Beschneidung bei Mädchen: Gesetz gegen Genitalverstümmelung

Beschneidung bei Mädchen: Gesetz gegen Genitalverstümmelung
© picture-alliance/ dpa, Ursula Düren

Mädchen-Beschneidung soll geahndet werden

130 Millionen - so viele Mädchen und Frauen sind nach einer Schätzung des Kinderhilfswerks Unicef beschnitten. Alle elf Sekunden, so vermutet die Frauenhilfsorganisation Terre des Femmes, entfernt man einem Mädchen auf brutale Art und Weise Teile ihrer Vagina. Die Genitalverstümmelung gehört zu den grausamsten Traditionen auf der Welt. Die Beschneidung von Frauen und Mädchen soll nach dem Willen des Bundesrats härter bestraft werden. Die Länderkammer stimmte mehrheitlich dafür, einen entsprechenden Entwurf in den Bundestag einzubringen.

Von Merle Wuttke

Mindestens zwei Jahre Haft. So viel Strafe soll denjenigen jetzt drohen, die ihre Töchter, Schwestern oder Nichten dieser furchtbaren Prozedur unterziehen, wenn sie in den "Ferien" bei Verwandten in Afrika sind. Dort ist die Beschneidung von Mädchen und Frauen, wenn auch in vielen Staaten verboten, immer noch am meisten verbreitet. Ein beschnittenes Mädchen gilt als jungfräulich, rein, unschuldig – und kontrollierbar.

Allein in der Bundesrepublik leben mindestens 20 000 Mädchen, die sich dem Ritus unterziehen mussten. Am stärksten der Gefahr ausgesetzt sind Kinder unter 15 Jahren, die im Urlaub bei Oma plötzlich in eine lebensgefährliche Situation geraten: Ob, Zelt, Hütte oder Haus – häufig finden Genitalverstümmelungen, eben weil sie meist heimlich vollzogen werden, unter allerschlechtesten hygienischen und medizinischen Bedingungen statt.

Ohne Betäubung, geschweige denn Sterilisation, schneidet man den Mädchen mit Glasscherben, Rasierklingen oder Messern die Schamlippen oder die Klitoris ab. Manchmal näht man die Scheide zu, nur ein kleines Loch bleibt übrig. Als Erwachsene sterben vieler der beschnittenen Frauen bei der Geburt ihrer Kinder – Spätfolge der Verstümmelung. Aber selbst, wenn sie die Beschneidung als Kinder überleben, leidet ein großer Teil von ihnen für immer unter Ängsten und Depressionen.

Die Verantwortlich sollen vor Gericht kommen

Bislang konnten Mädchen, die obwohl sie eigentlich in Deutschland leben, aber im Ausland so zugerichtet wurden, gegen keinen ihrer Peiniger für die Tat vor Gericht ziehen. Das soll sich mit dem neuen Gesetz ändern – bis zu zehn Jahre Gefängnis könnten nun drohen und die Verjährungsfrist soll erst einsetzen, wenn das betroffene Mädchen volljährig geworden ist.

Die Initiatoren des Gesetzentwurfes hoffen auch, mit der Ahndung der Tradition ein Umdenken im Bewusstsein der Einwandererfamilien herzustellen, so dass in Zukunft kein Vater oder keine Mutter überhaupt mehr auf die Idee kommt, sein Kind verstümmeln zu lassen und die Beschneidung als das zu sehen, was sie ist: Ein menschenverachtendes, grausames und oft tödliches Relikt uralter Gesellschaften, das nichts im 21. Jahrhundert zu suchen hat.

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