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Bananen-Protein gegen Viren: Schützt modifiziertes Lektin vor Grippe und Aids?

Top 5 Lebensmittel für ein starkes Immunsystem
Top 5 Lebensmittel für ein starkes Immunsystem Tipps von Prof. Froböse 00:03:24
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So wirkt das Bananen-Lektin gegen Viren

Bananen sind wahre Power-Früchte. Sie enthalten nicht nur viel Kalium, das den Wasserhaushalt reguliert und unsere Herzfunktion unterstützt. Bananen sind außerdem reich an Magnesium, welches Muskelkrämpfen vorbeugt, und liefern schnell verfügbare Kohlenhydrate. Nicht umsonst greifen viele Sportler zu Bananen als Snack für zwischendurch. Doch das scheint noch nicht alles zu sein: Bananen enthalten einen Eiweißstoff, der, wenn er leicht modifiziert wird, gegen Grippe, Hepatitis und HIV wirken könnte. Verantwortlich dafür ist das Bananen-Lektin (BanLec).

Das Protein bindet an Strukturen, die den Zucker Mannose enthalten. Solche Zuckerbausteine kommen auch in einem Oberflächenrezeptor des HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst, vor, für das die antivirale Wirkung von BanLec bereits nachgewiesen wurde. Folglich können die Viren nicht in die Zelle eindringen und diese infizieren. Das BanLec wurde bereits im Jahr 2010 entdeckt. Damals nährte der Fund die Hoffnung, Aids bald erfolgreich therapieren zu können.

Weitere Forschungen kamen jedoch zu dem ernüchternden Ergebnis: Bananen-Lektin hemmt nicht nur die Viren, sondern regt auch die Zellteilung an – auch die der T-Zellen. Dadurch wird der antivirale Effekt wieder zunichte gemacht – denn das HI-Virus vermehrt sich in genau diesen T-Zellen. Hinzu kommt: Über Bananen aufgenommen kann das Lektin nicht die gewünschte Wirkung entfalten: Der Grund: Die Proteine werden in Magen und Darm verdaut. Daher haben die Forscher das Lektin in einem ersten Schritt isoliert.

Modifiziertes Bananen-Lektin als Basis für Breitband-Medikamente gegen Viren?

Nun haben Forscher um David Markovitz der University of Michigan einen entscheidenden Durchbruch erzielt: Sie haben eine neue, modifizierte Version des BanLec entwickelt. Dazu haben sie eine Aminosäure des Proteins ersetzt – statt Histidin haben die Wissenschaftler an Position 84 Threonin eingebaut. Dank dieser Manipulation schützt das veränderte BanLec gegen Grippe, Aids und Hepatitis C - und zwar ohne Nebenwirkungen. "Wir haben nachgewiesen, dass das modifizierte BanLec zwar noch an T-Zellen bindet, die Zellen aber nicht mehr aktiviert, weil es nicht mehr in der Lage ist, die dafür nötigen Oberflächenrezeptoren zu verbrücken", sagt Hans-Joachim Gabius, Inhaber des Lehrstuhls für Physiologische Chemie an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Wissenschaftler war maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Entsprechend der Mutation haben die Forscher das veränderte Bananen-Lektin H84T getauft. Die Forscher konnten in Versuchen mit Mäusen zeigen, dass H84T gegen Grippe schützt.

Die Wissenschaftler werten H84T als großen und vielversprechenden Erfolg im Kampf gegen verschiedene Viren. "Was wir hier gemacht haben ist spannend, weil es die Möglichkeit eröffnet, BanLec in ein Breitband-Mittel gegen Viren weiterzuentwickeln", sagt Studienleiter Markovitz im Fach-Magazin 'Cell'. Vor allem im Hinblick auf die Bekämpfung des Grippe-Virus sei dies wichtig. Gegen Grippe gebe es bislang nur Medikamente wie Tamiflu, die besonders bei kritischen Patienten nur unzureichend wirken und gegen die die Grippe Resistenzen entwickeln kann, so der Forscher. Bis entsprechende Medikamente auf den Markt kommen, könnte es jedoch noch einige Jahre dauern. Zudem wollen die Forscher testen, ob körpereigene Lektine auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen könnten.

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