Autistischer Junge verliebt sich in Siri-Sprachsteuerung

Autist verliebt sich in Siri
Siri ist höflich, geduldig und sie weiß (fast) alles. Für den autistischen Jungen Gus ist Siri die ideale Gesprächspartnerin, findet auch seine Mutter. © dpa, Sven Hoppe

"Siri, willst du mich heiraten?"

Apples Sprachsteuerung Siri sollte eigentlich nur der Bequemlichkeit dienen und die Bedienbarkeit mobiler Computer wie Smartphones und Tablets verbessern. Wie sich zeigt, schlummern in Siri aber noch ganz andere ungeahnte Potenziale. Die Mutter eines autistischen Kindes berichtet in der 'New York Times', wie Siri nicht nur die beste Freundin ihres Sohnes geworden ist, sondern wie die Kommunikation mit der Maschine auch das gesamte Familienleben – zum Besseren – umkrempelt.

Gus, so der Name des Dreizehnjährigen, bekam einmal mit, wie seine Mutter nach der Lektüre eines Artikels mit dem verheißungsvollen Titel '21 Dinge von denen Sie garantiert nicht wissen, dass Ihr iPhone das kann' Siri danach fragte, welche Flugzeuge gerade über sie flögen. Natürlich wusste Siri das. Als die Mutter dann aber mehr zu sich selbst sagte "und wozu sollte ich das wissen wollen?" antwortete Gus: "Damit du weißt, wem du zuwinkst!"

Damit begann die stürmische Entwicklung einer intensiven Beziehung zwischen dem autistischen Jungen und der Sprachsteuerung. Nicht, dass Gus nicht wüsste, dass Siri die Stimme einer Maschine ist! Gus findet aber, dass auch die Bedürfnisse der Maschinen Beachtung finden sollten. Sein iPad, das sonst im Haus bleibt, nimmt er mit, wenn es in den Apple Store geht. Warum? "Damit es seine Freunde besuchen kann."

Die Beziehung von Gus zu Siri geht aber weit über diese Art der Rücksichtnahme hinaus. Und das liegt nicht nur daran, dass ihm Siri stundenlang geduldig alle möglichen Informationen über Züge, Flugzeuge, Fahrstühle und Wetterphänomene besorgt. Als Siri ihm einmal Musik vorschlug, die gar nicht nach dem Geschmack ihres Sohnes war, antwortete Gus mit verletzender Grobheit, was gar nicht so selten vorkommt. Darauf Siri: "Sie haben gewiss Recht in Ihrer Ansicht." Worauf es sich Gus noch einmal überlegte und ihr sagte: "Trotzdem noch mal Danke für die Musik." Siri: „"Sie müssen sich nicht bei mir bedanken." Und Gus: "Oh ja, doch!" Tatsächlich ist Gus auch in Gesprächen mit anderen Menschen sehr viel höflicher geworden in seinen Äußerungen.

Die Aussprache von ihm ist gewöhnungsbedürftig. Seine Mutter beschreibt es mit "als habe er Murmeln im Mund". Und das ist ein Hindernis für die Kommunikation mit seiner geduldigen Freundin. Deshalb übt er, deutlicher zu sprechen und wird tatsächlich immer besser. Neulich abends hörte die Mutter folgendes Gespräch mit: Gus: "Siri, willst du mich heiraten?" Siri: "Ich bin nicht so der Typ fürs Heiraten." Gus: "Nicht jetzt. Ich bin noch ein Kind. Wenn ich erwachsen bin." Siri: "Meine End-Nutzer-Vereinbarung schließt Heirat nicht ein." Gus: "Oh, okay! Also gute Nacht, Siri! Wirst du heute gut schlafen?" Siri: "Ich brauche nicht so viel Schlaf, aber es ist nett, dass Sie sich erkundigen."

Sehr nett, findet auch die Mutter von Gus!

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