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Berufstätige Mütter: Wie viel Baby verträgt der Job?

Wie viel Baby am Arbeitsplatz ist noch vertretbar?
Berufstätige Mütter stehen immer wieder vor der Frage, wieviel von ihrem Privatleben sie mit in den Job nehmen. © runzelkorn - Fotolia, © 2014 Markus W. Lambrecht

Familie im Büro verleugnen?

Wenn ich an den Schreibtischen meiner Kolleginnen sitze, lachen sie mich an, die kleinen Sprösslinge. Auf dem Tisch und um den Bildschirm sind Bilder der Kinder postiert und Papier mit Selbstgemaltem aufgehängt. Gestört fühle ich mich dadurch nicht. Im Gegenteil: Ich springe sogar begeistert auf, wenn eine frisch gebackene Kollegin-Mama mit ihrem Baby vorbei kommt, um „Hallo“ zu sagen. Verträgt der Kollege nebenan genauso viel Kind oder ist das ganze Gehabe um die Familie schon zu viel?

Von Sabine Möller

Was die Bilder meines Kindes an meinem Schreibtisch angeht, bin ich wohl so etwas wie eine Anti-Mutter. Ich erzähle lieber von meinen Abenteuern mit der kleinen Familie, statt in Bildform zu demonstrieren, wie breit mein Kind lächeln kann. Das mag sich für manche bösartig anhören, vor allem für jene, die Bilder ihrer Familie auf dem Schreibtisch stehen haben. Aber ich muss ständig daraufschauen und fühle mich beim Arbeiten beobachtet.

Ohne Zweifel, süß sind die kleinen Racker schon. Wirklich putzig, aber das wäre nichts für mich. Ich habe ja schon Probleme damit, wenn mich mein Mann anruft und was Nettes ins Telefon säuselt. Ich kriege ein „Ich dich auch“ nicht über die Lippen. Erstens traue ich mich nicht und zweitens ist das Büro der falsche Ort für Liebesbekundungen. Und wenn dann der Kollege gegenüber auch noch zuhört, ist die Situation umso unangenehmer.

Kommunikation findet eben nicht nur am Küchentisch statt

Da mein Sohnemann noch nicht so alt ist, einen Telefonhörer richtig zu halten, geschweige denn zu sprechen, wird er mich so schnell auch nicht im Büro anrufen. Mir graut aber schon vor dem Tag, wenn mich das Kind anruft und mir erzählt, welche Erfolge es auf der Toilette hatte oder welches Kind im Kindergarten erbrochen hat. Nein, das möchte ich ehrlich gesagt nicht.

Ich möchte meinem Kind auch keine Standpauken übers Telefon halten, weil es irgendwas vergessen hat. Wenn andere das allerdings machen, finde ich es halb so wild. Das ist eben Alltag, sich immer wieder mit der Familie auseinander zu setzen und auch fernab des Küchentischs zu kommunizieren. Und da muss auch mal geschimpft werden, auch wenn der Siebenjährige mitten im Meeting anruft und über den Verlust seiner Federtasche schimpft.

Richtig unangenehm wird es allerdings, wenn Eltern regelmäßig mit Kleinkindern lautstark telefonieren und diese Lala-Sprache gleich übernehmen. In einem süßen Ton wird gesäuselt, gekichert und duzi duzi gemacht. "Hier ist der Papi“ flötet der Chef da ins Telefon. Entschuldigung, aber da kann ich mit ihm im Anschluss nicht über ernsthafte Themen sprechen. Ich höre immer noch den "Papi“ säuseln. Wer das leise macht, dem kann ich verzeihen, weil auch der nicht möchte, dass es jeder mitbekommt.

Schwierig wird es bei lautstarken Telefonaten, wenn im Großraumbüro plötzlich jeder weiß, dass der kleine Leonard heute vom dicken Simon geschubst wurde. Nein, das geht nicht. Da schau ich mir dann doch lieber die süßen Racker auf dem Bild an und freu mich über die kinderfreie Zeit im Büro, solange mein Sohn noch nicht telefonieren kann. Aber wer weiß, wann er mich das erste Mal völlig begeistert anruft und aufgeregt sagt: "Mama, ich hab Kacka gemacht!“

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