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Berufstätige Mütter fühlen sich alleinerziehend: Wer ist schuld an der Doppelbelastung?

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33 Prozent fühlen sich alleinerziehend
33 Prozent fühlen sich alleinerziehend Studie unter berufstätigen Frauen 00:01:59
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Kinder, Küche, Karriere, Krankheit: So sieht der Alltag berufstätiger Mütter aus

Berufstätige Mütter in Deutschland sind unter Stress. Kinder, Küche und Karriere unter einen Hut zu bringen, macht Mütter krank: Sie bekommen Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Depressionen, denn immer ist irgendwas. Dabei wollen sie alles perfekt machen: Sind sie also selber schuld?

Mütter stellen ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten an

Kann eine Mutter wirklich Job, Kinder und Haushalt unter einen Hut bringen, ohne selber dabei draufzuzahlen? Tatsächlich glauben laut einer aktuellen Studie des Rheingold-Instituts im Auftrag von 'Procter & Gamble' mehr als zwei Drittel der deutschen Frauen, dass das möglich ist. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: Krankheiten wie Burn-out, Schlafstörungen und Depressionen bei berufstätigen Müttern nehmen seit Jahren zu. Das kann kein Zufall sein.

Tatsächlich ist es fast unmöglich, alles zu schaffen: Im Job 100 Prozent zu geben, auch wenn das Kind krank ist, eine Betreuung organisiert werden muss, Geburtstagsgeschenke gekauft und Handwerker organisiert werden müssen, Essen eingekauft und gekocht werden muss und nicht zuletzt der Partner einen Teil der Aufmerksamkeit haben möchte: Fast jede zweite Befragte hat ständig ein schlechtes Gewissen, Familie, Partner und Freunde zu vernachlässigen.

Das funktioniert nur halbwegs, wenn die Mütter ihre eigenen Bedürfnisse an die letzte Stelle setzen. Fast die Hälfte der arbeitenden Mütter vernachlässigen laut Studie vor allem sich selbst. Denn woher soll die fehlende Zeit sonst kommen? Alles soll reibungslos laufen, alles soll dem Idealbild genügen, finden sieben von zehn Frauen. Entsprechend stark setzen sich viele Mütter unter Druck. 

100 Prozent im Job, 100 Prozent Mutter = 200 Prozent

Denn letztlich erwartet die Gesellschaft von ihnen, dass es keine Probleme gibt. Tatsächlich sind derzeit die Manager in Top-Positionen in einer Zeit aufgewachsen, als sich die meisten ihre eigenen Mütter noch in der traditionellen Rolle als Nur-Hausfrau ausschließlich um ihre Kinder kümmern konnten oder mussten. Sie erwarten folglich von ihren weiblichen Mitarbeitern vollen Einsatz, auch wenn ein krankes Kind zuhause liegt. Sind die Frauen also selber schuld, wenn sie sich Sorgen machen? Sind sie selber schuld daran, dass sie ihren Job gut machen wollen und gleichzeitig die volle Verantwortung für ihre Kinder tragen müssen? Wie soll das funktionieren?

Eigentlich könnte ja auch der Vater einen Teil der Belastung tragen. Das klappt aber nur bedingt: Laut der Studie sind 33 Prozent der berufstätigen Frauen der Ansicht, ihr Partner sei eigentlich ein weiteres Kind von ihnen. Und anstatt zu delegieren, erledigen Frauen die Aufgaben lieber schnell selbst, unter dem ständigem Zeitdruck völlig verständlich. Mehr als zwei Drittel der berufstätigen Mütter gaben an, immer 120 Prozent zu geben - und trotzdem reicht das oft nicht: Fast jede zweite Befragte (46 Prozent) hat ein schlechtes Gewissen, Familie, Partner oder Freunde zu vernachlässigen. 

Perfektionismus und hohe Ansprüche: Mütter selber schuld?

"Seid doch mal gelassen, setzt euch nicht so unter Druck", glauben manche, den Müttern zurufen zu müssen. Toller Tipp, wenn man selbst nicht betroffen ist. Denn die ganze Welt, Arbeitgeber, Partner, Eltern, Nachbarn, Medien und nicht zuletzt die Politik erwartet, dass der Spagat zwischen allen Anforderungen selbstverständlich reibungslos funktioniert. Alles muss möglich, alles muss machbar sein. In der Realität funktioniert das aber nicht! Wer kann also helfen? Tatsächlich bleibt es mal wieder an den Frauen selber hängen: Zieht die Reißleine, bevor ihr ernsthaft krank werdet. Und macht euch auf die Reaktion gefasst: "Ihr seid so egoistisch!"

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