Barbie: Beeinflusst die Puppen-Ikone das Selbstbild von Mädchen?

Barbie ist die beliebteste Puppe weltweit

Ein englischer Künstler namens Nickolay Lamm hat eine Barbie-Puppe kreiert, die aussieht wie eine durchschnittliche 19-Jährige aus Fleisch und Blut – und nicht wie eine Modepuppe aus Plastik. Erwartungsgemäß ist Lamms Barbie kleiner, runder und weniger dünn.

Beeinflusst die Puppen-Ikone das Selbstbild von Mädchen?
Barbie als Vorbild für junge Mädchen? © Splash

Von Christiane Mitatselis

Konkret hat die realistische Barbie kürzere Beine, ein breiteres Becken, einen dralleren Hintern und misst auf menschliche Maße umgerechnet 15 Zentimeter weniger als die originale Barbie, die Mattel-Gründerin Ruth Handler im Jahr 1959 auf den Markt brachte. Überraschend ist das nicht: Dass die Barbie nicht aussieht wie eine durchschnittliche Frau, ist bekannt. Sie ist eine stilisierte Modepuppe, ihre Proportionen sind unrealistisch. Auch das schlankste aller Models kann da nicht mithalten. Wissenschaftler haben einmal nachgewiesen, dass das Becken der Barbie so schmal ist, dass gar nicht alle Organe hineinpassen würden.

Kritik an der Barbie ist deshalb so alt wie die Puppe selbst. Mädchen waren immer schon verrückt nach ihr. Weltweit werden angeblich pro Sekunde drei Barbies verkauft. Eltern, vor allem Mütter, hatten hingegen von Anfang an Bedenken.

Die Hauptkritik-Punkte: Die Barbie suggeriere ein sexistisches, aus Männer-Fantasien entsprungenes Frauen-Bild, sie treibe junge Mädchen in die Magersucht, da sie sich mit der Puppe verglichen und so sein wollten wie sie - es aber nie erreichten. Und dabei hatte Ruth Handler die Barbie ursprünglich erfunden, um den Mädchen eine Alternative zu den Babypuppen zu bieten, die damals fast ausschließlich verkauft wurden und zum Einüben der Mutterrolle dienten.

Barbie als Idol für viele Mädchen?

Die Barbie war von Anfang an eine Puppe, der die Mädchen Kleider anziehen konnten, im Laufe der Jahre gab es viele Variationen: Zum Beispiel Barbies mit speziell frisierbaren Haaren, eine Südsee-Barbie, eine Reiterin, eine Stewardess, eine Chirurgin – und so weiter. Ihren Freund "Ken" schickte die Barbie – so die von Mattel kreierte Geschichte – übrigens im Jahr 2004 offiziell in die Wüste. Überhaupt achtete der Hersteller darauf, die Barbie immer wie eine selbständige Frau aussehen zu lassen. Eine Dame mit vollem Kleiderschrank und eigenem Einkommen. Also eine Art Vorreiterin der Protagonistinnen aus "Sex and the City".

Ist die Wirkung der Barbie tatsächlich so grauenhaft, wie ihre Kritiker meinen? Ich glaube nicht. Man unterschätzt die Kinder. Die meisten Mädchen sind nicht so doof, dass sie so aussehen wollen wie eine schlaksige Plastikpuppe. Natürlich wollte auch ich als Kind eine Barbie haben. Nach viel Gequengel befanden sich schließlich circa fünf Exemplare in meinem stolzen Besitz.

Eine Identifikation mit den Puppen setzte trotzdem nicht ein. Wie auch? Mir war früh klar, dass es keine Frauen gibt, die so aussehen wie diese dürre, dauergrinsende Gestalt. Zumindest waren mir keine bekannt. Die Barbie war ein Spielzeug wie jedes andere. Deshalb glaube ich, dass sich besorgte Eltern entspannen sollten. Je mehr die Barbie verteufelt wird, desto interessanter wirkt sie für die Mädchen. Sie bleibt immer im Gespräch, ohne dass der Hersteller aufwändige Werbung betreiben muss.

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