fernsehkanäle gibt es auch. Und Internet. In der Fachsprache gibt es sogar schon ein Wort für all die, die ohne echte Freunde, aber mit vielen, vielen Bekannten leben: "Qualitative Isolation".

Aber trotzdem halten viele an den durchschnittlichen zwei bis fünf echten Freundinnen, die sie haben, fest und halten sich über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte die Treue. Sie pflegen die Freundschaft mit Ritualen: Immer erst einen Aperol Sprizz in der einen Bar, aus jedem Urlaub das scheußlichste Mitbringsel aus dem lokalen Souvenir-Shop, auf jeden Fall einmal im Jahr besuchen, jeden Montag die Tatort-Nachbereitung oder jeden Donnerstag die Weiber-Runde.

Diese Runde kann ab und an sogar um eine neue Freundin erweitert werden. Wie man eine Freundin findet, scheint nach ähnlichen Regeln abzulaufen wie die Partnersuche: Gern genommen werden Menschen mit ähnlichem Bildungsniveau und ähnlichen Interessen. Danach muss man eigentlich nur noch die Balance hinbekommen zwischen jemandem nett finden und ihm das auch signalisieren und trotzdem die andere nicht gleich mit den eigenen Gefühlen erschlagen.

Wobei das mit den Gefühlen angeblich das Gefährliche an Frauenfreundschaften ist: Sie sind, so sagen manche Experten, sehr gefühlsbetont und deshalb sehr zerbrechlich. Wer sich mit seinen Freunden immer nur darüber unterhält, weshalb der DAX wieder nicht gestiegen ist und warum der Reus so ein toller Fußballer ist, hat weniger Angriffspunkte, an denen er sich verkrachen kann. Da mag was Wahres dran sein. Aber andererseits: Geht es bei einer Freundschaft nicht genau um das – nämlich um Gefühle?

Was macht eine beste Freundin eigentlich aus?

Ist eine beste Freundin nicht genau dafür da, dass sie uns in schlimmsten Zeiten (Freund weg, Mann hat was Blödes gesagt, Chef war gemein) zur Seite steht, und zwar nicht mit rationalen Tipps, sondern mit viel Gefühl? Dass sie uns nimmt, wie wir sind, und uns in den Arm nimmt, selbst wenn das Bildungsniveau nicht das gleiche sein sollte? Das man ihr alles anvertrauen kann, was wichtig ist, und auch alles erzählen kann, was total unwichtig ist, und sie es sich trotzdem anhört? Dass man mit ihr Shoppen und Kaffeetrinken und ohne Ende Telefonieren kann (Dinge also, die mit einem männlichen Partner nahezu undenkbar wären)?

Angeblich auch wieder gefährlich, warnen Experten: Ganz leicht könne eine der Freundinnen sich vereinnahmt fühlen, fast so, als ob die andere sie in eine Zwangsjacke - gestrickt aus Gesprächen und Freizeitaktivitäten - stecken würde. Und dann einfach nicht zu sagen wagt, dass ihr die Jacke ein bisschen zu eng ist. Denn auch das macht Frauenfreundschaften aus: Der Wunsch nach Harmonie. Streitereien sollen bitte draußen bleiben, genauso wie Konkurrenzdenken.

Gar nicht so einfach, wenn die beste Freundin immer den – scheinbar – besseren Mann abbekommt. Besser aussieht. Immer bessere Klamotten findet. Den besseren Job hat, und, und, und. In diesem Zusammenhang gibt es gleich noch eine böse Zahl: Angeblich würden 40 Prozent aller Frauen ihrer Freundin zu unvorteilhafter Kleidung raten, nur damit sie selbst besser dastehen. Das sind dann aber, finden wir, keine Freundinnen, sondern gemeine Zicken, die irgendwann auffliegen.

Womit wir endlich auf Schulzeitniveau angelangt wären: Es gibt wohl kaum eine Phase des Lebens, in der die "allerbeste Freundin für alle Zeiten" wichtiger wäre, als in diesen frühen Jahren. Mit ihr probiert man Dinge aus, testet vielleicht auch seine Grenzen und findet so hoffentlich ein bisschen zur eigenen Persönlichkeit, die dann ja noch das ganze Leben lang Zeit hat, zu reifen. Am besten natürlich in Begleitung der besten Freundin, und am allerbesten länger als sieben Jahre.

Was meint Ihr? Braucht jede Frau eine beste Freundin? Was macht eine beste Freundin aus? Was mögt Ihr an Eurer besten Freundin ganz besonders?

Anzeige