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Bertelsmann-Studie: Wie steht es um die Bildung in Deutschland?

'Lernatlas' entlarvt deutsches Bildungsgefälle

Möchten Sie, dass Ihr Kind richtig schlau wird? Dann ab in den Süden. Und zwar aufs Land! Wer jetzt schreit: "Was? Ich will mir doch keine dumme Landpomeranze aufziehen!" lehnt sich bitte erst mal zurück, und blättert im neuen 'Lernatlas 2011'. In einer aufwändigen Studie hat die Bertelsmann Stiftung untersucht, wo die Bildungsvoraussetzungen am besten sind. Dabei gab es ein klares Süd-Nord, aber auch Land-Stadt-Gefälle! Aber warum ist das so? Und was bedeutet überhaupt 'Lernatlas'?

Bertelsmann-Studie: Wie steht es um die Bildung in Deutschland?
Die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht den Lernatlas für Deutschland. Er entlarvt das deutsche Bildungsgefälle. © dpa, Frank Leonhardt

Von Dagmar Baumgarten

Für den 'Lernatlas' hat die Bertelsmann Stiftung 412 Landkreise untersucht. Diese wurden dann in vier Kategorien miteinander verglichen. Denn bei dem Lern- oder Bildungsatlas geht es nicht nur um die schulische Ausbildung, sondern ums lebenslange Lernen.

Lebenslanges Lernen in Deutschland

Nur ein Bestandteil der Studie:

1. Klassisches schulisches Lernen: In der ersten Kategorie ist nicht nur das Lernen in der Schule entscheidend, es fließt beispielsweise auch die Pisa-Studie mit ein. Nicht überraschend also, dass hier Bayern und Baden Württemberg, aber auch Sachsen am besten abschneiden.

Das letztgenannte muss aber schon bei der zweiten Kategorie wieder ordentlich Federn lassen:

2. Berufliches Lernen: Dabei geht es um Ausbildungsplätze, aber auch berufliche Weiterbildungs- und Förderprogramme. Da der Arbeitsmarkt im Osten allgemein immer noch dem im Westen hinterherhinkt, zieht das in Sachen Bildung die Statistik nach unten.

Auch in der dritten Kategorie schwächelt vor allem der Osten:

3. Soziales Lernen: Hier geht es um das Engagement der Einwohner in Parteien, bei Vereinen, Kirchen und ehrenamtlichen Tätigkeiten, und das ist besonders in westlichen ländlichen Gebieten sehr stark ausgeprägt. Laut der Bertelsmann Stiftung gibt es im Osten allerdings noch ein starkes Defizit. Der Grund wird immer noch in der DDR Vergangenheit gesehen, denn es hätte sich nach der Wende nur langsam ein neues eigenständiges Engagement - eine Kultur entwickelt.

Also bildungsmäßig alles finster im Osten? Nein, denn in der vierten Kategorie holen sie wieder auf:

4. Persönliches Lernen: Darin fließen das kulturelle Angebot, zum Beispiel Theater und Museumsbesuche, aber auch VHS-Kurse und ein schnelles Internet mit ein. Die Möglichkeiten dafür sind in den großen Städten im Osten besonders gut. Klar, dass Museen und Theater auf dem Land dagegen eher spärlich sind.

Bertelsmann Stiftung: Lernen macht glücklich!

Bertelsmann-Studie: Wie steht es um die Bildung in Deutschland?
© dpa, Frank Leonhardt

Insgesamt bestätigt der Lernatlas in Sachen Bildung zwar die Pisa-Studie, er zeigt aber auch, dass zu einer guten Bildung mehr gehört. Denn was ist die Essenz aus riesigen Zahlenkolonnen? Lernen hört eben nicht in der Schule auf, sondern ist ein lebenslanger Prozess! Nur auf den ersten Blick könnte man stöhnen in Form von "Oh, hört denn die Quälerei nie auf?" Aber in Wirklichkeit bedeutet dies, dass jeder ein Stück Lebensqualität selbst in der Hand hat. Denn auch, wenn das vor allem pubertierende Schüler auf gar keinen Fall glauben können, aber lernende Menschen sind glückliche Menschen! So sagt Jörg Draeger vom Vorstand der Stiftung: "Wo lebenslang gelernt wird, sind die Menschen glücklicher, das Zusammenleben sozial gerechter und die Gesellschaft wohlhabender!"

Lernen macht also glücklich! Wäre das schön, wenn die Kreise jeweils voneinander lernen könnten. Damit es irgendwann mal einen einheitlichen Atlas ohne diese großen Unterschiede gibt!

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