Autismus: Brief einer Mutter an einen Fremden

Autismus: Brief einer Mutter an einen Fremden

Kate (3) ist Autistin

"Lieber Daddy von Sitz C…": So beginnt ein offener Brief an einen fremden Passagier in einem Flugzeug nach Philadelphia. Verfasst hat ihn Shanell Mouland, die Mutter von Kate, drei Jahre alt und Autistin. Ihre Mama bedankt sich in dem Brief für den liebevollen Umgang des fremden Fluggastes, der im Flieger neben dem Kind saß - und mit seinem ungewöhnlich souveränen Verhalten das Herz der Kleinen gewann. Der Text rührt mittlerweile das ganze Netz.

Kein verstörter Blick als Kate den fremden Mann als "Daddy" bezeichnet, kein betretenes Schweigen als sie den Arm des Mannes berührt, um den Stoff seines Anzugs zu fühlen: Das ist das, was Shanell nicht kennt. Denn in der Regel wissen die meisten Menschen nicht, wie sie mit dem Autismus ihrer Tochter umgehen sollen: Sollen sie mit Kate sprechen wie mit einem gesunden Kind? Oder sie besser ignorieren? Die Reaktionen, die die Mutter der Dreijährigen erlebt, sind unterschiedlich – und vor allem negativ. Deshalb zog sich im Flieger zunächst ihr Magen zusammen, als sie sah, dass ein Geschäftsmann mit Anzug und Krawatte sich neben Kate setzte. Doch das was folgte, schildert sie jetzt in ihrem Brief, den sie im Blog ‚goteamkate.com‘ veröffentlichte.

Mutter Shanell bedankt sich beim Passagier

"Als ich sah, dass Sie sich neben Kate setzen, dachte ich nur: ‚Oh nein, nicht DER!‘. Und dann nahmen Sie Platz. Kate mochte Sie sofort: Sie fühlte den Stoff Ihres Anzugs und sagte: ‚Hi Daddy, das hier ist meine Mutter.‘ Aber anstatt sie zu ignorieren oder verschämt zu lächeln – oder gar sich bei mir mit bösen Blicken zu beschweren, verwickelten Sie sie in ein Gespräch. Sie fragten Sie nach ihren Plüsch-Schildkröten. Sie konnte zwar nur zaghaft antworten, aber sie nahm Augenkontakt mit Ihnen auf – für uns eine kleine Sensation! Sie hat Sie aufmerksam angeschaut und Ihnen zugehört. (…)“

Der Brief endet mit einem dicken Dankeschön: "für den netten Umgang, für Kates Unterhaltung. Danke dafür, dass Sie Ihre Unterlagen weggelegt haben, um mit dem Kind zu reden. Danke für Kates bis jetzt 'erfolgreichsten' Flug." Denn mit einem autistischen Kind zu fliegen, sei jedes Mal aufs Neue ein echtes Abenteuer.

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