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Babynahrung: Fingerfood vs. Babybrei - was ist gut für mein Kind?

Ein kleines Baby sitzt mit einem großen Brokkoli auf dem Fußboden.
Einmal 'breifrei', bitte!? © Getty Images/iStockphoto, Martinan

Babynahrung breifrei?!

Ist das okay? Der sieben Monate alte Jamie aus London gönnt sich mit seinem Opa ab und an ein Mittagessen im Pub. Pommes kommen auf den Tisch. Und auch Hannah, acht Monate alt, möchte Falafel und Pitabrot wie der Papa essen. Und Max, sieben Monate, hält in der Hand ein Broccoli-Röschen, bereit es abzuknabbern.

Das alles sind Beispiele von Gill Rapley. Sie ist Mutter und Hebamme sowie zugleich Buchautorin. Die Britin sorgt mit ihrem Lesestoff für große Diskussionen: Denn ‘Baby-Led Weaning‘ - vom Baby selbst gesteuertes Abstillen - ist ihr Vorschlag für die Phase, in der Babys noch gestillt werden, gleichzeitig allerdings auch schon andere Lebensmittel bekommen. Ihr Motto lautet in dieser Wachstumsphase: ‘Breifrei‘! Doch ist das wirklich gut fürs Kind? 

Der Fingerfood-Trend: Von wegen ein Löffelchen für Papa?

Es ist augenscheinlich ein Food-Trend für die Kleinen. Immer mehr Eltern geben ihrem Nachwuchs Fingerfood statt Babybrei. Die Idee, die dahintersteckt: Sobald die Kids mit am Tisch sitzen können, sollen sie alles probieren dürfen, was Geschwister und Eltern auch essen. Die sogenannte Selbstfütterung soll nicht nur die Feinmotorik schulen, sie ermögliche außerdem, dass Kinder schon früh ihren eigenen Impulsen folgen können.

Doch bereits hier schlägt die Ernährungskommission der ‘Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.‘ (DGKJ) Alarm. Denn bei dem durchgängigen Verzicht auf Brei und die ausschließliche Selbstfütterung wird der Beginn der Beikostgabe auf das zweite Lebenshalbjahr verschoben - bedingt durch die notwendigen motorischen Entwicklungsfähigkeiten des Kindes. Doch das sei zu spät, so die DGKJ-Ernährungskommission, um beispielsweise das Allergie- und Zöliakierisiko zu senken.  

Denn viele Studien belegen, dass die Gefahr eine Allergie oder eine Zöliakie zu entwickeln, bei der das Kind verschiedene Getreidesorten nicht verträgt, unter dem Schutz der Muttermilch geringer ist. Daher sollen bereits mit Anfang des fünften Lebensmonats, wenn das Kind auch noch gestillt wird, die ersten neuen Nahrungsmittel wie Gemüse, Obst, Getreide und Fleisch dem Baby gegeben werden. 

Früher selbst probieren, weniger Rummäkellei am Essen?

Wird dem Kind erstmals feste Nahrung angeboten, wenn es diese selbst greifen kann, dann ist der optimale Zeitpunkt dafür bereits verpasst. Darüber hinaus betont die Ernährungskommission der DGKJ, dass bei der ‘Fingerfood-Methode‘ die angemessene Ernährung nicht gesichert ist. Experten denken im Zuge dessen in erster Linie an den Eisenbedarf, der, ausschließlich über die Muttermilch, nicht auf Dauer gedeckt ist. “Die Eisenspeicher der Babys sind mit einem halben Jahr praktisch leer. Und wer an einem Stück Fleisch (da es nicht in Breiform vorgesetzt wird) nur saugt, bekommt kaum Eisen ab“, berichtet die Ernährungswissenschaftlerin Annett Hilbig vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund.

Fingerfood hin oder her – zumindest besteht nicht die Gefahr, dass sich die Kleinen an den Happen verschlucken oder gar ersticken. Umgekehrt liefern die Untersuchungen allerdings auch keine Bestätigung der Hoffnung vieler Eltern, die Kinder könnten durch die Selbstfütterung weniger am Essen rummäkeln. “Hier sind nicht zuletzt genetische Programme im Spiel“, sagt Hilbig. 

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