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Bertelsmann-Studie zur Kita-Qualität: Zu wenig Personal für Deutschlands Kinder

Kitas: Wenig Personal - kaum Zeit für die Kinder
Kitas: Wenig Personal - kaum Zeit für die Kinder 107.000 Fachkräfte fehlen 00:02:35
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Kitas: Wenig Personal - kaum Zeit

Zu große Gruppen, zu wenig - und überfordertes - Personal: Deutschlands Kitas mussten in der Vergangenheit viel Kritik einstecken. Die gute Nachricht: Laut aktueller Bertelsmann-Studie 'Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme' hat sich in mancherorts der Personalschlüssel verbessert. Doch die schlechte Nachricht: Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung fehlen bundesweit immer noch 107.000 Erzieher. Viel zu wenig Personal also, um die Kinder pädagogisch gut zu fördern. Besonders, weil die Erzieher sich um so viel mehr als die reine Betreuung kümmern müssen.

Um kleine Kinder optimal fördern zu können, sollte sich eine Erzieherin um höchstens drei unter Dreijährige oder bis zu acht Kindergartenkinder kümmern, so die Stiftung. Doch die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Thema frühkindliche Bildung zeigt: Gemessen an der Zahl der Kinder, die eine Erzieherin betreut, lässt die Qualität der Kitas in Deutschland noch viel zu wünschen übrig. Im Bundesdurchschnitt kümmert sich eine pädagogische Vollzeitkraft nämlich um 4,3 Kleinkinder und um 9,3 Kindergartenkinder. Zwar haben sich diese Zahlen verbessert, trotzdem seien sie laut Stiftung von einem kindgerechten Betreuungsverhältnis weit entfernt.

Die Bertelsmann-Stiftung verweist darauf, dass das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Alltag noch ungünstiger ausfalle als die errechneten Zahlen zeigen. Erzieher würden nämlich mindestens ein Viertel ihrer Zeit für andere Dinge als die Betreuung aufwenden. So stecken sie häufig in Team- und Elterngesprächen, dokumentieren und nehmen an Fortbildungen teil. Diesen durchgeplanten und vollgepackten Kita-Alltag beklagen viele Erzieher.

Große Kita-Unterschiede zwischen Ost und West

Einmal mehr macht die Erhebung das große Ost-West-Gefälle deutlich: Während in Westdeutschland eine Kraft nur knapp vier Krippenkinder betreut, muss sie im Osten sechs Kinder betreuen. Auch in den Kindergartengruppen sind im Westen die Betreuungsverhältnisse besser. Hier kommen auf eine Kraft nur knapp neun Kinder, im Osten mehr als zwölf. Die Experten der Bertelsmann-Stiftung fordern, mehr für die gute Qualität in den Kitas zu tun - in allen Teilen Deutschlands: „Bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für Kitas sind für mehr Chancengerechtigkeit notwendig", sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Doch es hapert nicht nur am Personal und den innerdeutschen Unterschieden. Viele Kita-Leiter und -Erzieher beschweren sich auch über den vollgepackten Kita-Alltag und die vielen Vorgaben. Mittlerweile muss vermehrt auf Allergien der Kinder geachtet werden und es dürfen - wegen Salmonellengefahr - keine Eier verbackt werden. Zudem können Kitas sich auch nicht jedes Spielzeug anschaffen - es muss immer TÜV-geprüft sein. Nur ein paar von Dutzenden Regeln, die laut Erziehern zu viel Zeit kosten. Zeit, die sie besser in die Kinder investieren könnten. Welche zeitfressende Vorgaben es noch in Kitas gibt, das sehen Sie im Video.

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