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Baby schreit: Wieviel Schreien ist normal?

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Babys in Deutschland schreien weniger
Babys in Deutschland schreien weniger Eine Studie untersuchte Babys aus unterschiedlichen Ländern 00:00:21
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Ländervergleich: Deutsche und dänische Babys schreien am wenigsten

Das Baby schreit und schreit und schreit. Und Mama fragt sich: Ist das noch normal? In einer Studie der britischen Universität Warwick kann sie auf diese Frage jetzt eine Antwort finden: Fein säuberlich nach Ländern aufgedröselt haben die Forscher ausgerechnet, wie lange ein Baby normalerweise schreit. Dabei sind sie auf große Unterschiede gestoßen - die sie sich allerdings auch nicht so recht erklären können.

In Dänemark, Deutschland und Japan scheinen junge Mütter ein recht entspanntes Leben zu haben. In Deutschland zum Beispiel schreit ein Baby in den ersten zwei Lebenswochen durchschnittlich 69 Minuten am Tag – zwei Wochen später hat es sich auf 81 Minuten gesteigert. Das ist wenig verglichen mit Ländern wie Kanada oder den Niederlanden, in denen die Kleinen Tag für Tag durchschnittlich 150 Minuten lang lauthals auf sich aufmerksam machen.

Aus neun Ländern lagen Daten vor. Wirft man alle Werte zusammen, erfährt man, dass das internationale Durchschnitts-Baby in den ersten zwei Lebenswochen zwei Stunden am Tag schreit und im Alter von sechs Wochen zwei Stunden 15 Minuten. Aber schon mit zwölf Wochen wird es deutlich ruhiger und quäkt nur noch eine Stunde 10 Minuten am Tag.

Solche Zahlen mögen Mamas freuen, deren Baby weniger schreilustig ist als der Durchschnitt. Mamas, die nur davon träumen können, dass ihr Kind „nur“ zwei Stunden am Tag schreit, sollten sich aber nicht unter Druck setzen lassen. Denn auch die Wissenschaftler können sich die eklatanten Unterschiede nicht wirklich erklären. Vor allem nicht, weil sie innerhalb eines jeden Landes große Unterschiede feststellten: Zwischen 30 Minuten am Tag und fünf Stunden.

An dieser Stelle möchten wir kurz innehalten und den 8.700  Müttern – denen mit den 30-Minuten-Schreihälsen genauso wie denen mit den 5-Stunden-Querulanten – unsere Bewunderung aussprechen: All diese Zahlen konnten nämlich nur in dieser Meta-Studie ausgewertet werden, weil sie ein Schreitage-Buch geführt haben. In 5-Minuten-Intervallen! Wie haben die das nur geschafft? Kurz nach der Geburt, mit einem schreienden Baby?

Naturell und Stress spielen eine Rolle

Am leichtesten dürften es die Däninnen gehabt haben: Ihre Babys sind die ruhigsten Gesellen. Warum? Weil ihre Eltern entspannt sind. Sagt zumindest Studienautor Dieter Wolke: „Sie machen sich weniger schnell Sorgen, wenn ihr Kind schreit. Sie warten erst einmal ein bis zwei Minuten ab, ob es sich von selbst beruhigt.“

Zudem gelten die Dänen nicht gerade als der extrovertierteste Menschenschlag Europas. Was auch schon im Säuglingsalter eine Rolle spielen könnte, so der Forscher. Weshalb dann allerdings Babys aus so unterschiedlichen Temperamentszonen wie Italien, Großbritannien, Kanada und den Niederlanden wahre Schreihälse sind, können zumindest wir uns allein mit dem Heimat-Naturell nicht erklären.

Aber es spielen ja auch Faktoren wie die Ernährung eine Rolle: Babys, die ein Fläschchen bekommen, schlafen nachts eher durch als Still-Kinder. Die Forscher dachten aber noch über einen weiteren Punkt nach: Über den Stress, unter dem die Mütter stehen. Papa-Zeiten und Mutterschutzregelungen, überhaupt die Frage, wie Mütter von der Gesellschaft (oder der Gesetzgebung) unterstützt werden, könnten dazu beitragen, dass sie entspannter oder eben weniger entspannt sind. Und dieses Gefühl an ihre Babys weitergeben.

In Dänemark haben Schwangere und junge Mütter Anspruch auf insgesamt 18 Wochen Mutterschutz, in den Niederlanden auf 16 Wochen und in Italien auf rund 20 Wochen. In Deutschland genießen sie 14 Wochen Mutterschutz – das ist zwar nur EU-Minimum, aber dank Optionen wie anschließender Elternzeit und Elterngeld können hierzulande junge Mamas in der Regel recht zufrieden sein, wenn sie sich mit Müttern in anderen Ländern vergleichen.

Und wenn das Baby trotzdem schreit und schreit und schreit? Dann sollte man den Fehler nicht nur bei sich suchen. Wolke: "Eltern denken oft, dass sie etwas falsch machen oder dass mit dem Baby etwas nicht in Ordnung ist, wenn sie es nicht gleich beruhigen können." Dabei seien 40 Prozent aller Schreiphasen in den ersten drei Monaten einfach nicht zu stoppen. Ist halt so. Baby schreit.

Der Psychologe rät, zunächst kurz abzuwarten, ob der Säugling sich nicht von selbst wieder beruhigt.  „Eltern sind oft nicht darauf vorbereitet, wie viel Säuglinge in den ersten drei Monaten schreien oder wimmern", sagt Wolke. Er rät er deshalb auch dazu, die Belastung, die das Schreien für die Eltern bedeutet, ernst zu nehmen, bevor diese völlig überfordert seien. Wer befürchtet, wegen des Schreiens seines Babys die Kontrolle zu verlieren, sollte sich Hilfe suchen.

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