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Babyschwimmen: Rettung vor dem Ertrinken

Baby rettet sich selbst
Baby rettet sich selbst Babyschwimmen kann Leben retten 00:02:40
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US-Methode rettet Kinder-Leben vor dem Ertrinken

Ist ein sechs Monate altes Baby in der Lage sich selbst zu retten? Ja. Die US-amerikanische Organisation 'Infant Swimming Resource' (ISR) zeigt wie es geht: Beim Babyschwimmen lernen Kinder ab einem halben Jahr verschiedene Techniken, um sich vor dem Ertrinken zu retten.

Babyschwimmen: Rettung vor dem Ertrinken
Beim Babyschwimmen nach Methode des ISR lernen Babys, sich selbst vor dem Ertinken zu retten. © Fotolia Deutschland, microimages

Auf wackligen Beinen läuft der einjährige Miles zum Rand des Swimmingpools. Am Wasser angekommen, kniet er sich hin, kippt vornüber und fällt ins Becken. Klingt nach einem tragischem Badeunfall, doch das Horror-Szenario bleibt aus: Im Wasser dreht sich Miles gekonnt auf den Rücken und wartet, bis ihn jemand aus dem Wasser zieht. Ein Kleinkind, das sich selbst vor dem Ertrinken rettet? Kaum zu glauben, aber wahr.

Während das deutsche Babyschwimmen Motorik und Mutter-Kind-Bindung fördert, zielt das Programm des 'Infant Swimming Resource' (ISR) in den USA auf lebensrettende Maßnahmen ab: Babys ab sechs Monaten lernen, sich selbst zu retten. Ausgebildete Schwimmlehrer des ISR bringen Babys bei, unter Wasser die Luft anzuhalten, die Augen zu öffnen und sich im Wasser vom Bauch auf den Rücken drehen. Das ermöglicht ihnen zu atmen und auf Rettung zu warten.

Wissenschaft unterstützt Rettung der Kinder-Leben

Kinder ab einem Jahr lernen die sogenannte Schwimm-Schwebe-Schwimmsequenz. Mit dem Kopf unter Wasser paddeln sie vorwärts, drehen sich zum Luftholen und Ausruhen auf den Rücken und anschließend wieder auf den Bauch. So können sich die Babys selbständig im Becken bewegen und den Rand erreichen.

Die Idee für diese Art des Babyschwimmens kam ISR-Gründer Harvey Barnett vor 44 Jahren. Der damals 18-jährige Rettungsschwimmer erlebte, wie ein Nachbarskind im Pool der Eltern ertrank. Daraufhin erarbeitete er eine spezielle Technik, mit der er kleinen Kindern das Schwimmen beibrachte. Im Laufe der Jahre entwickelte er seine Methode ständig weiter und holte sich an Universitäten wissenschaftliche Unterstützung.

Das Erlernen der Techniken fordert Kinder heraus

Wer schon mal versucht hat, sprechenden Kleinkindern etwas beizubringen, weiß wie schwer es ist. Wie soll das bei Babys funktionieren? ISR-Schwimmlehrer Jens Trumpa erklärt, wie es geht: ''Wir gehen anfangs non-verbal vor. Jedes Zielverhalten, wie zum Beispiel die Drehung, wird in sehr kleine Schritte unterteilt. Mit Hilfe von verschiedenen Handgriffen werden diese Schritte dann erlernt. Das ist ähnlich wie mit Reithilfen: Wenn man das Kind rechts berührt, dann bewegt es sich auch nach rechts.'' Jedes richtige Verhalten der Kinder wird sofort belohnt - zum Beispiel durch eine Umarmung der Mutter.

Das wichtigste für den Erfolg des Schwimmkurses ist, dass die Babys motiviert bleiben - gar nicht so einfach, schließlich tanzen kleine Kinder in den seltensten Fällen nach der Pfeife ihrer Eltern: „Viele Kinder weinen am Anfang, weil die Aufgaben für sie eine große Herausforderung sind. Deswegen muss die Mutter immer dabei sein. Wir wollen die Mutter-Kind-Bindung nicht zerstören. Wenn wir sicher stellen, dass jeder einzelne Schritt erfolgreich ist, dann stärkt es das Selbstvertrauen der Kinder ungemein“, erklärt Trumpa.

Verbreitung der Methoden auch in Deutschland

Der 35-Jährige ist seit 2007 als ISR-Schwimm-Instructor tätig. Er ist einer von mehr als 450 Schwimmlehrern, die vorwiegend in den USA, Kanada und Südamerika Babyschwimmen nach Methode des ISR unterrichten. Bald möchte der Ex-Kölner diese Philosophie auch in Deutschland verbreiten. Zwar gibt es hier weniger Häuser mit angrenzendem Swimming-Pool, trotzdem ist er sicher, dass die Nachfrage nach dieser Art des Babyschwimmens hoch sein wird: ''Es geht um die Sicherheit von Kindern, dafür gibt es immer einen Markt'', sagt Trumpa.

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