Babypause: Gefangen in der Teilzeit-Falle oder Chance für Neuanfang?

Babypause: Gefangen in der Teilzeit-Falle oder Chance für Neuanfang?

Was kommt nach der Babypause?

Sie packen ihr Studium mit Auszeichnung und in Regelstudienzeit, werden von den besten Unternehmen angestellt, verdienen gutes Geld und dann … bekommen sie Kinder und stehen nach dem Wiedereinstieg wieder an der untersten Stufe der Karriereleiter. Der Weg junger Frauen scheint leider vorgezeichnet. Was kommt also nach der Babypause? Da weiter machen, wo man vor den Kindern aufgehört hat oder einen beruflichen Neustart wagen?

Von Sabine Möller

Wie sieht der Wiedereinstieg junger Frauen nach der Babypause heute aus? Ganz klar: Teilzeit. Für viele Working Moms ist das aber nicht das Maß der Dinge. Der Verdienst ist gering, gern gesehen sind diese Stellen nicht und wirklich karrierefördernd ist Teilzeit auch nicht. Frauen, die sich damit nicht begnügen, und trotz Familie im Job durchstarten wollen, sollten die Babypause daher als Chance für einen Neustart nutzen.

"Mompreneur" werden die Frauen genannt, die nach der Elternzeit ihr eigenes Business gründen. Egal ob sie keine Lust mehr auf ihren alten Job haben oder flexibler im alten Beruf arbeiten wollen.

Juliane ist eine dieser Frauen. Sie ist junge Mutter, studierte Medienwirtin und lebt mit Kind und Kegel in Wiesbaden. Nachdem sie jahrelang Illustrationen und Programmierungen in einer Internetagentur gemacht hat, kündigte sie in der Schwangerschaft ihren alten Job und zog was Neues auf. Zusammen mit ihrem Freund hat sie eine Kreativ-Firma für Kinder gegründet. Gerade arbeiten die beiden an ihrem ersten eBook für eine Nähanleitung, die sie verkaufen. „Ich wollte meine Leidenschaft fürs Nähen und meinen Beruf miteinander verknüpfen“, erklärt die 29-Jährige. Für ihr Start-up arbeitet sie von zu Hause, Tochter Nelly wuselt immer um sie herum. „Wenn die Kleine bald in die Betreuung geht, habe ich mehr Ruhe“, erklärt sie.

Die Idee für ihr Geschäft ist am Küchentisch geboren. Wie so oft. Leicht ist der Start keinesfalls: Weil eine Neugründung viel Arbeit erfordert aber da der Nachwuchs noch zu Hause betreut wird, bleibt entweder der Haushalt oder eben die Arbeit liegen. Für Juliane aber wertvolle Zeit, die sie mit ihrer Tochter verbringen kann.

Tipps für den Job-Einstieg nach der Babypause

Wer wie Juliane auch sein eigenes Unternehmen gründen oder aber in einem neuen Unternehmen anfangen will, muss sich vorher viele Gedanken machen. Richard Nelson Bolles, Autor des Karriereratgebers 'Durchstarten zum Traumjob', hält die ausführliche Selbstanalyse aber für die gewinnbringendste bei der Suche nach einer neuen Berufung. Eine detaillierte Auflistung dessen, was man alles anzubieten hat und wonach man sucht ist arbeitsintensiv und erfordert einen kritischen Umgang mit sich selbst. Damit wird aber jedem „Umorientierer“ klarer, was er eigentlich sucht.

Natürlich gehört bei den Überlegungen auch dazu, wie viele Stunden man pro Woche arbeiten möchte. Wer nicht Vollzeit arbeiten möchte oder kann, der sollte sich Argumente zurecht legen, warum es besser ist, 30 Stunden die Woche, dafür aber mit mehr Engagement zu arbeiten. Möglicherweise spielt der alte Arbeitgeber bei diesem Model mit. Wer sich unter diesen Bedingungen neu bewirkt, braucht Geduld, die Firma zu finden, die auf die Bedingungen eingeht. Vielleicht, weil gerade Wahlkampf ist, hat sich die SPD auf die Fahne geschrieben, eine staatlich bezuschusste 30-Stunden-Woche für Eltern einzuführen. Zwei bis drei Jahre wird die Arbeitszeit dann befristet. Damit überwinden Mütter die Teilzeitfalle und sind dennoch für die Familie da. Väter haben mehr Anteil an der Erziehung ihrer Kinder. Ob die Idee in die Tat umgesetzt wird, entscheidet die Bundestagswahl 2013.

Als ich studierte, hatte ich einen Traum: Ich wollte mit 60 Jahren aufhören zu arbeiten und an der Nordsee ein kleines Teehaus leiten – mit selbstgebackenem Kuchen und Tee natürlich. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich das auf jeden Fall machen werde. Heute, sechs Jahre später, bin ich von meinem Traum ehrlich gesagt meilenweit entfernt, weil Beruf und Familie das Träumen eingedämmt haben. Aber wer weiß, was noch kommt…

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