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Bauchgefühl in der Liebe: Das Beziehungs-Urteil fällen wir unbewusst

glückliches Paar
glückliches Paar © drubig-photo - Fotolia, Diana Drubig

Bauchgefühl: Jeder weiß, ob die Ehe gut wird

"Hätte ich doch auf mein Gefühl gehört, einiges wäre mir erspart geblieben"... Diesen Gedanken hatte so gut wie jeder Mensch schon einmal in seinem Leben. Wie Forscher in den USA ermittelt haben, sollte man auch bei der Partnerwahl mehr auf Intuition, als auf rationale Schlüsse setzen. Denn dann hat die Ehe eine bessere Chance, glücklich zu werden.

Von Christiane Mitatselis

Vier Jahre lang haben sich Sozialpsychologen der Universität Talahassee in Florida dem Eheglück frischvermählter Paare gewidmet. Sie befragten die jungen Eheleute alle sechs Monate dazu, wie glücklich sie mit dem Verlauf ihrer Partnerschaft waren. Das Ergebnis: Bei allen Paaren sank mit der Zeit der Level des Glücks. Je größer aber die intuitive Zufriedenheit mit dem Partner zu Beginn der Studie war, desto erfüllter verlief die Verbindung.

Intuitive Einstellungen zum Partner, auf Englisch "automatic attitudes", ergeben sich daraus, wie sich die Befragten verhalten – und nicht aus dem, was sie sagen. Die Psychologen arbeiten hier meist so, dass Probanden ohne Bedenkzeit reagieren, also etwa Bilder blitzschnell mit positiven oder negativen Attributen versehen müssen. Spontan lügt es sich schlecht.

Vernunftsentscheidungen machen unglücklich

Aufschlussreich ist auch die Aussage der Studie "Obwohl es ihnen nicht bewusst sein muss, wissen Frischverheiratete indirekt, ob ihre Ehe zufriedenstellend sein wird".

Diese These ist einleuchtend, wenn man sie so illustriert: Man lernt jemanden kennen, man verliebt sich, man ist einigermaßen glücklich. Doch gleichzeitig stellt sich ab und zu ein komisches Gefühl ein… Warum war er so unfreundlich zur Verkäuferin, die ihm nichts getan hat? Warum muss er immer so laut reden? Warum hört er mir nicht richtig zu?

Egal… Er ist ein guter Typ, hat auch Geld, ist ehrlich, treu, er will Kinder - und so weiter… Nach rationaler Abwägung von Pro und Kontra kann sich somit der Schluss aufdrängen, es sei vernünftig, nicht auf die Intuition zu hören. Vor allem, wenn die Umwelt auch noch Druck ausübt, wenn zum Beispiel Freundinnen sagen: "Heirate ihn, so einen findest du so schnell nicht wieder!" Und die Mutter immer mal wieder fallen lässt, dass man nicht jünger werde und die Chancen, einen Mann zu finden, sich nicht gerade verbesserten. Also heiratet man und hofft, dass es gut geht.

Es ist ein bisschen wie beim Kleiderkauf. Eine Hose, die man anzieht und spontan mag, bereitet in der Regel viel mehr Freude als ein Kleidungsstück, dass man entgegen der eigenen Intuition, vor allem auf Rat einer Freundin gekauft hat. Mit Argumenten wie: Es steht dir, der Preis ist super, so etwas hast du nicht… Und was passiert? Die Hose fristet ein vernachlässigtes Dasein im Kleiderschrank.

Natürlich ist eine Ehe eine viel kompliziertere Angelegenheit als ein Hosenkauf, der Mechanismus der Entscheidung funktioniert aber auf dieselbe Weise. Das gute oder schlechte Gefühl ist oft wichtiger als tausend Argumente. Wer sich Frust ersparen und glücklich mit einem Partner leben will, sollte also am besten seine Intuition nicht mit rationalen Argumenten in den Hintergrund drängen. Denn sonst sagt man sich eines Tages: Ach, hätte ich doch auf mein Gefühl gehört!

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