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Babynamen: Kevinismus und Chantalismus im Trend

27.11.12 11:31
Babynamen: Kevinismus und Chantalismus im Trend
Bildquelle: deutsche presse agentur
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Babynamen wie Kevin sind "eine Diagnose"

Ob Chantal, Marvin-Jason oder Jerome-Joel: Manche Eltern bevorzugen bei der Namensgebung ihrer Kinder - nun ja - sagen wir - doch sehr "exotische Varianten". Was bestimmt häufig gut gemeint ist, entwickelt am Kind dann leider nicht immer seinen vollen Charme ("Sander Diego" - äh, hallo?!). Dem Phänomen "Kinder mit besonderen Vornamen" widmet sich nun im Internet eine ganze Website.

Von Merle Wuttke

Der Fundus an "etwas anderen" Namen scheint jedenfalls unerschöpflich, im Internet überbieten sich die Nutzer mit Bildern von Aufklebern an Autoheckscheiben oder Geburtsanzeigen, auf denen die Kreativität der frisch gebackenen Eltern zu voller Geltung kommt. Einen Namen hat das Ganze auch schon: "Chantalismus" bzw. "Kevinismus", ein pseudowissenschaftlicher Begriff, der im Grunde nichts anderes meint, als: "Ach, du meine Güte, was haben sich die Eltern bloß bei diesem Namen gedacht. Das arme Kind gilt für sein Leben lang als das Unterschichten-Gör in Schule, Uni oder Job - und egal, ob's stimmt oder nicht!"

Babynamen müssen wieder sozialverträglicher sein

Denn, wie man ja seit der Studie der Universität Oldenburg unter Grundschullehrerin von 2009 weiß, ist: "Kevin kein Name, sondern eine Diagnose" - so das Urteil eines befragten Lehrers. Soll heißen: Wer sein Kind "Schakira-Schantalle" nennt, hat von vorneherein keine akademische Karriere für den Nachwuchs vorgesehen und plant wahrscheinlich direkt nach der Grundschule die ersten Auftritte bei einer der diversen Casting-Shows.

Fest steht: Außergewöhnliche Namen erfordern meist außergewöhnliche Lebensumstände, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. So wird die kleine "Apple" etwa später bestimmt mal ein hervorragendes College besuchen und nie als Mitglied einer bildungsfernen Schicht abgestempelt werden, aber ihre Mutter Gwyneth ist ja nun mal auch Hollywood- und ihr Papa Chris Martin Popstar. Nur dann ist etwas wie "Jayden Jaseal" vielleicht noch erlaubt. Aber auf die Idee zu kommen, ihr Baby "Edward Cullen" zu nennen, wie eine Familie aus Peine, käme wahrscheinlich noch nicht einmal Lady Gaga. Was wird bloß aus dem armen "Eddie", wenn er später optisch weniger Robert Pattinson, sondern mehr Guido Westerwelle ist?! Tja, liebe Eltern, spart man schon mal für den Therapeuten.

Nun muss man aber fairerweise sagen: Auch in der Oberschicht gibt es den Hang zum "Chantalismus". In Adelskreisen geht man das Ganze zwar seit Jahrhunderten sprachlich etwas eleganter an, aber auch hier heißt das Motto: "Mehr macht mehr her!", würde jetzt auch "Manfred Rudolf Kreuzwendedich Maria Graf von und zu..." bestätigen. Schön ist ja auch, dass gerade die edlen Damen und Herren in der Regel so um die fünf, sechs Vornamen besitzen, aber dann meist nur auf ihren ganz besonders lustigen Spitznamen hören, wie "Tittu" oder
"Püppi". Ist auf jeden Fall für jedes Kind leichter zu merken: Die arme "Tamsyn Tinette" kann bestimmt noch in der ersten Klasse ihren Vornamen nicht fehlerfrei aussprechen, von Aufschreiben soll hier gar nicht erst die Rede sein...

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