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Aufklärung für Kinder: So klappt's

Aufklärung für Kinder: So klappt's
Kinder haben im Internet schnellen Zurgriff auf Pornografie. Schadet dies ihrer eigenen Sexualität?

Sexual-Aufklärung: Das Kind aufklären

In Zeiten des Internets flammt immer häufiger die Diskussion um den Pornografie-Konsum von Kindern auf, denn die Zahlen sind alarmierend: 30 Prozent der Acht- bis 13-Jährigen haben sich bereits pornografische Filme im Internet angesehen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Sexualität von Kindern?

Von Sara Dörnemann

Schon immer wurden pornografische Bilder konsumiert, viele Jugendliche entdeckten hierüber ihre Sexualität. Ebenso ist der Genuss von Pornofilmen nichts Verwerfliches. Schwierig wird die Nutzung von Pornografie, wenn sie nachhaltig die eigene Sexualität prägt. Besonders Kinder sind hier gefährdet.

Ob in Rap-Songs, Musik-Videos oder Porno-Filmen - das Thema Sex ist für Kinder jederzeit zugänglich. Doch sollte Erziehung nicht gerade den offenen Umgang mit ihrer eigenen Sexualität fördern? Das Problem liegt hier in der Darstellung von Sex: Devote Frauen, akrobatische Verrenkungen und Männern mit einem ewig erigierten Penis sind oftmals die ersten Eindrücke, die Kinder über Sexualität sammeln. Liebe, Vertrauen und Zärtlichkeit hat in der Porno-Welt keinen Platz.

Die Auswirkungen des frühen Porno-Konsums können daher verheerend sein, wie Sexualwissenschaftler Klaus Beier gegenüber der WELT ONLINE bestätigte. Kinder "lernen" anhand von Pornografie, was Sexualität bedeutet. Spiegelneuronen werden beim Betrachten von Bildern aktiviert und bilden so sexuelle Handlungen im Gehirn ab. Dieser Vorgang ähnelt dem Prozess im Gehirn bei einer aktiven Handlung.

Sexualität der Kinder wird beeinflusst

Aufklärung für Kinder: So klappt's
Kinder und Jugendliche können ihre individuelle Sexualität nicht richtig entwickeln, wenn sie sich an Pornografie orientieren. © picture-alliance/ ZB, Jörg Lange

Besonders in der Pubertät ist der Genuss von Pornografie prägend: "Dann bilden sich bei den Mädchen und Jungen, deren Gehirne noch in der Entwicklung sind, die sexuellen Präferenzstrukturen aus. Das sind irreversible Vorgänge. Bis zum Beleg des Gegenteils ist davon auszugehen, dass Bildinhalte, die im Internet gesehen und mit sexueller Erregung verknüpft werden, sich in dieser sensiblen Phase in die Präferenzstruktur einschleusen könnten.", so Beier.

Dies hat zur Folge, dass schon Jugendliche früh sexuelle Störungen entwickeln können, wie Beier aus eigener Erfahrung bestätigen kann: "Zu mir kommen 13-, 14-jährige Jungen mit sexuellen Verhaltensstörungen, die sich darin äußern, dass sie sich zu Kindern hingezogen fühlen oder gleichaltrige Mädchen bedrängen. Wenn man sie nach Bildern fragt, die sie sexuell erregen, dann berichten sie immer häufig von Bildern aus dem Internet, die sie gesehen haben."

Aber auch ohne Störungen entwickeln Kinder falsche Vorstellungen von Sex. Jungen suchen in der Pornografie die Anleitung für das eigene Sex-Leben und fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt. Denn welcher 12-Jährige kann mit einem durchtrainierten Porno-Darsteller mithalten? Während Mädchen den Konsum von Pornografie eher ablehnen, haben sie jedoch das Gefühl, die gezeigten Dinge mitmachen zu müssen, um eine echte Frau zu sein.

Doch was kann man in der Erziehung gegen diese Entwicklung tun? Handy und Internet sperren? Gerade Verbote sind keine Hilfe, sie machen das Thema Pornografie noch interessanter. Vielmehr müssen Erwachsene Kindern den Unterschied zwischen Liebe, Sex und Pornografie vermitteln. Nur ein Kind was reflektiert mit Medien umgeht, kann sich selbst vor deren Einflüssen schützen.

Reden hilft auch in diesem Fall mehr als Verbote. Setzen Sie sich mit den Interessen Ihrer Kinder auseinander, ohne diese abzuwerten. Erwachsene sind die Vorbilder. Solange wir Kindern nicht zeigen, was Liebe und Wärme bedeutet, wird weiterhin das Internet unseren Erziehungsauftrag übernehmen.

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