LEBEN LEBEN

Aufwachphase - erste Bewegungen eines Komapatienten

Hoffnungsschimmer für die Familie

Es gibt Momente, da ist man kurz davor, die Hoffnung aufzugeben. Doch Erlebnisse wie die von Susann Geßler zeigen, dass sich das Durchhalten lohnt. Nach fast zwei Monaten im Koma erschien die Situation für ihren Vater fast aussichtslos. Doch dann plötzlich: Die erste, unverhoffte Bewegung. Da wusste die 26-Jährige: Er kämpft gegen die Folgen des schweren Autounfalls und will zurück ins Leben!

Koma-Patient erwacht spontan
Auch im Krankenhaus geschehen manchmal Wunder. Susann Geßler hat eines erlebt. © Lichtmaler - Fotolia

Im Mai 2011 hatten Susanns Eltern einen schweren Autounfall, bei dem das Auto auf der Landstraße frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammenprallte. Ihre Mutter wurde daraufhin sofort in ein künstliches Koma versetzt, doch schon nach einem Tag wieder erfolgreich aus dem Koma ins Leben geholt. "Ich weiß gar nichts mehr, weder Geräusche, noch Gerüche. Ich habe nichts wahrgenommen in dieser Zeit", so die Mutter Kathrin Geßler. Nur an die Aufwachphase erinnert sie sich: "Man läuft durch einen Regenbogen, man sieht alles durch einen Nebel und realisiert kaum etwas."

Zwar war die Genesung ihrer Mutter für Susanne ein Lichtblick, doch ihr Vater hatte schwerere Verletzungen. Als ihn die Ärzte aus dem künstlichen Koma holen wollten, fiel er sofort von selbst zurück ins Koma. Erst beim zweiten Versuch passierte etwas, was allen wieder neuen Mut gab: Susanne rief am Bett des Vaters ihre Schwester an und wollte den Hörer neben sein Ohr legen, damit er ihre Stimme hören kann. Doch auf einmal griff er selbst zum Hörer, um mit seiner Tochter zu sprechen.

"Da waren wir erst mal baff. Aber er hat immer gerne telefoniert und wusste etwas damit anzufangen. Er wusste, wie man sich das Telefon ans Ohr hält. Fantastisch", freut sich Susann.

Sie ist sich sicher: Von seinem Wesen her ist ihr Vater noch der Alte. Auch wenn er heute auf dem Geisteszustand eines Sechsjährigen ist - für sie zählt, dass er lebt. Genau das hatte sich Susann auch in der schwierigen Aufwachphase immer wieder vor Augen gehalten.

"Man muss froh darüber sein, dass einem noch jemand geblieben ist. Man muss nach vorne gucken, kann sich nicht ewig daran aufhalten. Es ist schlimm, aber das Leben geht weiter."

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