Babyklappe: Welche Mütter geben ihre Babys ab?

Treibt Angst die Schwangeren zur Babyklappe?
© dpa, Uli Deck

Ist die Babyklappe noch sinnvoll?

Um Kindstötungen zu verhindern, richteten soziale Träger vor zwölf Jahren die erste Babyklappe ein. Wer ungewollt schwanger wurde und in Not geraten war, wer auf gar keinen Fall das Baby behalten wollte oder durfte, der sollte dadurch die Möglichkeit bekommen, sein Neugeborenes sicher und anonym abgeben zu können - ohne Angst vor Nachfragen. Jetzt zeigt eine aktuelle Studie, Sinn und Zweck der "Klappen". Das Ergebnis überrascht.

Von Merle Wuttke

Einen Tag vor Weihnachten ging im Krankenhaus Friederikenstift in Hannover der Alarm an: Jemand hatte ein Baby in die "Klappe" gelegt! Ein kleines, erst ein paar Tage altes, gesundes Mädchen, das den provisorischen Namen "Freitag" bekam - den Tag seiner Abgabe. Insgesamt wurden in den letzten zwölf Jahren, seit Einrichtung der ersten Babyklappe, 278 Babys bundesweit in die Wärmekästen gelegt. 652 Neugeborene kamen anonym zur Welt - in mehr als über einer Dekade konnten also fast eintausend Kinder durch Angebote wie die Babyklappe oder anonyme Geburt im Krankenhaus gerettet werden. Jetzt wollte das Familienministerium wissen, wie sinnvoll diese Angebote an Frauen sind und welche Frauen sie überhaupt nutzen und gab eine Studie in Auftrag. Das überraschende Ergebnis: Die Frauen, die man eigentlich erreichen wollte, etwa Drogenabhängige, Illegale, Prostituierte, oder Frauen, die so verzweifelt sind, dass sie ihr Kind möglicherweise töten würden - diese Frauen spricht man damit offenbar gar nicht an.

Stattdessen sind die Nutzerinnen sehr verschieden, es gibt große Unterschiede zwischen den Müttern, etwa, was die finanzielle Lage oder die Bildung angeht. Und nicht wenige, die sich zu diesem Schritt entschließen, stammen direkt aus der Mitte der Gesellschaft. Offenbar geplagt von der merkwürdigen Panik und Angst, nicht für ihr Baby sorgen zu können, die für Außenstehende nur schwer fassbar ist.

Frauen geben ihr Baby aus Angst in die Babyklappe

Besorgniserregend: Manche Frauen sehen in den Klappen wohl leider auch eine Möglichkeit ungewollte oder behinderte Kinder oder Kinder, die sie überfordern, loszuwerden. So gab es Fälle von toten Babys, oder schon älteren Säuglingen, die darin gefunden wurden.

Obwohl in der Studie kein wertendes Urteil abgegeben wird, scheint auch den meisten Betreibern der Babyklappen mittlerweile klar zu sein: Leben retten können sie damit nicht. Und auch das Prinzip der Anonymität wirkt sich nachteilig auf die Mütter und die zurück gelassenen Kinder aus. Die Frauen verschwinden in ihr altes Leben und geben mit dem Baby einen wesentlichen Teil von sich ab, die Kinder müssen später damit klar kommen, nicht zu wissen, wer sie sind und woher sie eigentlich kommen.

Ganz abschaffen wird man die Klappen nun dennoch wohl nicht mehr, Experten raten aber zu mehr Hilfestellung bereits in der Schwangerschaft und einer verdichteten Betreuung von Müttern nach der Geburt durch die Jugendämter. So könnte man verzweifelte Frauen rechtzeitig in ihrer Not abholen und aus dem vermeintlichen Pech vielleicht doch noch großes Glück werden lassen. Schön wäre es.

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