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Beckenbodensenkung: Erkrankungen des Beckenbodens

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Erkrankungen wie Beckenbodensenkung erkennen

Anzeichen für Erkrankungen, die in Zusammenhang mit einem schwachen Beckenboden stehen, sind ungewollter Urinverlust, Druckgefühl im Unterbauch, der Eindruck, dass ein Fremdkörper in der Scheide liegt, Kreuz- und Rückenschmerzen, eine erweiterte Vagina oder Schmerzen beim Sex.

Beckenbodensenkung
Eine Beckenbodensenkung ist nur eine von vielen Beckenboden Erkrankungen.

Von Daniele Erdorf

Beckenboden und Blase

Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Kassel: "Unterschieden wird zwischen der Belastungs- und der Dranginkontinenz. Unter Belastungsinkontinenz versteht man den unwillkürlichen Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben. Bei der Dranginkontinenz tritt der Harndrang oft überfallartig auf und ist so stark, dass bereits Urin verloren geht, bevor die Toilette erreicht wird." 

Die Belastungsinkontinenz ist die bei Frauen am häufigsten auftretende Form der Inkontinenz. Es werden drei Schweregrade unterschieden:          

· Grad I: Unkontrollierter Harnverlust bei heftiger Drucksteigerung im Bauch. Beispielsweise beim Niesen, Husten, Lachen oder bei schwerer körperlicher Belastung.

· Grad II: Unkontrollierter Harnverlust bei mittelstarker Drucksteigerung im Bauch. Beispielsweise schon beim Laufen oder Treppensteigen.

· Grad III: Unkontrollierter  Harnverlust bei geringer Drucksteigerung im Bauch. Beispielsweise auch im Liegen.

Ein schwacher Beckenboden macht krank

Beckenboden und Darm

Hier wird zwischen der Schließmuskelschwäche (Inkontinenz) und der Stuhlentleerungsstörung (Obstipation) unterschieden. Dabei kann es sich um Ursachen oder Folgen verschiedener Funktionsstörungen einzelner Beckenbodenstrukturen handeln. Dies zu klären, bedarf einer speziellen Diagnostik. Häufig vorkommende Erkrankungen sind der Mastdarmvorfall, die seitliche Ausstülpung der Enddarmwand oder die Einstülpung von Darmanteilen in das Becken. Auch kann ein Dammriss, der bis zum After reichte, zu unvollständigem Verschluss führen.

Beckenbodensenkung und weitere Erkrankungen

Beckenbodensenkung

Eine Beckenbodensenkung (Deszensus) liegt vor, wenn Beckenboden, Gebärmutter, Harnblase, Enddarm oder der Scheidenstumpf (nach einer Gebärmutterentfernung) tiefer in Richtung Körperöffnung absinken. Je nachdem, wie ausgeprägt die Lageveränderungen sind, können solche Senkungen unterschiedlich starke Beschwerden mit sich bringen und einen operativen Eingriff nötig machen.

Vaginismus

Beim Vaginismus oder Scheidenkrampf wird die Beckenboden- oder Vaginalmuskulatur reflexartig und dauerhaft angespannt. Frauen, die unter Vaginismus leiden, können die Muskulatur nicht oder nur unzureichend entspannen, so dass ein schmerzfreier Geschlechtsverkehr oder eine schmerzfreie gynäkologische Untersuchungen kaum möglich sind.

Wie erkennt man Beckenbodensenkung & Co.?

Beckenbodensenkung
Woran erkennt man eine Beckenbodensenkung?

- Gynäkologische, urologische oder proktologische (den Enddarm betreffende) Basisuntersuchungen

- Anfertigung eines Miktionsprotokolls. Miktion ist der medizinische Fachbegriff für das Wasserlassen. In diesem Tagebuch wird aufgelistet, wie viel die Patientin trinkt, wann die Toilette aufgesucht wird, wann unkontrolliert Urin verloren geht und wie viele Einlagen benutzt werden.

- Harnflussmessung (Uroflow). Dabei werden auf einer Spezialtoilette die Dauer des Harnflusses sowie die mittlere und maximale Harnflussrate gemessen.

- Blasendruckmessung (Urodynamik, Zystotonometrie). Diese Messung ermittelt den Druck in der Blase in verschiedenen Füllungszuständen.

- Druckprofilmessung (Urodynamik, Urethradruckprofil). Dabei wird über spezielle Sonden der Druck in Blase und Harnröhre ermittelt.

- Blasenspiegelung (Zystoskopie). Dabei wird die Blase mit einem dünnen schlauch- oder röhrenförmigen Instrument (Zystoskop) untersucht, das durch die Harnröhre eingeführt wird.

- Elektromyografie des Beckenbodens. Bei der Elektromyografie wird die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur und des Blasenschließmuskels mittels spezieller Elektroden gemessen. Untersucht wird auch, inwieweit die Patientin diese Muskeln kontrollieren kann.

- Beckenboden-MRT. Magnetresonanztomographie zur Abklärung spezieller Fragestellungen bei komplexen Erkrankungen des Beckenbodens.

- Koloskopie oder Darmspiegelung. Dabei wird der Dickdarm mit einem flexiblen schlauchförmigen Instrument (Koloskop) untersucht.

Behandlung bei Beckenbodenerkrankungen

So unterschiedlich die Beschwerdebilder in Zusammenhang mit einer Schwächung des Beckenbodens sind, so unterschiedlich sind auch die Therapieverfahren. "Grundsätzlich", so Prof. Dr. Thomas Dimpfl, erster Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), "kann zwischen konservativen Behandlungsansätzen und operativen Methoden unterschieden werden. Die Heilungschancen sind heute in jedem Fall gut."

Zu den konservativen Therapieansätzen gehört - neben der Verordnung von Medikamenten - vor allem das gezielte und kontrollierte Beckenbodentraining. Bei der Elektrostimulation werden Elektroden mittels einer Sonde in die Vagina oder den After eingeführt. Stromimpulse lösen Kontraktionen aus und stimulieren so die Beckenbodenmuskulatur. Die Pessar-Therapie kann bei Belastungsinkontinenz in Verbindung mit einer Senkung eingesetzt werden, da Pessare Harnröhre, Gebärmutter und Blase stützen und somit die Verschlussfunktion verbessern können.

Senkungen lassen sich meist durch eine Operation beseitigen. Wenn kein Kinderwunsch mehr besteht, kann die Gebärmutter entfernt und gleichzeitig die vordere und die hintere Scheidenwand gerafft werden. Hierdurch einsteht eine durch Eigengewebe wieder verengte und damit natürliche Vagina.

Alternativ sind auch korrigierende Verfahren möglich, bei denen die Gebärmutter oder zumindest der Gebärmutterhals erhalten bleiben. Bei diesen Eingriffen wird häufig ein synthetisches Netz eingesetzt, das den Erfolg der Operation absichern soll. Prof. Werner Bader, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie in der DGGG: "Die Langzeitergebnisse mit synthetischen Netzen bleiben jedoch hinter den Erwartungen deutlich zurück. Die Erfolge direkt nach der Operation werden häufig durch Komplikationen zunichte gemacht, die erst viel später auftreten können. In speziellen Fällen und vor allem bei Rezidiven, also erneuten Senkungen nach einer Erstoperation mit Eigengewebe, sind solche Netze allerdings sehr hilfreich."

Prof. Dr. Thomas Dimpfl rät: "Patientinnen sollten sich vor geplanten Operationen ausführlich informieren. Wenn ein Arzt oder eine Ärztin mehrere Alternativen vorschlägt und die Patientin in den Entscheidungsprozess einbindet, dann ist die Chance groß, dass eine optimale Lösung gefunden wird. Nach einem sorgfältig durchgeführten Eingriff haben Patientinnen eine gute Chance, dass die Senkung mit all ihren unerwünschten Begleiterscheinungen dauerhaft verschwindet."

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