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Beckenboden: Aufbau und Funktion Ihres Beckenbodens

Beckenboden: Aufbau und Funktion
Jede Frau sollte wissen, wie ihr Beckenboden aufgebaut ist. © studiovespa - Fotolia, Krzysztof Szpil

So ist der Beckenboden aufgebaut

Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Kassel: "Der Beckenboden besteht aus einer Vielzahl von Muskeln und Bindegewebsstrukturen. Er verschließt das Becken nach unten und er hält die inneren Organe im Bauchraum." Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet dabei mit der Bauch-, der Rücken- und der Atemmuskulatur zusammen.

Von Daniele Erdorf

Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen zwei Muskelschichten, dem Diaphragma pelvis und dem Diaphragma urogenitale. Das Diaphragma pelvis ist der tiefere, hintere Beckenbodenteil. Er ist zweitgeteilt und bildet eine Lücke für den Mastdarm, die Scheide und die Harnröhre. Der After wird durch einen äußeren und inneren Schließmuskel umrundet. Die zweite, mittlere Muskelplatte, das Diaphragma urogenitale liegt zwischen Sitz- und Schambein. Sie liegt unter dem Diaphragma pelvis im vorderen Bereich des Beckenausgangs. Sie wird bei der Frau - neben der Harnröhre - auch von der Scheide durchbrochen.

Das Diaphragma urogenitale besteht vor allem aus Bindegewebe und den zarten Harnröhrenmuskeln. Das Diaphragma urogenitale ist für den Verschluss der Harnröhre und für die Kontraktion der Vagina - beispielsweise beim Orgasmus - von Bedeutung. Verbunden werden die beiden Muskelplatten durch sehnige Strukturen in der Mitte des Beckenbodens. Dieser Mittelpunkt wird in der Fachsprache Centrum tendineum genannt.

So funktioniert der Beckenboden

Prof. Dr. Thomas Dimpfl: "Die Hauptfunktionen des Beckenbodens sind - neben der Haltefunktion für die Organe im Bauchraum - das Anspannen, Entspannen und das reflexhafte Gegenhalten bei schnell auftretenden Belastungen."

Mit einem funktionierenden Beckenboden wird sowohl die Stuhl- wie die Harnkontinenz gesichert: Während sich Stuhl im Enddarm sammelt, ist die Beckenbodenmuskulatur angespannt. Im Falle der Blase verschließt die Beckenbodenmuskulatur die Harnröhre, während sich der Urin in der Blase sammelt. Beim Wasserlassen und beim Stuhlgang entspannt sich dann die Beckenbodenmuskulatur. Beim Orgasmus wechseln sich Anspannung und Entspannung des Beckenbodens ab. Beim Husten, Niesen, Lachen, Springen oder beim Tragen schwerer Lasten hält der Beckenboden reflexartig gegen, um unkontrollierten Stuhl- oder Urinverlust zu vermeiden. Dazu verfügt er über Muskelfasern, die sehr schnell arbeiten. Prof. Dr. Thomas Dimpfl: "Der Beckenboden erfüllt seine Aufgaben in der Regel, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Dennoch lässt sich bei Inkontinenz diese Muskulatur gezielt trainieren."

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