BABY BABY

Baby als Hitler: Wie weit darf Kunst gehen?

Baby als Hitler für die Kunst
Baby als Hitler: Kunst oder Provokation? © action press, EXCLUSIVE PIX

Darf man sein Baby als Hitler verkleiden?

Da liegt ein kleines Baby. Mit wunderschönen Kulleraugen und rosigen Backen. Doch unter dem Stups-Näschen befindet sich ein Hitler-Bart. Statt eines rosa Stramplers trägt es schwarz-graue Nazi-Uniform. Das unschuldige kleine Wesen ist als Hitler verkleidet.

Von Ursula Willimsky

Ein anderes Foto zeigt das Kind als Stalin, als Mussolini oder auch als Idi Amin. Neun Bilder hat die Künstlerin Nina Maria Kleivan für diese Serie von ihrer Tochter aufgenommen - jedes zeigt das Baby in einem anderen Tyrannenkostüm. Und nicht nur die Kunstwelt diskutierte: Darf man ein Baby als "das Böse“ fotografieren und diese Bilder veröffentlichen? Ist das Kunst oder pure Provokation?

Die Serie, die den Titel 'Potency', also "Macht", trägt, ist bereits über zehn Jahre alt, die Diskussion flammte aber erneut auf, als die Bilder in einem neuen Kunstband veröffentlicht wurden. Im Interview mit der israelischen Zeitung ‚Haaretz’ erklärte die Künstlerin ihre Intention: Die Bilder sollten dazu anregen, sich darüber Gedanken zu machen, woher das Böse komme. 'Sueddeutsche.de' ließ sie wissen: "Bei 'Potency' konzentriere ich mich auf den Konflikt zwischen bekannten Symbolen der Macht, den Diktatoren dieser Welt, und dem Baby als dem Symbol des ultimativ Machtlosen und Unschuldigen.“

Baby als Hitler - ist das noch Kunst?

Baby als Hitler: Wie weit darf Kunst gehen?
© GAUTIER22 - Fotolia, GAUTIER22

Soweit mag die Intention durchaus nachvollziehbar sein. Dennoch: Beim Betrachten der Bilder bleibt bei vielen ein zumindest schaler Geschmack. Die Bilder werfen viele moralische Fragen auf: Darf man einem Baby - das sich ja noch überhaupt nicht gegen Mamas Ambitionen zur Wehr setzen kann - in solchen Posen und Verkleidungen der Öffentlichkeit preisgeben? Wie wird die Kleine damit umgehen? Kann sie das überwiegend negative Presseecho überhaupt verkraften? Darf ein unschuldiges Kind in solch einem Zusammenhang ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden?

Auch Kleivans Mann, der Vater des "Diktatoren-Models“, war gegen die Kunstaktion, was die Künsterlin selbst in einem Interview zugab. Die Frau, deren Vater in einem deutschen KZ litt, entschied sich dennoch dafür - auch wenn es für sie sehr schmerzhaft gewesen sei. Vor allem die Verwandlung ihrer Tochter zu Hitler und Stalin habe ihr sehr zugesetzt: "Die beiden waren für mich am schwersten umzusetzen. Es tat weh.“

Aufgrund des "teils negativen Medienechos" möchte die Dänin, dass der Name ihrer Tochter - und damit des "Models“ - nicht mehr im Zusammenhang mit der Aktion genannt wird. Diesen Wunsch respektieren wir gerne. Doch die Frage, ob man das eigene Baby derartig "verkleidet“ der Öffentlichkeit preisgeben darf, hat sich uns beim Anblick dieser Bilder trotzdem gestellt.

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