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Bedenklicher Weichmacher-Ersatz im Plastik: Wie schädlich ist er für die Fortpflanzung?

Weichmacher in Plastik gelten schon lange als ungesund. Neben dem eigentlichen Weichmacher Bisphenol A, ist nun auch die Ersatzchemikalie Fluoren-9-Diphenol im Visier der Kritiker. Auch er soll den Hormonhaushalt und die Fortpflanzung beeinflussen.
Der Weichmacher Bisphenol A gilt schon länger als gesundheitsschädlich. Nun steht auch der Ersatzstoff Fluoren-9-Diphenol unter Verdacht. © picture alliance / dpa, Stephanie Pilick, pil/hgr

Gesundheitsgefährdende Ersatzchemikalie für Bisphenol A

Ist Plastik wirklich ungesund? Die Chemikalie Bisphenol A wird als Weichmacher in Plastik eingesetzt und es wird ihr nachgesagt, dass sie sich negativ auf den menschlichen Hormonhaushalt auswirkt. Besonders unser Essen ist häufig in Plastik verpackt. Experten halten den Stoff für gesundheitsgefährdend, aber auch der Ersatzstoff des Weichmachers steht jetzt unter Verdacht.

Weichmacher-Alternative Fluoren-9-Diphenol mit Nebenwirkungen

Er steckt in vielen Dingen des alltäglichen Lebens: der Weichmacher. In Tüten, Folien, Innenbeschichtungen von Konservendosen, in Plastikflaschen, in Lacken und sogar in Kassenbons lässt sich die Chemikalie finden. Aus diesen Gegenständen kann sich der Stoff lösen und womöglich die Gesundheit gefährden. Bisphenol A (BPA) wird verdächtigt, Nerven zu beschädigen und Krebs auszulösen. Auch der Hormonhaushalt soll unter der Chemikalie leiden, da es ähnlich wie das Hormon Östrogen wirkt und die Fortpflanzung stört.

Diese Nebenwirkungen führten dazu, dass es in der EU seit 2011 verboten ist Babyfläschen mit BPA zu verkaufen. Ein Ersatzstoff musste also her. Dieser wurde in der Chemikalie Fluoren-9-Diphenol (BHPF) gefunden und viele Produkte werben nun mit der Aufschrift "BPA-frei". Was zunächst nach einer guten Nachricht für unsere Gesundheit klingt, ist scheinbar doch nicht so unbedenklich.

Die Folge: Fortpflanzung von Mäusen gestört

Laut einer Studie, die von Forschern der 'Peking University' in der Fachzeitung 'Nature Communications' veröffentlicht wurde, zeigten Mäuse bedenkliche Nebenwirkungen nach dem Verabreichen der Ersatzchemikalie. Die Wissenschaftler hatten Plastikflaschen, die als BPA-frei deklariert waren, mit 60 Grad heißem Wasser befüllt und ließen dieses abkühlen. Die Mäuse mussten das Wasser anschließend trinken. Der Stoff hatte sich durch das heiße Wasser aus dem Plastik gelöst und geriet so in die Blutbahn der Mäuse. Der Stoff BHPF führte bei den weiblichen Mäusen zu einer kleineren Gebärmutter, einer geschrumpften Gebärmutterschleimhaut und zu einer niedrigeren Anzahl von Nachkommen. Die Ersatzchemikalie wirkte sich somit scheinbar negativ auf die Fortpflanzung aus.

Auswirkungen auf den Menschen müssen weiter untersucht werden

Neben den Mäusen wurden auch Menschen getestet, die regelmäßig Wasser aus Plastikflaschen tranken. Bei sieben von hundert Probanden konnte der Ersatzstoff im Blut nachgewiesen werden. Es konnte aber nicht abschließend geklärt werden, ob die Chemikalie BHPF wirklich über das Wasser aufgenommen wurde. Ob die Nebenwirkungen der Mäuse so auch beim Menschen eintreten könnten, ist ungewiss.

Wie viele andere Ersatzchemikalien ist BHPF schlecht geprüft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht bisher noch von keinen belastenden Nebenwirkungen für den Hormonhaushalt von Säugetieren aus, da die Ersatzchemikalie in der EU nicht für Lebensverpackungen zugelassen ist. Dennoch müssen die möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit noch untersucht werden.

Auf Plastik verzichten - so geht's im Alltag

Wer auf der sicheren Seite sein möchte, der kann auch versuchen auf Plastik zu verzichten. Ein paar Dinge lassen sich leicht ersetzten. So können statt Plastikflaschen Glasflaschen verwendet werden. Das Plastikspielzeug für die Kinder kann durch Holzspielzeug (hier darauf achten, dass keine Lacke mit Chemikalien zur Behandlung benutzt wurden) ausgetauscht werden. Beim Kauf der Lebensmittel darauf achten, dass nur Obst und Gemüse ohne Plastikverpackung gekauft wird. In der Küche können auch wieder verwendbare Stofflappen statt Plastikschwämmen genommen werden. Spülbürsten und Schwämme gibt es auch aus Naturfasern und Holz. Schneidebretter, Rührschüssel und Co gibt es mittlerweile auch aus Holz, Metall oder Bambus.

Wer auf Plastik im Alltag verzichtet, tut wahrscheinlich nicht nur seiner Gesundheit einen Gefallen, sondern auch der Umwelt.

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