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Auch Männer haben ihre "Tage"!

Auch Männer haben ihre "Tage"!

Männer-Tage: Ohne Blutung, aber mit PMS

Männer haben sich in den vergangenen Jahren ja tapfer einige vormals weibliche Domänen erobert: Sie arbeiten als Kindergärtner, Nageldesigner oder Hausmann. Und häkeln tun viele von ihnen auch. Das müsste doch eigentlich reichen. Aber nein, die Herren nehmen uns jetzt auch noch unseren letzten Freiraum: Nämlich die biologisch begründete Lizenz zum Grundlos-Rumjammern, Den-ganzen-Tag-auf-dem-Sofa-liegenbleiben und zum Sich-einfach-mies-fühlen-und-das-alle-anderen-auch-deutlich-spüren-lassen. Denn seit neuestem haben auch Männer offiziell ihre Periode. Zwar (noch) ohne Blutung, aber dafür mit dem ganzen prämenstruellen Gedöns.

Ursula Willimsky

Jeder vierte Mann (26 Prozent) wird angeblich einmal im Monat vom prämenstruellen Syndrom heimgesucht - mit all den bekannten Folgen wie Heißhunger auf Süßes, Essattacken und damit einhergehend Verdrossenheit mit der eigenen Figur. Hinzu kommen Müdigkeit, generelle Unzufriedenheit oder grundloses Genervtsein. Fünf Prozent plagen sogar Unterleibskrämpfe.

Herausgefunden hat all das eine britische Rabattmarken-Cloud. Bei einer Umfrage unter 2.412 Männer und Frauen entdeckte sie zudem, dass die Perioden-Männer nicht nur regelmäßig weinerlich im Wohnzimmer vor sich hin leiden, sondern dabei auch kräftig konsumieren. Angeblich geben sie umgerechnet 116 (!) Euro mehr pro Monat (!) für Süßigkeiten und Snacks aus als Männer, die auch beim tiefsten In-Sich-Hineinhören keine Symptome für Regeltätigkeiten finden können.

Wir halten also fest:

1. Einen Mann mit PMS muss Frau sich erst einmal leisten können

2. Einen Mann mit PMS muss Frau auch ertragen können

Wie sollte ich mit meinem Mann in seiner schweren Zeit umgehen?

Das gelingt nicht jeder. Zwar nehmen 58 Prozent aller Frauen ihrem Partner ab, dass auch er unter PMS leidet, 43 Prozent gehen in diesen schweren Zeiten sogar besonders liebevoll mit ihm um. Ein Drittel der Frauen hingegen glaubt ihrem PMS-Mann kein Wort und findet, er soll sich nicht so haben "und seinen Mann stehen" (Original-Zitat).

Ist das nun ein Zeichen weiblicher Herzlosigkeit? Starres Festhalten an veralteten Geschlechter-Stereotypen? Ein Zeichen dafür, dass diese Frauen an ihrer Seite schon gerne jemanden hätten, der nicht zur Unisex-Toilette durchgewunken wird? Oder dafür, dass es jetzt einfach mal gut ist mit Gender-Gerechtigkeit und ein paar Aspekte des Lebens einfach weiblich bleiben sollen?

Sonst müssen wir demnächst vielleicht sogar lesen, dass jetzt auch Männer schwanger werden!

Oh. Sorry. Auch das ist möglich – zumindest in Form einer Scheinschwangerschaft. Das nennt sich dann Couvade-Syndrom und plagt vornehmlich Partner von schwangeren Frauen. Couvaden-Männern ist morgens öfter mal übel, das Bäuchlein wächst zusehends und die Stimmungen schwanken … tiefenpsychologisch wird dies übrigens von Experten mit einem latenten 'Gebärneid' begründet.

Worauf Männer mit PMS neidisch sind, wollen wir gar nicht so genau wissen. Ganz neu ist das Phänomen ohnehin nicht: Schon in den 90er-Jahren wurde das 'Irritable-Men-Syndrom' beschrieben. Übersetzt: 'Gereiztes-Männer-Syndrom'. Vielleicht ja der passendere Name - dass Männer auch mal gereizt sein können, das unterschreiben wahrscheinlich 100 Prozent aller Frauen.

In solchen Fällen hilft vermutlich nur aushalten oder das tun, was man sich selbst auch wünscht, wenn es einem schlecht geht: Ein paar Streicheleinheiten, verständnisvolle Worte, vielleicht auch eine Chips-Schüssel, die stillschweigend wieder aufgefüllt wird – hach, es gibt ja so vieles, womit man einen Mann glücklich machen kann! Und dann spielt es eigentlich keine Rolle, ob er seine Tage hat oder einfach nur einen ultramiesen Tag.

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